In der neuen Börsenwoche werden Anleger weiter auf die Entwicklungen im Nahen Osten sowie am Öl- und Anleihemarkt blicken. Wie aus Kreisen der Verhandlungspartner am Donnerstag verlautete, könnte eine Vereinbarung vorsehen, dass ‌Teheran die für ⁠den Öltransport wichtige Wasserstrasse von Hormus wieder öffnet. «Dies verschafft den Investoren eine Atempause», schreiben die Experten der Helaba. «Allerdings nutzt sich diese Hoffnung ab angesichts immer neuer vermeintlicher Verhandlungslösungen.»

Nordsee-Rohöl der Sorte Brent verbilligte sich am Freitag um rund ⁠1,5 Prozent. Dennoch verharrte der Preis über der 100-Dollar-Marke und verzeichnete auf Wochensicht ein Plus von rund einem Prozent. Der Schweizer Aktienmarkt zog in den vergangenen Handelstagen wieder an, der Swiss Market Index (SMI) überquerte die Marke von 14'000 Punkte aber nur zeitweilig. Derweil begab sich der deutsche Leitindex Dax auf Richtungssuche. Mit einem leichten Plus am Freitag lag er zuletzt rund ein halbes Prozent über ‌dem Vorwochenschluss.

Im Fokus stehen auch die zuletzt rasant angestiegenen Anleiherenditen. «Am Rentenmarkt reiben sich selbst erfahrene Akteure derzeit die Augen», sagt Carsten Klude, Chefökonom der Privatbank ‌M.M.Warburg. Die Erwartung weiterer Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed trieb die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zuletzt über die psychologisch wichtige Marke ​von fünf Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2007, also vor der globalen Finanzkrise. «Dies wirft die fundamentale Frage auf: Erleben wir aktuell eine gesunde Normalisierung nach den zwischenzeitlichen Nullzinsjahren der jüngeren Vergangenheit, oder kommt es gerade zu einem perfekten Sturm und zum Beginn einer neuen Ära dauerhaft höherer Zinsen und Renditen?», fragt sich Klude.

Geopolitik und Künstliche Intelligenz im Blick

Zudem blicken Anleger weiter auf die Geopolitik. Nach dem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der alten Woche erwarten Experten zwar keinen diplomatischen Durchbruch. «Für die Märkte wäre eine gewisse Stabilität zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften jedoch sicherlich förderlich», sagt Jens Herdack, Direktor der Weberbank. ‌Dennoch sei Vorsicht angebracht, denn die grundlegenden Konflikte blieben bestehen. Beim Thema KI-Sicherheit erwarteten die meisten Beobachter etwa nur ein ausgeweitetes Dialogformat, nicht aber bindende Absprachen.

Sorgen der Anleger über eine mögliche Abschwächung des Entwicklungstempos bei Künstlicher Intelligenz (KI) wegen Sicherheitsbedenken hatten die Aktienkurse Anfang des Monats belastet. «Schnelllebig wie der Markt aber ist, führte dann die Vorstellung eines neuen KI-Modelles des Mutterkonzerns von Facebook und Instagram zu einer deutlichen Erholung am Markt», sagt Herdack. In der alten Woche ​stiegen der Index der US-Technologiebörse Nasdaq und der europäische Branchenindex um rund 1,5 und 2,5 Prozent. «Wir erwarten allerdings eine Phase höherer Aktienkursschwankungen im Aufwärtstrend, da wir es für ​sehr wahrscheinlich halten, dass in den kommenden Wochen verstärkt der Sicherheitsaspekt der Künstlichen Intelligenz thematisiert wird.»

US-Jobdaten stehen an

Im Mittelpunkt der neuen Konjunkturdatenwoche ​steht der US-Arbeitsmarktbericht für September, der am Freitag veröffentlicht wird. Daraus erhoffen sich Börsianer neue Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed, die versucht, mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen und den heiss gelaufenen Jobmarkt abzukühlen. Die Beschäftigung in den USA dürfte auch in ‌diesem Monat merklich gestiegen sein. «Der amerikanische Arbeitsmarkt hat Belastungen wie den drastischen Anstieg der Ölpreise oder die Zollpolitik der US-Regierung bisher recht gut verkraftet, auch wenn die Entwicklung teilweise etwas holprig verlief», sagt Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. «Allerdings verweisen Beobachter darauf, dass überproportional viele Stellen im Gesundheitswesen geschaffen wurden.»

Bei anderen Konjunkturdaten warten Anleger unter anderem auf Zahlen zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone und in den USA im September, die am Dienstag veröffentlicht werden. Im Fokus am Mittwoch stehen ​die Daten zur ​Entwicklung der Inflation in der Bundesrepublik in diesem Monat. In den USA werden am Nachmittag Zahlen zum Wirtschaftswachstum ⁠im zweiten Quartal und der PCE-Index für August erwartet.

Dabei handelt es sich um ein für die Fed wichtiges Inflationsmass, das ​auf die persönlichen Ausgaben der US-Konsumenten bezogen ist. Ebenfalls ⁠zur Wochenmitte stehen deutsche Daten zu den Importpreisen sowie Einzelhandelsumsätzen im August und zum Arbeitsmarkt im September an. Für Donnerstag ist die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für die Industrie im Euroraum und in den USA im September sowie ‌der europäischen Arbeitsmarktdaten für August geplant. Zum Wochenschluss blicken Anleger auf die erste Einschätzung zur Inflationsentwicklung in der Euro-Zone im September.

Die Schweizer Unternehmensagenda ist nicht sehr üppig gefüllt. Im Fokus steht zunächst der Pharmatag von Roche, der am Montag in London stattfindet. Am Donnerstag wird der Baustoffkonzern Sika seinen Investorentag abhalten. 

(Reuters/cash)