Die Turbulenzen am Öl- und Anleihemarkt werden die Anleger wohl auch in der neuen Handelswoche beschäftigen. «Die angespannte Stimmung an den Finanzmärkten dürfte bis mindestens Anfang November - dem Termin der US-Zwischenwahlen - anhalten», schreiben die Experten der Helaba. «Vielleicht ergibt sich dann wenigstens eine Lösung im US-Iran-Konflikt.» Die entscheidende Frage für die Märkte sei derzeit, ob die Unternehmensgewinne hoch genug blieben, um die Belastung durch gestiegene Finanzierungskosten aufzufangen, sagt Analystin Daniela Hathorn vom Broker Capital.com. Im Blick stehe dabei vor allem der Technologiesektor.
Die Kluft zwischen dem Dax und den technologielastigen US-Indizes, die in der alten Woche neue Rekorde verzeichnet haben, weite sich dabei laut Ulrich Kater von der DekaBank erneut aus. «Das wirft die Frage auf, wie nachhaltig der Anstieg ist.» Nach der Achterbahnfahrt der vergangenen Tage notierte der deutsche Leitindex am Freitagnachmittag bei 25'140 Punkten und damit rund ein halbes Prozent unter dem Vorwochenschluss. Bislang hätten die Aktienmärkte den stetigen Renditeanstieg recht gut wegstecken können, die Korrelation zwischen Aktien- und Rentenkursen sei jedoch stark gestiegen, kommentierten die LBBW-Analysten. «Damit staut sich an den Börsen ein wachsendes Korrekturpotenzial auf.»
Die Anleiherenditen zeigten auf Wochensicht zwar Anzeichen einer Stabilisierung, lagen jedoch weiterhin nahe ihren Mehrjahreshochs. Im Fokus der europäischen Rentenmärkte stand Frankreich, wo die Aussichten für die Staatsfinanzen mittelfristig herausfordernd bleiben. Nach oben trieben die Renditen zudem Inflations- und Zinsängste der Anleger infolge der hartnäckig hohen Energiekosten. Nach dem sprunghaften Anstieg am Donnerstag legte der Preis für Nordsee-Rohöl Brent gegenüber dem Vorwochenschluss um rund ein halbes Prozent zu. Damit verharrte er über der 100-Dollar-Marke.
US-Inflation im Fokus
Im Mittelpunkt der neuen Konjunkturdatenwoche steht daher der US-Inflationsbericht am Mittwoch. «Im September sind die US-Verbraucherpreise wohl deutlich gestiegen, wofür hauptsächlich teureres Benzin verantwortlich war», prognostiziert Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte zwar moderater ausfallen. «Aber dies wird die Notenbank wohl nicht von einer weiteren Zinserhöhung im Dezember abhalten.»
Bei den anderen Konjunkturdaten blicken Anleger am Dienstag auf die endgültigen deutschen Inflationszahlen für September. Zur Wochenmitte werden die chinesischen Aussenhandelsdaten für den vergangenen Monat erwartet. Am Donnerstag stehen die Zahlen zur Industrieproduktion in der Euro-Zone im August an. In den USA werden zudem die Daten zu den Erzeugerpreisen und den Einzelhandelsumsätzen für September veröffentlicht. Zum Wochenschluss stehen die endgültigen Inflationsdaten für den Euroraum sowie die US-Aussenhandels- und Industrieproduktionsdaten für September im Mittelpunkt.
Schweizer Unternehmen präsentieren Quartalsergebnisse
In der Schweiz präsentieren einige Unternehmen Quartalsergebnisse: Am Dienstag starten Givaudan und Sulzer, dann folgen Bossard am Donnerstag sowie Lonza mit dem Capital Markets Day. Am Donnerstag gibt es Q3-Updates von VAT, Cicor, DocMorris und Kuros.
Im Fokus steht zudem der Auftakt der Bilanzsaison in den USA mit den Quartalsergebnissen grosser Banken. Die Anleger wollen laut Experten vor allem wissen, wie sich der jüngste starke Anstieg der Anleiherenditen auf das Geschäft mit Übernahmen, die Kreditvergabe und die Refinanzierungskosten auswirkt. Vier der sechs grössten US-Geldhäuser, JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo, legen ihre Ergebnisse am Dienstag vor. Am Mittwoch folgen die Geschäftszahlen von Morgan Stanley und der Bank of America.
Der Branchenindex KBW ist seit seinem Höchststand im August um 13 Prozent gefallen. Analysten zufolge hoffen die Anleger auf Zusicherungen, dass die Projekte im Kapitalmarktgeschäft stabil bleiben, das Kreditwachstum planmässig verläuft und ein Anstieg der Einlagenkosten eingedämmt wird. Eine Wiederholung der Probleme mit unrealisierten Verlusten in den Wertpapierportfolios wie während der Bankenkrise 2023 erwarten Experten jedoch nicht. Die meisten Banken hätten seitdem das Risiko besser gesteuert, sagte die Portfoliomanagerin Cheryl Pate von Angel Oak Capital Advisors.
Besonders im Fokus steht das Investmentbanking, nachdem gestiegene Anleiherenditen Ende September bereits zur Absage von Börsengängen geführt hatten. Die Erwartungen der Banken gehen hier auseinander. Auch die allgemeinen Geschäftsprognosen sind bislang uneinheitlich.
(Reuters/cash)

