Auslöser ist der ‌wachsende ‌Druck auf Premierminister Keir Starmer, der um sein politisches Überleben kämpft. Die Verunsicherung über die politische Stabilität des Landes liess Investoren die Flucht ergreifen.

Das Pfund Sterling steuerte auf den ​stärksten Tagesverlust gegenüber dem Euro seit August zu und büsste ‌0,7 Prozent ein. Der Londoner Leitindex FTSE-100 ‌fiel zeitweise ein halbes Prozent und war damit der schwächste Wert unter den grossen europäischen Börsen. Auch britische Staatsanleihen flogen aus den Depots. Im Gegenzug stieg die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen zeitweise mehr als sieben Basispunkte auf rund 4,60 Prozent. Die Renditen ⁠30-jähriger Papiere erreichten den höchsten Stand seit November.

«Die Entscheidung seines wichtigsten Beraters, sich zu opfern, mag Starmer etwas Zeit verschaffen», sagte Benjamin Picton, Marktstratege bei der Rabobank. «Aber Anzeichen ​weitverbreiteter Unzufriedenheit in den eigenen Reihen, verstärkt durch katastrophale Umfrageergebnisse, erwecken ‌den Eindruck, dass seine Tage gezählt sind.» Am ‍Sonntag hatte Starmers wichtigster Berater Morgan McSweeney seinen Hut genommen. Hintergrund ist die zeitweise Nähe Starmers ​zu Peter Mandelson, den Starmer trotz dessen bekannter Verbindungen zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zum britischen Botschafter in den USA ernannt hatte. Zum Wochenanfang trat auch Kommunikationschef Tim Allan zurück.

Starmer, ‌dessen Labour-Partei im Juli 2024 einen Erdrutschsieg errang, ⁠kämpft mit schlechten Umfragewerten. Kritiker werfen ihm vor, ‌Wahlversprechen zur Bekämpfung der hohen Lebenshaltungskosten und zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht eingelöst zu haben. Finanzministerin Rachel Reeves ‍steht unter Druck, an ihren strengen Haushaltsregeln festzuhalten, um die britischen Staatsfinanzen im Gleichgewicht zu halten. Laut der Prognose-Website Polymarket stiegen die Chancen, dass Starmer ​noch vor Ende dieses Monats zurücktritt, bis Montagnachmittag auf 40 ‍Prozent. Vergangene Woche hatten sie noch bei rund 6,5 Prozent gelegen. 

(Reuters)