Raiffeisen-Chef - Patrik Gisel: «Leonteq-Rückschlag enttäuscht uns»

Starkes Hypothekenwachstum, aber grosse Probleme mit der Leonteq-Beteiligung: Das Geschäftsresultat von Raiffeisen bietet Höhen und Tiefen. CEO Patrik Gisel stellt sich im Video-Interview den Fragen von cash.
24.02.2017 13:59
Von Ivo Ruch
Patrik Gisel, Chef der Raiffeisen-Gruppe Schweiz.
Bild: cash

Wäre die missliche Lage von Leonteq nicht gewesen, hätte die Raiffeisen Gruppe erneut ein Rekordergebnis erzielt. Doch der Derivate-Spezialist, an dem Raiffeisen zu 30 Prozent beteiligt ist, hat ein miserables Jahr hinter sich und rutschte im zweiten Halbjahr gar in die roten Zahlen ab. Die Leonteq-Aktie brach 2016 um mehr als Dreiviertel ein. Und so muss Raiffeisen-Chef Patrik Gisel eine Wertberichtigung der Leonteq-Beteiligung in der Höhe von 69 Millionen Franken hinnehmen.

"Dieser Rückschlag enttäuscht uns", sagt Patrik Gisel im Video-Interview zu cash. Denn unter dem Strich führt er zu einem Gewinnrückgang um 6,6 Prozent auf 754 Millionen Franken. Dennoch hält Gisel am Derivate-Spezialist fest. "Wir haben mit Leonteq einen langfristigen Kooperationsvertrag. Deshalb ist eine Veräusserung unseres Anteils ausgeschlossen."

Was er aber nicht ausschliesst, ist der Verkauf eines Teils des Aktienpakets. "Eventuell werden wir zugunsten eines weiteren strategischen Investors einen kleinen Anteil unserer Aktien zur Verfügung stellen", so Gisel zu cash.

Wachstum wird abnehmen

Deutlich besser lief hingegen das Geschäft mit Hypotheken, das Raiffeisen selbst als "Erfolgsgeschichte" bezeichnet. Mit einem Zuwachs der Hypothekarforderungen von 4,3 Prozent auf 165,4 Milliarden hält Raiffeisen nun einen Marktanteil von 17,2 Prozent des hiesigen Marktes nach 16,9 Prozent im Vorjahr.

Für das kommende Jahr erwartet Gisel allerdings einen leichten Rückgang des Wachstums, wie er sagt: "Es wird eine leichte Abflachung geben. Die Massnahmen der Selbstregulation greifen und hemmen das Wachstum etwas." Damit spricht er die Verschärfungen der Vergabekriterien von Hypotheken an. Raiffeisen machte unlängst Schlagzeilen mit dem Plan, Hypotheken auch Kunden mit kleinerem Einkommen zugänglich zu machen.

Die Finanzmarktaufsicht Finma äusserte allerdings Bedenken bezüglich zu lockerer Tragbarkeitsregeln. Nachahmeaktionen bei anderen Anbietern und eine erhöhtes Risiko einer Immobilienblase könnten die Folge sein. Daraufhin zog Raiffeisen die Pläne wieder zurück.

Wie weiter bei den Billig-Hypotheken?

Doch ganz vom Tisch sind die "Billig-Hypotheken" deswegen nicht. "Wir haben die Möglichkeit, mit einem kleinen Anteil unseres Portfolios auch ausserhalb der Tragbarkeitsregeln zu operieren."

Das sei in der Regulation so vorgesehen und werde nur im Einzelfall so angewendet. Gisel rechnet mit einem Volumen von maximal 5 bis 7 Milliarden Franken pro Jahr. Laut den aktuellen Geschäftszahlen sind 92 Prozent aller Hypotheken kleiner als 1 Million Franken. Eine durchschnittliche Neuhypothek beträgt 454’000 Franken.

Zusätzliche Energie will Raiffeisen für den Ausbau der Online-Hypotheken aufwenden. Die im Internet abgeschlossenen Baufinanzierungen machen derzeit zwar noch weniger als 1 Prozent des Gesamtvolumens aus. Etwas weiter sind da kleinere Banken wie die Basellandschaftliche Kantonalbank. Sie hat bei einem Hypotheken-Volumen von 17,6 Milliarden derzeit 862 Millionen Franken sogenannter E-Hypotheken in den Büchern.

Im Video-Interview sagt Patrik Gisel zudem, welches seine Highlights im Geschäftsjahr 2016 waren.