Nach dem Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran stieg der Preis je Fass Öl der Sorte Brent zügig von 70 auf knapp 114 Dollar. Inzwischen hat sich der Rohstoff deutlich verbilligt. Anfang Juli hatte er bei etwas über 70 Dollar das Vorkriegsniveau praktisch wieder erreicht. Momentan kostet ein Fass Öl - rund 159 Liter - allerdings um 87 Dollar. Tendenz: steigend.
Das Auf und Ab der Marktpreise spiegelt die Lage im Nahen Osten wider. Entspannt sich diese, fallen die Notierungen. Flammt der Konflikt wieder auf, ziehen die Preise abermals an. Wichtig ist hierbei die für den Welthandel kritische Strasse von Hormus. Die Anzahl der Schiffe, welche die Meerenge passieren, liegt weiterhin markant unter dem Vorkriegsniveau. Und so ist auch die Menge Öl, welche den Persischen Golf verlässt, noch immer vergleichsweise gering.
Dennoch hat sich in den vergangenen Wochen eine gewisse Erholung eingestellt. Nach Einschätzung von Experten der ING Bank um Stratege Warren Patterson kann die Normalisierung nun sogar zügiger erfolgen, als bislang angenommen wurde. Daher haben die Experten ihre Ölpreisprognose gesenkt und sehen neu pro Fass Brent-Öl 80 Dollar im dritten Quartal 2026, 74 Dollar im vierten Quartal 2026 sowie 70 Dollar im kommenden Jahr.
Die ING-Prognose fusst auf der Annahme, dass es zu keinen nennenswerten Störungen des Verkehrs durch die Strasse von Hormus kommt. Dies aber könne eine zu optimistische Ausgangsthese gewesen sein, angesichts der jüngsten Eskalation des Konflikts, heisst es in der ING-Notiz von Ende letzter Woche. Gerade seit dem Wochenende haben sich die USA und der Iran wieder vermehrt gegenseitig angegriffen. So können sich die Rohstoff-Spezialisten der ING Bank auch Preise von bis zu 100 Dollar pro Fass der Öl-Sorte Brent im dritten Quartal des laufenden Jahres vorstellen.
Neben der Lage am Persischen Golf ist die Nachfrage Chinas nach dem «schwarzen Gold» relevant. Sollte das Reich der Mitte auf dem momentanen Preisniveau seine Importe hochfahren, so sei dies ein Hinweis darauf, dass die chinesische Wirtschaft ihre Lagerbestände wieder auffüllen muss, schreibt Robin Haworth, Analyst von Lombard Odier, in einem Marktkommentar vom vergangenen Donnerstag. Das Verhalten Chinas könne den Ölpreisen sodann Auftrieb verleihen. Hingegen würden die Notierungen nachgeben, wenn China dem Markt fern bleibe, ergänzt der Spezialist.
Von der Ölpreisentwicklung hängt indirekt auch die Zinspolitik der weltweit führenden Notenbanken - wie der Fed in den Vereinigten Staaten - ab. Denn steigende Preise für den Rohstoff schlagen auf die Inflation durch. Und solange die Teuerungsrate weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel der Zentralbanken liegt, werden diese die geldpolitischen Zügel kaum lockern. Die Fed hat jedenfalls klargestellt, dass sie für Preisstabilität sorgen wird. Marktteilnehmer rechnen nun mit Zinserhöhungen noch in diesem Jahr.

