Die Nachfrage nach Gold überschritt diese Woche erstmals die Marke von 5'000 Tonnen, was durch massive Zuflüsse in Gold-ETFs sowie verstärkte Käufe von Münzen und Barren begünstigt wurde, wie die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Report «Gold Demand Trend» mitteilte.

Mit dem Erreichen von neuen Allzeithochs beim Goldpreis nahm dagegen das Volumen im Schmucksektor ab, obwohl der Marktwert aufgrund der Preissteigerungen höher lag im Vergleich zum Vorjahr. Die Zentralbanken blieben als strategische Käufer weiterhin eine tragende Säule des Marktes, auch wenn sich ihr Tempo der Käufe auf Jahresfrist leicht abschwächte. 

Im Jahr 2025 haben die Zentralbanken total 863 Tonnen Gold erworben, das sind 21 Prozent weniger als 2024. Das ist aber immer noch mehr als der jährliche Durchschnitt vor 2022, wie Krishan Gopaul, Analyst des World Gold Councils, gegenüber cash.ch im Gespräch erklärte. Die grössten Positionen erwarben die polnische Zentralbank mit 102 Tonnen, gefolgt von der Nationalbank von Kasachstan mit 57 Tonnen und der brasilianischen Notenbank mit 43 Tonnen. Gemäss WGC-Analysten dürften die Zentralbanken auch 2026 Gold kaufen und damit für eine solide Nachfrage srogen.  

Die geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten festigen die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen nachhaltig, begründet der Experte Gopaul die solide Nachfrage. Dies hat auch mit dem schwachen Dollar zu tun. Generell gilt, dass der Goldpreis ansteigt, wenn der Dollar fällt. 

Goldpreisanstieg hängt mit den schwachen Währungen zusammen

Es ist nicht nur der schwache Dollar, der dem Goldpreis seinen Stempel aufdrückt. So hat zum Beispiel die indische Rupie in den letzten 25 Jahren zum Franken fast 70 Prozent an Wert verloren. Entsprechend hoch ist unter indischen Sparern die Nachfrage nach einem stabilen Wertspeicher wie Gold in Form von Münzen, Barren oder Schmuck. Die Nachfrage in Indien dürfte auch 2026 positiv bleiben, zumal die indische Wirtschaft erfolgreich wächst, wie der WGC-Experte Gopaul betont. 

Allerdings ist es nicht nur der Goldpreis, der steigt. Auch die Produktionskosten für ein Unze des gelben Metalles sind auf einen neuen Höchststand von 1'605 Dollar pro Unze zum Ende des dritten Quartals 2025 gestiegen. Zum Vergleich: 2010 lagen die Produktionskosten im Schnitt noch bei rund 800 Dollar.

Wichtiges Diversifikationselement

Sichere Häfen und Diversifizierungsfaktoren blieben auch nach dem Jahreswechsel wichtige Treiber und der rasante Preisanstieg von Gold befeuerte die Nachfrage zusätzlich. Dieser ermutigte Anleger flächendeckend zu Goldkäufen, insbesondere im vierten Quartal 2025, so der Experte des World Gold Council. 

Vor allem der Preisrückgang im Oktober verstärkte die Dynamik und bot Anlegern die Möglichkeit, Gold zu niedrigeren Kursen zu erwerben. Dies trug zu einem Rekord-Halbjahr für Investitionen bei, mit einem Gesamtvolumen von 1'141 Tonnen an ETF-, Barren- und Münzkäufen.

Die Investitionsnachfrage breiterer Anlegergruppen wie vermögende Privatkunden und institutionelle Investoren blieb im abgelaufenen Jahr ebenfalls hoch. Dieser schwer kalkulierbare Nachfrageanteil spiegelt sich typischerweise in der Kategorie der ausserbörslichen Geschäfte und bei den Veränderungen der Lagerbestände wider.

Die Daten für 2025 deuten darauf hin, dass die ausserbörsliche Nachfrage nur geringe Nettoauswirkungen auf den Markt hatte, meint der WGC-Analyst. Es sei allerdings wahrscheinlich, dass ein Grossteil dieser Nachfrage durch bestehende Lagerbestände gedeckt wurde, sodass sich diese beiden Komponenten der ausserbörslichen Nachfrage im Grossen und Ganzen gegenseitig aufhoben.

Thomas Daniel Marti
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