Die europäischen Uhren- und Schmuckhersteller sind wieder en vogue. Allerdings kommen die Kurse von einem relativ tiefen Niveau. Ein MSCI-Index, der den Sektor abbildet, hat die Verluste seit Beginn des Krieges zwar wieder aufgeholt, liegt im laufenden Jahr aber immer noch 11 Prozent im Minus.

Wer nach Anzeichen einer Erholung sucht, verweist daher eher auf einige der jüngsten Konsumtrends. Daten von Citigroup zu US-Kreditkartenumsätzen zeigten für Mai einen Anstieg der Ausgaben für Luxusmarken um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bereits der fünfte Wachstumsmonat in Folge. Gleichzeitig mehren sich auch in China die Anzeichen einer Erholung.

«Der Konflikt hat die Ausgaben von Touristen definitiv belastet», erklärt der Berenberg-Analyst Nick Anderson. Zwar sind die USA und der Iran noch nicht bei einer dauerhaften Lösung angelangt, doch haben sich die Chancen auf einen nachhaltigen Frieden zuletzt verbessert, was «dieses kurzfristige Problem lösen» sollte. Gemäss dem Experten ist der Sektor in den vergangenen Jahren hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben und gilt inzwischen als überverkauft.

Auch die Strategen von Barclays sehen nun eine taktische Kaufgelegenheit im geschwächten Luxussektor. Sie stuften den Sektor vergangene Woche auf «Overweight» hoch. Nach Ansicht des Teams verschlechtern sich die Gewinnrevisionen nicht mehr und werden zunehmend weniger negativ. Zudem lasse die Stabilisierung des Euro-Dollar-Wechselkurses einen Belastungsfaktor für die Gewinne nach.

Ein Blick auf die einzelnen Titel:

1) Richemont

Die Aktie von Richemont verzeichnete in den letzten Monaten einen Anstieg von 130 Franken auf ein Rekordhoch von rund 190 Franken. Auch die Analysten reagieren auf die starke Entwicklung: Sowohl Jefferies als auch JPMorgan haben ihre Kursziele für den Schweizer Schmuckhersteller angehoben und empfehlen die Aktie zum Kauf. Beide sehen Potenzial bis 200 Franken. Die Citigroup liegt mit einem Kursziel von 208 Franken sogar noch darüber.

JPMorgan erwartet zudem ein weiteres überdurchschnittliches Quartal für den Luxuskonzern und sieht Richemont als möglichen Gewinner der anstehenden Berichtssaison. Auch Jefferies geht davon aus, dass die starke Dynamik aus dem ersten Quartal im laufenden Geschäftsjahr mindestens anhalten dürfte.

2) Hermès

Hermès gilt weiterhin als wenig preissensitiv, da die hochpreisigen Produkte ein Kundensegment bedienen, das selbst auf steigende Lebenshaltungskosten kaum reagiert. Dieses Muster zeigt sich zunehmend auch in China: Laut einer Bloomberg-Analyse wollen zwar weniger Käufer eine Luxustasche erwerben, doch diejenigen, die kaufen, geben mehr aus – wovon insbesondere Marken mit sehr hohen Durchschnittspreisen profitieren.

Trotz dieser strukturellen Stärke bewegte sich die Aktie zuletzt nicht im gleichen Tempo wie Richemont. Gleichzeitig hat Hermès mit einer Bewertung von rund 113 Milliarden Dollar erstmals die Branchenführerschaft übernommen. Analystin Chiara Battistini von JPMorgan hält den Titel weiterhin für den qualitativ hochwertigsten im Sektor, sieht jedoch derzeit keine starken Kurstreiber. Auch HSBC verweist auf eine künftig weniger ausgeprägte Outperformance.

Der anstehende Quartalsbericht Ende Juli dürfte daher entscheidend für die Marktstimmung sein. Während Jefferies weiterhin mit überdurchschnittlichen Margen und Ergebnissen im zweiten Quartal rechnet, warnt Kepler Cheuvreux vor möglichem Margendruck in den Halbjahreszahlen 2026.

3) LVMH

Branchenprimus LVMH: Die Aktie hat sich in den letzten drei Jahren im Wert zeitweise halbiert. Nun ist der Titel fast auf 500 Euro gestiegen. Analysten von RBC halten Kurse um 600 Euro für möglich. Die Aktie liegt dennoch seit Jahresbeginn rund ein Viertel im Minus. Mit einem erwarteten KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von etwa 20 ist der Titel historisch betrachtet und im Vergleich zu den grossen Wettbewerbern attraktiv bewertet.

Sollten sich Analystenerwartungen bestätigen, könnte LVMH ein weiteres Signal für eine Stabilisierung des Luxusmarkts liefern. Für die wichtige Sparte Mode und Lederwaren erwartet der Bloomberg-Konsens im zweiten Quartal ein organisches Umsatzwachstum von 1,79 Prozent. Nach sieben Quartalen mit rückläufigen Erlösen wäre dies die Rückkehr zu positivem Wachstum. Das Gewinnwachstum je Aktie bis 2027 dürfte wieder auf über 10 Prozent und möglicherweise auf 13 bis 14 Prozent ansteigen.

