Der neue Porsche-Chef Michael Leiters tritt ein schweres Erbe an: Das Debakel im China-Geschäft und milliardenhohe Belastungen durch den Strategieschwenk bei der Elektromobilität haben bei dem ‌Sportwagenbauer den ⁠Gewinn im vergangenen Jahr fast aufgezehrt.

Wie der Mutterkonzern Volkswagen am Dienstag mitteilte, belief sich das operative Ergebnis 2025 auf 90 Millionen Euro nach knapp 5,3 ⁠Milliarden Euro im Jahr davor. Der im Januar angetretene Leiters muss das Steuer herumreissen mit weiteren Einsparungen und der Neuausrichtung des Modellangebots. Dabei kommen zu alten Problemen gerade neue Sorgen hinzu: Der ‌Iran-Krieg trifft mit den Golfstaaten einen wichtigen Markt mit wohlhabenden Kunden.

Inklusive Finanzdienstleistungen erzielte Porsche mit Modellen wie ‌911, Cayenne oder Panamera 2025 ein Ergebnis von 413 Millionen Euro nach 5,6 ​Milliarden Euro im Vorjahr. Die Marge erodierte auf 0,3 Prozent, nachdem Porsche mit rund 15 Prozent früher der profitabelste deutsche Hersteller war. Es kam damit noch schlimmer als von Analysten erwartet. Im Jahr des Börsengangs 2022 glänzte Porsche noch mit einer Rekordrendite von 18 Prozent. Im vergangenen Jahr hat der Autobauer, Lieblingsfirma der milliardenschweren VW-Eignerfamilien Porsche und Piech, am Finanzmarkt mit vier Gewinnwarnungen viel Vertrauen eingebüsst. Ingo Speich, Nachhaltigkeitschef der Fondsgesellschaft Deka Investment, erwartet von Leiters jetzt eine ‌Konzentration auf Einsparungen. «Wir hätten gerne so schnell wie möglich Klarheit über seine Strategie.»

Luxusmarkt unter Druck

Ein grosser Teil der Probleme rührt allerdings von Faktoren her, die sich der Kontrolle der Unternehmen entziehen und an die sich auch Porsche nur anpassen kann. «Gründe für den Rückgang sind ein grundlegend verändertes Marktumfeld in China, US-Zölle, der langsamere ​Hochlauf der Elektromobilität und damit verbundene Einmal- und Sondereffekte», erklärte der VW-Konzern zu seinem Segment «Sport Luxury», das allein aus ​Porsche besteht. Der Stuttgarter Autobauer habe die Belastungen teilweise durch das eingeleitete Sparprogramm ausgleichen können. Noch ​unter der Führung von VW-Chef Oliver Blume, der die Doppelrolle als VW- und Porsche-Chef kürzlich abgab, hatte Porsche ein Kostensenkungsprogramm mit dem Abbau von knapp 4000 Arbeitsplätzen eingeleitet. Weitere Einschnitte sollen ‌folgen, darüber wird schon länger mit dem Betriebsrat verhandelt.

Details zur trüben Bilanz wird Porsche am Mittwoch veröffentlichen. Gespannt sind Anleger auf den Ausblick, den Leiters bei seinem ersten Auftritt als neuer Vorstandschef geben wird. Eine ausgefeilte Strategie erwarten Analysten aber erst später im Jahr bei einem Kapitalmarkttag. Leiters wolle die Führungsstruktur straffen, um schneller ​entscheiden zu ​können, hiess es in seinem Umfeld. Der früher bei McLaren und Ferrari tätige ⁠Manager werde den Schwerpunkt stärker auf Modelle mit Verbrennungsmotoren wie die Ikone 911 legen. Porsche ​will sich wegen zu geringer Nachfrage der ⁠Sportwagenfans nach E-Autos wieder stärker auf Modelle mit klimaschädlichen Verbrennungsmotoren verlegen. Der Autobauer will bis weit in die 2030er Jahre bei den Antrieben mehrgleisig fahren mit Benzinmotoren, ‌Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos.

Der grösste Krisenherd ist China: Porsches Auslieferungen an Endkunden dort schrumpften im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf knapp 41.000 Fahrzeuge - 2021 schlugen die Schwaben auf ihrem damals grössten Markt noch fast 100.000 Autos los. Der Luxusfahrzeugmarkt ist wegen der ‌schwächelnden Wirtschaft eingebrochen. Heimische Hersteller erhöhen zudem den Wettbewerbsdruck mit preisgünstigeren Elektroautos. Die einst begehrten westlichen Marken sind in ​China derzeit weniger gefragt. Porsches Absatz an den Autohandel schrumpfte im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf 266.000. Der Umsatz sank um fast zehn Prozent auf 36,3 Milliarden Euro und lag damit unter der mehrmals gesenkten Prognosespanne des Unternehmens. Für 2026 hat Porsche auf einer Analystenkonferenz Ende Januar einen weiteren Absatzrückgang angekündigt, die Rendite soll sich ‌aber wieder auf mehr als fünf Prozent erholen.