Der Goldpreis fiel um bis zu sieben Prozent ‌auf ‌5015 Dollar je Feinunze, die Notierungen für Silber brachen in der Spitze um 13,8 Prozent auf 100,11 Dollar je Feinunze ein. Auch Platin gibt 10 Prozent nach.

Auslöser für den Preisrutsch waren Spekulationen, die ​US-Notenbank Federal Reserve könnte nach dem Ausscheiden von ‌Jerome Powell im Mai einen restriktiveren ‌Vorsitzenden bekommen als erwartet. Dies verlieh der US-Währung einen Schub, was die in US-Dollar gehandelten Edelmetalle für ausländische Käufer teurer macht.

US-Präsident Donald Trump will am Freitag einen Kandidaten für den Wechsel an der Fed-Spitze benennen. Der ⁠frühere Notenbank-Gouverneur Kevin Warsh hat sich offenbar als Favorit herauskristallisiert. Auf der Kandidatenliste stehen insgesamt vier Personen. Warsh werde als jemand gesehen, der sich Trumps Wünschen nicht ​unbedingt unterordnen dürfte, sagte Khoon Goh von ANZ in ‌Singapur.

Trump wird voraussichtlich Warsh als seinen Kandidaten für den Vorsitz der US-Notenbank (Fed) nominieren, wie Bloomberg News berichtete. Der ehemalige Fed-Gouverneur gilt seit Langem als Verfechter einer strengen Inflationsbekämpfung, hat sich aber in den letzten Monaten dem Präsidenten angeschlossen, indem er sich öffentlich für niedrigere Zinsen ausgesprochen hat. Trump kündigte an, seinen Kandidaten am Freitagmorgen US-amerikanischer Zeit bekannt zu geben.

Trump übt seit Monaten Druck ‍auf die als unabhängig geltende Notenbank aus, die Zinsen zu senken. Die Fed hatte am ​Mittwoch nach drei Zinssenkungen im Jahr 2025 eine Zinspause eingelegt und den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. In den vergangenen ‌Wochen waren die Preise für die Edelmetalle von ⁠Rekord zu Rekord geeilt.

Noch am ‌Donnerstag hatten geopolitische Sorgen und die ungewisse US-Zins- und Wirtschaftspolitik unter Trump die Notierungen für Gold ‍und Silber mit 5.594,82 beziehungsweise 121,64 Dollar je Feinunze auf ein Allzeithoch getrieben. Seit Jahresbeginn hat sich Gold um mehr als ​20, Silber um 43 Prozent verteuert. Gleichzeitig geriet ‍der Dollar ins Rutschen, Anfang der Woche war der Dollar-Index auf ein Vier-Jahres-Tief gefallen.

«Die Goldpreisentwicklung bestätigt die altbekannte Warnung vor schnellen Kursanstiegen und ebenso schnellen Kursstürzen», sagte Christopher Wong, Stratege bei der Oversea-Chinese Banking. Die Meldungen über Warshs Nominierung hätten zwar einen Auslöser gegeben, eine Korrektur sei aber längst überfällig gewesen, so Wong. «Es ist, als ob die Märkte nur auf eine Ausrede warten, um die parabolischen Kursbewegungen wieder auszugleichen.»

Nachdem Gold und Silber in diesem Jahr bereits so stark gestiegen waren, gaben einige technische Indikatoren Warnsignale. Einer davon ist der Relative-Stärke-Index (RSI), der in den letzten Wochen signalisierte, dass beide Metalle überkauft sein könnten und eine Korrektur bevorstehe. Der RSI für Gold erreichte kürzlich 90 – den höchsten Wert für das Edelmetall seit Jahrzehnten.

Selbst nach dem Rückgang liegt Gold im Januar immer noch rund 17 Prozent im Plus und nähert sich damit seinem stärksten monatlichen Anstieg seit 1980. 

(Bloomberg/Reuters/cash)