Rohstoffmarkt - Goldman Sachs sieht steigenden Ölpreis nach Omikron-Einbruch - So können Anlegerinnen und Anleger profitieren

Der Ölpreis hat unter dem Auftauchen der neuen Coronavirus-Variante Omikron stark gelitten. Doch der langfristige Ausblick bleibt intakt. Anlegerinnen und Anlegern bieten sich verschiedene Möglichkeiten.
03.12.2021 10:48
Von Manuel Boeck
Sitz des Erdölkonzerns Total in Paris.
Sitz des Erdölkonzerns Total in Paris.
Bild: Pixabay

Noch vor wenigen Wochen haben sich wohl manche Anlegerinnen und Anleger grün und blau geärgert, dass sie vor Monaten nicht ein Ölinvestment gewagt haben. Die Erdölsorte Brent kostete Ende Oktober über 86 Dollar pro Barrel - seit Jahresbeginn belief sich der Kursgewinn auf 67 Prozent. Dies bei einem Kursniveau, das letztmals im Oktober 2018 erreicht wurde.

Mit der sich verschlechternden Pandemielage hat sich die Ausgangslage am Ölmarkt verändert. Die Nachricht über die neue Coronavirus-Variante Omikron hat den Ölpreis der Sorte Brent auf gut 71 Dollar regelgerecht einbrechen lassen - der Kursgewinn seit Jahresbeginn liegt neu "nur" noch bei 40 Prozent.

Kursentwicklung des Ölpreises der Sorte Brent seit Jahresbeginn (Quelle: cash.ch).

Ist dies eine gute Einstiegsgelegenheit? Ja, wenn es nach Jeff Currie, Chef der globalen Rohstoffanalyse bei Goldman Sachs geht. Die Preise könnten "zum Jahresende höher klettern, mit echtem Aufwärtspotenzial in der ersten Hälfte des nächsten Jahres", sagte er in einem Interview gegenüber Bloomberg.

Der dieswöchige Entscheidung der OPEC+, mit den geplanten Produktionssteigerungen fortzufahren, werde den fundamental starken Ölmarkt nicht entgleisen lassen.

Seine Sicht auch auf kurze Frist begründet Currie auch so: Der Markt preise aktuell "ein desaströses Omikron-Szenario" ein. Der Markt überschiesse deswegen gegen unten.

Es bestehe zwar weiterhin grosse Unsicherheit wegen Omikron, doch insbesondere auf lange Sicht sind die Aussichten sehr gut: Er sehe in seiner Prognose für die Brent-Benchmark einen durchschnittlichen Preis von 85 Dollar pro Barrel im Jahr 2023 und "sehr klare Aufwärtsrisiken". Der Ölpreis dürfte mit dieser Prognose bis 2023 um gut 20 Prozent ansteigen.

Direkt vom Preisanstieg profitieren

Um direkt vom Ölpreisanstieg zu profitieren, eignen sich Investitionen in den Terminmarkt. Dieser ist jedoch vorwärtsblickend und es wird in Kontrakten pro Monat gehandelt. Der Ölpreis für Februar oder März ist momentan geringer als der heutige Preis. Der Markt selbst erwartet daher momentan keinen Anstieg des Ölpreises. Es lässt sich aktuell Geld damit verdienen, wenn man von einem weiter steigenden Ölpreis ausgeht.

Wenn man überzeugt ist, dass der Ölpreis kurzfristig stärker als erwartet steigt, dann eignen sich sogenannte ETC (Exchange Traded Commodities) mit einem kurzen Horizont. Einer der bekanntesten ist der "United States Oil Fund LP USO". Der ETC hält sogenannte Front-Month-Futures-Kontrakte auf den Ölpreis der amerikanischen Sorte WTI und ist daher sehr sensitiv auf kurzfristige Änderungen des Ölpreises.  Für de Sorte Brent eignet sich der „United States Brent Oil Fund LP BNO“.

Glaubt man an einen langfristigen hohen Preisanstieg, dann lohnt sich ein Investment in einen ETC, der langfristige Terminkontrakte hält. Eine Möglichkeit hierzu ist der "United States 12 Month Oil Fund LP USL".

Defensive Strategie mit grossen Ölfirmen

Der "Energy Select Sector SPDR ETF XLE" deckt den amerikanischen Energiesektor gut ab. Der börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds oder kurz ETF) hat seit Jahresbeginn 46 Prozent an Wert gewonnen und bietet eine Ausschüttungsrendite von 3,9 Prozent. Die globale Variante dazu ist zum Beispiel der "iShares Global Energy ETF IXC". Dieser ETF hat seit Jahresbeginn 34 Prozent gewonnen und bietet eine Ausschüttungsrendite von 3,7 Prozent. Der Vorteil der ETF liegt bekanntermassen darin, dass das Risiko breit gestreut ist.

Eine andere, ebenfalls defensive Möglichkeit bieten Aktienkäufe von grossen Ölfirmen. Diese sind diversifiziert und haben ihre Operationen über die ganze Welt verteilt. Daher reagieren sie viel weniger auf Schwankungen beim Ölpreis. So gelten Branchengrössen wie das französische Total, der britisch-niederländische Konzern Royal Dutch Shell oder die US-Konzerne Chevron und Exxon Mobil als valable Kandidaten. 

Alle genannten Konzerne haben ein grosses Aktienrückkaufprogramm am Laufen, was die Kurse stützen sollte. Total, Chevron und Exxon Mobil überzeugen zusätzlich mit einer Divdendenrendite von 6,2, 4,6 und 5,7 Prozent. Die Bewertung für Total ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 am attraktivsten.

Diese Aktien reagieren auf Ölpreisänderungen am stärksten

Wenn man an einer maximalen Preisänderung infolge der Ölpreisänderung interessiert ist, wählt man nicht die grossen integrierten Ölfirmen, sondern "reine" Ölproduzenten oder die Dienstleistungsunternehmen. Zu den grossen Dienstleistungsunternehmen der Ölförderung gehören Schlumberger oder Halliburton. Die Aktien von Schlumberger haben seit Anfang Jahr 34 Prozent und die Aktien von Halliburton 17 Prozent an Werte gewonnen.

Amerikanische Ölproduzenten wie Occidental Petroleum und Devon profitieren ebenso stark von dem Preisanstieg beim Öl. So steht Occidental Petroleum seit Jahresbeginn um 71 und Devon um 163 Prozent höher. Ölförderer spüren noch vor den Ölservicefirmen den positiven Effekt des Preisanstiegs. Entsprechend sind sie auch die ersten sein, die von steigenden Preisen profitieren.

 
Aktuell+/-%
Ölpreis (Brent)89.05+0.60%
Ölpreis (WTI)87.25+2.31%
TotalEnergies52.36+2.53%
Shell Rg-B19.356+1.35%
Chevron Rg135.87+2.40%
Exxon Mobil Rg75.64+1.98%
Schlumberger Rg40.49+1.73%
Halliburton Rg31.56+2.47%
Occid.Petrol Cor Rg38.21+3.10%
Devon Energy Rg53.27+2.86%

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