Der Vermögensverwalter Partners Group veröffentlicht am Mittwoch um 17:45 Uhr die Entwicklung der verwalteten Vermögen im ersten Halbjahr. Jahrelang war dies ein eher trockener Routinevorgang. Den detaillierten Zahlen mit Angaben zum Gewinn, die jeweils erst im Frühherbst publiziert werden, schenkten Investoren in der Regel mehr Beachtung.

Das ist in diesem Jahr anders. Partners Group steht unter gewissem Druck, mehr zu kommunizieren als in den letzten Jahren zum selben Zeitpunkt. Der Risikokapitalspezialist aus Baar ZG durchlebt eine handfeste Börsenkrise mitsamt seit Monaten verunsicherten Investoren. Beobachter sehen gar eine Vertrauenskrise, die auch die Konkurrenz von Partners Group wie KKR, Blackstone oder Blue Owl erfasst hat.

Hintergrund sind primär die technologischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf spezialisierte Vermögensverwalter wie Partners Group. Experten schätzen, dass 25 bis 35 Prozent des Privatkreditmarktes, insbesondere Softwarefirmen, direkt oder indirekt von der KI-Disruption bedroht sind. Es ist die Rede von Struktur- und Bewertungsrisiken in diesem Sektor.

In der Folge versuchten zahlreiche verunsicherte Anleger bei Privatmarktspezialisten Geld abzuziehen - was dazu führte, dass Partners Group beim 8,6 Milliarden Dollar ihrem schweren «Evergreen»-Fonds «Global Value SICAV» Massnahmen ergriff. Es wurde ein sogenanntes Gating eingesetzt, das die Rücknahmen auf maximal 5 Prozent pro Quartal deckelt. Als dies Anfang Juni an die Börse ruchbar wurde, verlor die Aktie von Partners Group an einem Tag 16 Prozent - ein höchst seltener Vorgang für ein Mitglied des Swiss Market Index.

Zweite Quartal war für Partners Group schwierig

Nun soll der Mittwoch etwas mehr Klarheit bringen: Das Update von Partners Group enthält Zahlen zu Kapitalbeschaffung, Kapitalabflüssen und Rücknahmen, schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einer Vorschau. Sie schätzt die verwalteten Vermögen von Partners Group für das erste Halbjahr 2026 auf 186 Milliarden Dollar, was unterhalb der Konsensprognose von 189,9 Milliarden Dollar liege. «Die Abweichung von der Konsensprognose ist auf vorsichtigere Annahmen hinsichtlich Rücknahmen und anderer Effekte zurückzuführen», so ZKB-Analyst Daniel Regli. 

Die Rücknahmen schätzt er auf 5 Milliarden Dollar gegenüber der Konsensprognose von 4 Milliarden Dollar. Hintergrund sei der bekannte Anstieg der Rücknahmen bei Evergreen-Fonds im 2. Quartal 2026.

«Es ist bekannt, dass das zweite Quartal hinsichtlich der Rücknahmen schwierig war. Wir erwarten daher in dieser Hinsicht nur wenige negative Überraschungen», schreibt Regli in seiner Vorschau. «Unserer Ansicht nach könnte das Fundraising jedoch eine positive Überraschung bereithalten, da die Konsensprognosen in diesem Bereich - insbesondere für das Gesamtjahr - sehr vorsichtig geworden sind».

Aussagen zu den Erwartungen für das zweite Halbjahr 2026 sowie Kommentare zu Performancegebühren und dem Marktumfeld nach dem Börsengang dürften auf grosses Interesse stossen, so der Analyst weiter.

Grizzly-Bericht und zögerliche Kommunikation beschleunigten Kurszerfall von Partners Group

Erschwerend kam bei Partners Group Ende April ein kritischer Bericht des US-Leerverkäufers Grizzly hinzu. Bis zu 40 Prozent der Investitionen in den hauseigenen «Evergreen»-Fonds der Partners Group seien deutlich zu hoch bewertet, so die Behauptung. Partners Group weist das zurück. Verstärkt wurde der Kurssturz der Aktie, der sich auf über 30 Prozent in diesem Jahr beläuft, aber auch durch eine zögerliche, bruchstückhafte Kommunikation des Unternehmens.

Steffen Meister, Verwaltungsrat von Partners Group, äusserte sich in einem Interview mit Bloomberg Ende Juni zu den Mittelabflüssen. Die Rückzüge stammten überwiegend von vermögenden Kunden aus Asien und nicht von institutionellen Anlegern. Zudem werde nicht ausreichend berücksichtigt, dass 80 Prozent der Gelder von institutionellen Investoren stammen, so Meister.

Meister zeigte sich im Interview überrascht vom starken Kursrückgang der Partners-Group-Aktie. Allerdings sind auch die Titel der Konkurrenz in ähnlichem Ausmass gefallen. 

Im Lauf der letzten Wochen kam es zu einer Kaskade von Kurszieländerungen durch Analysten. Senkungen von Anlageempfehlungen, wie bei der UBS letzte Woche, waren dagegen eher selten. Die UBS strich ihr bisheriges «Kaufen»-Rating für die Aktie, das Kursziel wurde deutlich auf 705 von 1175 Franken gekürzt. Der Schritt war verglichen mit den bisherigen Einschätzungen einschneidend.

Denn im Januar 2025 hatte der zuständige Analyst das Rating auf «Kaufen» angehoben und seither immer wieder bestätigt. Zudem hatte er das Kursziel trotz des Aktienpreisverfalls nur moderat gesenkt. Zur Begründung der nun erfolgten Revision schrieb der Analyst unter anderem, dass wichtige Kurstreiber nur schwer absehbar seien, die Gewinnschätzungen unter Druck stünden und bei reiferen Evergreen-Fonds weitere Rücknahmebeschränkungen nötig werden könnten.

Daneben haben auch die Experten von Barclays das Kursziel auf 940 von 1200 Franken angepasst. Die ZKB dagegen beziffert den fairen Wert je Partners-Group-Aktie seit Anfang Juli auf 1050 Franken (zuvor: 1200 Franken).

Die vollständigen Halbjahreszahlen veröffentlicht Partners Group am 1. September.

Daniel Hügli
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