Einkäufe in die Pensionskasse sind aus zwei Gründen attraktiv: Zum einen erhöhen sie das Altersguthaben und stärken deswegen die persönliche Altersvorsorge - nach dem Motto: Wer heute mehr Geld zur Seite bringt, kann morgen das Leben in grösseren Zügen geniessen.
Zum anderen sind die Beträge, die man freiwillig in die zweite Säule einschiesst, von den Steuern absetzbar. Der Steuerspareffekt kann erheblich sein, wenn man bedenkt, dass die Einkaufssummen oft deutlich grösser sind als die Beträge, die man der Säule 3a zuführen und ebenfalls von der Einkommensteuer abziehen kann.
Gemessen an diesen positiven Aspekten sind Einkäufe in die Pensionskasse allerdings nur wenig verbreitet - selbst unter den Personen, die kurz vor der Pensionierung stehen, wie eine kürzlich veröffentlichte Vorsorgestudie der Basler Kantonalbank (BKB) aufzeigt. Demnach liegt der Anteil der 55- bis 59-Jährigen, die freiwillig in die zweite Säule einzahlen, lediglich bei 12 Prozent. 9 Prozent sind es bei den 50- bis 54-Jährigen.
Unter den noch Jüngeren sind die Quoten wiederum tiefer. So gibt es bei den unter 30-Jährigen kaum Leute, die neben den vom Bruttolohn abgezogenen Beiträgen auch freiwillig Geld in die Pensionskasse gibt.
Dass Junge noch nicht an Pensionskasseneinkäufe denken, ist nachvollziehbar, zumal die Pensionierung noch Jahrzehnte weit entfernt ist. Doch warum sind solche Einkäufe genereller und auch unter älteren Personen nur wenig verbreitet?
Säule 3a ist beliebt
Das hat zunächst mit einer bestimmten Prioritätensetzung zu tun. Die Säule 3a ist beliebt. Sie ist «breit bekannt, vergleichsweise einfach verständlich und für viele die erste Wahl, wenn es darum geht, fürs Alter vorzusorgen und gleichzeitig von Steuerersparnissen zu profitieren», sagt Patrick Riedo, Leiter Kommunikation der BKB.
Zugleich aber ist die dritte Säule beschränkt. Dieses Jahr beispielsweise kann man sein 3a-Konto um höchstens 7258 Franken wachsen lassen. Folglich werden Pensionskasseneinkäufe erst dann erwogen, wenn das Säule-3a-Potenzial ausgeschöpft ist und zudem noch Geld zur Verfügung steht. Das dürfte bei Gutverdienern und damit nur bei einem Teil der Bevölkerung der Fall sein.
«Viele Erwerbstätige nehmen zuerst Einlagen in die Säule 3a vor, bevor Einkäufe in die Pensionskasse vorgenommen werden», sagt auch Mario Bucher, Spezialist des Vorsorgedienstleisters Pensexpert. Die Zahlen der BKB bestätigen Buchers Einschätzung wiederum und weisen das Aufkommen der dritten Säule in den vergangenen Jahren nach. 2022 haben 46 Prozent der Leute Geld in die Säule 3a eingebracht; 2007 waren es 32 Prozent. Diese Raten sind deutlich höher als die Anteile bei den Pensionskasseneinkäufen.
Dass die Säule 3a zu einem festen Bestandteil der persönlichen Vorsorge vieler Menschen geworden ist, zeigt sich auch an den Einzahlungsbeträgen. Laut der BKB sind 2022 im Schnitt rund 5282 Franken eingezahlt worden - gegenüber 4371 Franken im Jahr 2007. Zudem wird heute häufiger als früher die maximal erlaubte Summe pro Jahr eingeschossen. Folglich sparen nicht nur mehr Personen in der dritten Säule, sondern diese Personen sparen auch zusehends mehr Geld an. Kurzum: Die dritte Säule wird immer häufiger genutzt, während die Pensionskasse ein an sich zentraler Baustein der persönlichen Vorsorge ist, aber gemessen an den freiwilligen Einkäufen zurückhaltend behandelt wird.