Rückenwind liefern strukturelle Anpassungen wie die teilweise Veräusserung des asiatischen Reiseeinzelhandels sowie die sinkende Bedeutung der Sparte Weine und Spirituosen. Gleichzeitig dürften Wechselkursbelastungen, geopolitische Unsicherheiten, die nur langsam anziehende Nachfrage aus China sowie anhaltende Zollrisiken den Konzernumsatz auch in der zweiten Jahreshälfte unter Druck halten.

4) Kering

Sowohl LVMH als auch Kering haben vor einer schwächeren Nachfrage gewarnt, da geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Aktivitäten im wichtigen Einkaufszentrum Dubai belasteten und gleichzeitig das globale Konsumentenvertrauen dämpften. Entgegen dieser Prognose konnte die Aktie von Kering in den vergangenen 30 Tagen um 7,5 Prozent zulegen und ihre Jahresperformance damit auf - 12,57 Prozent verbessern.

Beim Konzern steht zudem ein neuer CEO im Fokus, dem angesichts der anhaltenden Probleme eine besonders schwierige Aufgabe zugeschrieben wird. Luca de Meo kündigte bereits im Herbst schnelle und entschlossene Massnahmen an und stellte im Frühjahr einen umfassenden Umbauplan vor, der unter anderem eine Verdopplung der Umsatzdichte von Gucci bis 2030, ein schlankeres Filialnetz, reduzierte Lagerbestände sowie eine Verdopplung des margenstarken Schmuckgeschäfts vorsieht.

Nun muss sich zeigen, ob dieser ambitionierte Sanierungsplan in einem weiterhin schwierigen Marktumfeld aufgeht und ob das neue Management gemeinsam mit Gucci-Kreativdirektor Demna Gvasalia die wichtigste Marke von Kering wieder auf Erfolgskurs bringen kann.

5) Swatch

Obwohl Swatch nicht zu den klassischen Luxuswerten gehört, hat der Uhrenkonzern in diesem Jahr unter den Schmuck- und Uhrenherstellern am stärksten überzeugt – mit einem Kursplus von 20 Prozent. Kostete eine Aktie zu Jahresbeginn noch 172 Franken, liegt der Kurs inzwischen wieder über 200 Franken – ein Niveau, das zuletzt im Frühjahr 2024 erreicht wurde. Zusätzlichen Auftrieb könnte die neue Kollektion in Zusammenarbeit mit Audemars Piguet liefern, so die Einschätzung der Experten von RBC. Die Kooperation gilt als potenzieller neuer Wachstumstreiber.

Zwar verbuchte der Konzern im vergangenen Jahr ebenfalls einen Umsatzrückgang, doch bereits im Schlussquartal zeigte sich eine operative Verbesserung. Zuletzt verbesserten sich zudem die Exportdaten für günstigere und mittlere Schweizer Uhren, so der RBC-Experte. Besonders die gestiegenen Ausfuhren in asiatische Märkte wie China, Hongkong und Singapur stimmen positiv - die zugrunde liegenden Markttrends dürften sich weiter verbessern und die Nachfrage stabilisieren, heisst es am Markt.

Allerdings bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen, etwa die Konkurrenz durch Smartwatches und anhaltender Margendruck. Auch die umstrittene Verwaltungsratsstruktur und Führungsphilosophie sind bislang nicht gelöst. Sollte sich hier etwas verändern, werten Experten dies als klaren Hoffnungsschimmer. Wie Georg von Wyss, Gründer und Portfoliomanager bei BWM Value Investing, gegenüber cash sagte, brauche es in absehbarer Zeit neue Mitglieder im Verwaltungsrat, die mit mehr Nachdruck auf Verbesserungen drängen.

6) Burberry

Last but not least: Burberry. Die Aktie des britischen Luxusmodekonzerns verlor in den letzten Wochen gegenüber der Konkurrenz und wies damit die schwächste Entwicklung auf im Konkurrenzvergleich. Das Unternehmen setzt weiterhin auf eine konsequente Neupositionierung der Marke im oberen Luxussegment. Der Fokus liegt verstärkt auf margenstarken Kategorien wie Trenchcoats, Lederwaren und Accessoires. Ziel ist es, die durchschnittlichen Verkaufspreise zu erhöhen und die Abhängigkeit von Rabattaktionen zu reduzieren.

Unterstützung erhält diese Strategie von den Analysten von Oddo BHF. Nach den Jahresergebnissen 2025/26 sehen sie den eingeschlagenen Sanierungskurs bestätigt. Positiv hervorgehoben werden die Rückkehr zu moderatem Wachstum sowie Fortschritte bei der Profitabilität.

Dennoch bleiben Fragezeichen bestehen. So verweist Oddo BHF darauf, dass eine Rückkehr zu EBIT-Margen von 16 bis 19 Prozent mittelfristig keineswegs gesichert ist. Das schwierige makroökonomische Umfeld und weiterhin hohe Marketingausgaben zur Steigerung der Kundenfrequenz in den Boutiquen könnten die Margenerholung bremsen.

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
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