Rückschlag für Pharmakonzern - Ilaris-Studie ein «Inferno» für Novartis?

Nach den vielversprechenden Vorabinformationen vom Juni wartet Novartis mit durchwachsenen Studienergebnissen zu Ilaris auf. Einige Analysten hatten sich mehr erhofft. Die Aktie fällt auf unter 80 Franken.
28.08.2017 11:48
Von Lorenz Burkhalter
Joseph Jimenez, CEO von Novartis.
Joseph Jimenez, CEO von Novartis.
Bild: cash

Im Juni legte Novartis überraschend starke Studienergebnisse für das Medikament Ilaris bei der Behandlung von Patienten mit Herzkranzarterien-Erkrankungen vor. Anlässlich des Fachkongresses der European Society of Cardiology (ESC) lieferte der Gesundheitskonzern aus Basel über das Wochenende nun endlich detaillierten Einblick in die Erhebungen.

Was auf den ersten Blick vielversprechend aussieht, erweist sich bei genauerem Hinsehen als durchwachsen. Zwar reduziert das Präparat das Risiko von Herzinfarkt- und Arteriosklerose-Patienten, eine Herzattacke, einen Schlaganfall oder tödliche Herzkreislauf-Probleme zu bekommen. Das allerdings nur in einem eher bescheidenen Ausmass, was Fragen in Bezug auf das kommerzielle Potenzial von Ilaris aufwirft.

Nachdem die Novartis-Aktie im vorbörslichen Handel zeitweise um 1,7 Prozent tiefer gestellt wurde, verliert sie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch 1,1 Prozent auf 79,35 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 79,15 Franken.

Der für Alliance Bernstein tätige Analyst zeigt sich etwas enttäuscht, was die Wirksamkeit des Medikaments anbetrifft. Seine diesbezüglichen Erwartungen seien nicht hoch gewesen, so lässt er durchblicken. Nicht sonderlich beunruhigt zeigt sich der Pharmaanalyst von der Häufung tödlicher Infektionen.

Studienergebnisse wirklich ein "Inferno" für Novartis?

Er selber selber traut Ilaris bis in sieben Jahren einen Spitzenumsatz von jährlich 1,4 Milliarden Dollar zu. Das liegt etwas über den durchschnittlichen Erwartungen anderer Banken von gut 1 Milliarde Dollar. Der Analyst sieht weder bei seinen eigenen Schätzungen, noch bei den Konsenserwartungen grösseren Anpassungsbedarf und stuft die Novartis-Aktie weiterhin mit "Outperform" und einem Kursziel von 95 Franken ein.

Als ein "Inferno" bezeichnet sein Berufskollege von Barclays die vorliegenden Studienergebnisse. Er hatte die Aktie des Basler Gesundheitskonzerns im Juni auf Basis erster Vorabinformationen von "Underweight" auf "Equal-weight" heraufgestuft. Seines Erachtens reicht die Wirksamkeit von Ilaris nicht aus, um sich den auf mehr als 6 Milliarden Dollar jährlich geschätzten Markt für Patienten mit Herzkranzarterien-Erkrankungen erschliessen zu können. Deshalb hält er sowohl am "Equal-weight" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 80 Franken fest.

Aktie hat ursprüngliche Kursgewinne schon vor Wochen wieder preisgegeben

Versöhnliche Worte findet hingegen der für die HSBC tätige Autor eines Kommentars. Er beurteilt die Studienergebnisse insgesamt als positiv und sieht gerade auf dem Gebiet der Krebsbehandlung zusätzliches Umsatzpotenzial für Ilaris. Den von ihm erwartete Spitzenumsatz von 2 Milliarden Dollar im Jahr trägt 2,80 Franken zum 88 Franken lautenden Kursziel für die Novartis-Aktie bei. Letztere wird bei der HSBC zum Kauf empfohlen.

Der Vontobel-Analyst bezeichnet die Studienergebnisse zu Ilaris als medizinischen Meilenstein auf dem Gebiet der Herzerkrankungen. Allerdings sei das kommerzielle Potenzial nach der Datenpräsentation vom Wochenende weiterhin unklar, so ergänzt er. Der Experte will die Ergebnisse erst noch mit Medizinern besprechen, bevor er seine Umsatzschätzungen von 1,4 Milliarden Franken überarbeitet. Bis dahin stuft er die Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 81 Franken ein.

Mit Kepler Cheuvreux nimmt eine erste Bank Anpassungen im Bewertungsmodell vor. Durch die Umstellungen fällt das Kursziel für die zum Kauf empfohlene Aktie auf 87 (bisher 88) Franken. Weitere Kurszielreduktionen in einem ähnlichen Umfang dürften in den nächsten Tagen eintreffen.

Händlern zufolge hat die Novartis-Aktie die Kursgewinne rund um die im Juni veröffentlichten Vorabinformationen längst wieder preisgegeben. Das Rückschlagspotenzial wird deshalb als eher begrenzt betrachtet.