Für diese Zurückhaltung nennt Bucher denn auch «fehlendes Vertrauen in die eigene Pensionskasse» als weiteren Grund. Er trifft auf einen Teil der Kassen zu, wohl aber nicht auf alle. Doch solche mit tiefer Verzinsung und tiefem Umwandlungssatz geben den Versicherten wenig Anlass, mehr als notwendig einzuzahlen.
Dabei ist nicht zwingend die Pensionskasse als solche per se schlecht. Denn die Vorsorgeeinrichtungen unterliegen selbst den Trends am Kapitalmarkt und in der Gesellschaft - Stichwort: Langlebigkeit. Die steigende Lebenserwartung bedeutet, dass die Renten über eine immer längere Zeitspanne hinweg finanziert werden müssen.
Das macht Druck. Jüngst veröffentlichte Daten zeigen aber, dass sich die Lage allmählich stabilisiert. Nachdem die Umwandlungssätze in den letzten Jahren spürbar gesunken sind, dürften sie in den kommenden Jahren fast gleich hoch bleiben: 2026 liegt der durchschnittliche Umwandlungssatz der Schweizer Pensionskassen bei 5,19 Prozent; 2031 soll er 5,11 Prozent betragen, besagt die Anfang Mai publizierte Pensionskassen-Studie des Beratungsunternehmens Complementa (mehr dazu hier).
Fehlendes Wissen als Grund für ausbleibende Einkäufe
Wer sich aufgrund einer tiefen Verzinsung oder eines tiefen Umwandlungssatzes gegen Einkäufe entscheidet, kennt offensichtlich wesentliche Kennzahlen seiner Pensionskasse. Doch nicht selten fehlt es an elementarem Wissen: «Viele Erwerbstätige kennen die Möglichkeiten gar nicht, Pensionskassen-Einkäufe zu tätigen», sagt Mario Bucher vor Pensexpert und ergänzt: «Obwohl die Einkaufssumme auf dem Vorsorgeausweis ausgewiesen wird, wissen viele Erwerbstätige gar nicht, was mit dieser Summe gemacht werden kann.» Der Blick auf den Vorsorgeausweis zeigt also Optionen auf, die zuvor womöglich nicht bekannt waren.
Ein weiteres Hindernis der Einkäufe in die zweite Säule: Das Vorsorgevermögen ist parkiert und grundsätzlich nicht mehr abrufbar. Vielen Erwerbstätigen sei es ein Dorn im Auge, dass die Pensionskasseneinkäufe bis zur Pensionierung gebunden seien und nicht für private Zwecke wieder verwendet werden könnten, erklärt Bucher. Aufgrund dessen würden die Einkäufe erst kurz vor der Pensionierung vorgenommen, wenn überhaupt.
Hier spielt wesentlich hinein: Wer auf das 60. Altersjahr zuläuft, hat oft noch andere finanzielle Schwerpunkte, erhöhte Gesundheitskosten, Wohneigentum oder die Unterstützung der Familie beispielsweise. Da werden sich viele zweimal überlegen, worauf sie ihr Geld verwenden - und worauf nicht.
Wichtig zu wissen ist zudem: Einzahlungen in die Pensionskasse unterliegen einer Sperrfrist. Während dreier Jahren kann keine Kapitalauszahlung erfolgen, es sei denn, man ist bereit, die Steuern nachzuschiessen, die man zuvor eingespart hat. Das reduziert die Flexibilität und «kann die Attraktivität solcher Einkäufe einschränken», führt Riedo aus.
Die Resultate der BKB-Vorsorgestudie zeigen schliesslich auch, dass sich ein Teil der Menschen erst spät vertieft mit ihrer Pensionierung und der finanziellen Vorsorge auseinandersetzt. So habe rund ein Viertel der 50- bis 64-Jährigen momentan noch keine konkrete finanzielle Planung für die Pensionierung vorgenommen. Auch das wird dazu beitragen, dass Pensionskasseneinkäufe selbst kurz vor der Pensionierung vergleichsweise wenig verbreitet sind.
Über die Vorsorgestudie
Die Vorsorgestudie der Basler Kantonalbank (BKB) wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt. Sie basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1300 Personen in der Region Basel sowie ergänzenden Analysen von Kundendaten der BKB und Steuerdaten des Kantons Basel-Stadt aus den Steuerjahren 2007 und 2022.

