Die National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus Bank und Alpha Bank werden in der kommenden Woche in den Stoxx Europe 600 Index zurückkehren, sobald die Neueinstufung Griechenlands als entwickelter Markt durch den Indexanbieter wirksam wird.

Diese Hochstufung durch Stoxx erfolgt rund zehn Jahre, nachdem Griechenland in den Status eines Schwellenlandes - sprich Emerging Market - herabgestuft worden war. Dies öffnet den Zugang für eine Vielzahl neuer Investoren - darunter passive Anlagefonds, die wichtige Indizes abbilden, sowie aktive Fondsmanager, die sich auf entwickelte Märkte beschränken.

Der Bankensektor hat sich seit der Krise hervorragend erholt. Zur Erinnerung: Im Jahr 2015 war die Börse fünf Wochen lang geschlossen, als Kapitalkontrollen das Land fest im Griff hatten und die Aktien griechischer Banken um bis zu 94 Prozent einbrachen.

Wirtschaftlich erholt

In der Folgezeit gelang Griechenland die wirtschaftliche Wende. Das Land erlangte bei allen grossen Ratingagenturen wieder den Investment-Grade-Status. Der FTSE ATHEX Banks Index ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 400 Prozent gestiegen.

«Griechenland hat sich langsam, aber stetig aus der Krise hin zu Wachstum bewegt, es geht nicht mehr um eine Sanierungsgeschichte», sagte Eglé Fredriksson, Portfoliomanagerin bei der East Capital Group. «Vergleichbare Bewertungen bei gleichzeitig schnellerem Wachstum stellen für Griechenland im Vergleich zum übrigen entwickelten Europa ein attraktives Profil dar.»

Der Investor Joe Faraday, Leiter für europäische Aktien bei Baillie Gifford, schätzt insbesondere die Piraeus Bank aufgrund ihres rasanten Wachstums bei der Kreditvergabe an Unternehmen und bei den Provisionserträgen. «Jahre des Überlebenskampfes haben eine Leistungskultur hervorgebracht, die im Bankwesen selten ist – und diese trifft nun auf eine deutlich gesündere griechische Wirtschaft.»

Auch im laufenden Jahr haben griechische Banken besser abgeschnitten als die meisten europäischen Wettbewerber. Die Aktien der vier grössten Institute legten jeweils um mehr als 30 Prozent zu. Demgegenüber steht ein Anstieg von 22 Prozent beim Euro Stoxx Banks Index, in den sie nun aufgenommen werden.

«Griechenland bietet einen der attraktivsten Bankenmärkte Europas, gestützt durch investitionsgetriebenes BIP-Wachstum und eine der höchsten Kreditwachstumsraten in Europa», schrieben Analysten von Jefferies, darunter Alexander Demetriou, in einer aktuellen Analyse. Laut Konsensschätzungen von Bloomberg wird für das griechische BIP im Jahr 2026 ein Wachstum von 1,9 Prozent prognostiziert, womit es das Wachstum der Europäischen Union von 1,2 Prozent übertreffen dürfte.

Diese Fundamentaldaten haben bereits das Interesse von Investoren geweckt. Die Aufnahme in den Stoxx-600-Index wird zudem Kapital aus passiven Anlagen in diese Aktien lenken. Strategen von JPMorgan Chase & Co. schätzen, dass den vier Banken insgesamt Zuflüsse in Höhe von rund 2,2 Milliarden US-Dollar zufliessen werden. 

Trotz der Rallye im Sektor zählen griechische Bankaktien weiterhin zu den am niedrigsten bewerteten Geldinstituten in Europa. Ihr durchschnittliches Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,3 liegt laut Bloomberg Intelligence mehr als 20 Prozent unter dem ihrer italienischen Pendants und fast 30 Prozent unter dem spanischer Banken.

Attraktive Bewertungen

Die Erholung des Sektors spiegelt sich in den Analystenbewertungen wider. Alle vier griechischen Institute erhalten von den durch Bloomberg erfassten Analysten überwiegend positive Empfehlungen. Alfredo Alonso, Analyst der Deutschen Bank, stuft alle vier Banken auf «Kaufen» ein und verweist auf starke Ergebnisse im zweiten Quartal sowie auf angehobene Prognosen bei einigen der Institute. «Der Sektor bietet eine klare Ertragsperspektive, die unserer Ansicht nach weiterhin unterbewertet ist – insbesondere angesichts des im Vergleich zu vielen europäischen Wettbewerbern stärkeren Wachstumsausblicks», schrieb Alonso in diesem Monat in einer Analyse.

Allerdings dürfte der weitere Weg nicht ohne Hindernisse verlaufen. Strategen und Volkswirte von Morgan Stanley, darunter Matthew Nguyen und Chiara Zangarelli, schrieben in einem aktuellen Bericht, dass sich das «Risikoprofil bis Anfang 2027 weniger einseitig gestalten dürfte, da der Effekt der Indexaufnahme an Bedeutung verliert und die anstehenden Wahlen im Frühjahr den politischen Ausblick in den Fokus rücken».

Der Ausgang der Wahlen im kommenden Jahr ist derzeit noch vollkommen offen. Die konservative Partei «Nea Dimokratia» von Premierminister Kyriakos Mitsotakis führt zwar in den Umfragen deutlich, dürfte jedoch den für eine Alleinregierung erforderlichen Stimmenanteil verfehlen, da die griechische Bevölkerung unter der Krise der Lebenshaltungskosten und sinkenden Lebensstandards leidet.

Dennoch steht für die Bankaktien ein weiterer marktrelevanter Impuls bevor: Der Indexanbieter MSCI wird Griechenland im Mai 2027 offiziell von einem Schwellenmarkt zu einem entwickelten Markt hochstufen. Laut Morgan Stanley handelt es sich dabei um ein «wichtigeres Referenzereignis für europäische Long-only-Investoren» als die Aufnahme in den Stoxx-Index.

Am Montag werden zudem fünf weitere griechische Aktien in den Stoxx Europe 600 aufgenommen, darunter Metlen Energy & Metals, Public Power Corp, GEK Terna, Motor Oil Hellas Corinth Refineries und Jumbo.

(Bloomberg/cash)