«Es geht nicht mehr alleine um die U-Boote», sagte Vorstandschef Oliver Burkhard der Nachrichtenagentur Reuters. Es gehe darum, mit welchen weiteren wirtschaftlichen Zusagen eine Auftragsvergabe verbunden sei.
«Wir arbeiten hier auch mit anderen Unternehmen der deutschen und norwegischen Wirtschaft zusammen, um ein breiteres Wirtschaftspaket zu schnüren», sagte er. «Wir fragen ab, welche Investitionsentscheidungen anstehen und ob diese dann Teil sogenannter Offset Obligations werden können, die für die nächsten 30 Jahre abgeschlossen werden.» TKMS ist eines von zwei Unternehmen, die von Kanada für die Lieferung von bis zu zwölf modernen U-Booten in die engere Wahl gezogen wurden. Der Konkurrent ist Hanwha Ocean aus Südkorea.
Die Gespräche gingen weit über U-Boote hinaus und umfassten mögliche Investitionszusagen in den Bereichen Seltene Erden, Bergbau, Künstliche Intelligenz und Batterieproduktion für den Automobilsektor, erklärte Burkhard. Mit all diesen Branchen sprechen wir natürlich auch im Verteidigungsbereich. Isar Aerospace sei ein Beispiel. Der U-Boot-Auftrag allein wird Branchenkennern zufolge auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt. An den Gesprächen seien auch das Wirtschafts- und Verteidigungsministerium sowie das Kanzleramt beteiligt.
Das Bundeswirtschaftsministerium verwies auf Anfrage nach einer Stellungnahme auf das Bundesverteidigungsministerium. Von diesem war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Vom Kanzleramt und den kanadischen Ministerien für Wirtschaft und Verteidigung war ebenfalls zunächst kein Kommentar zu erhalten. Hanwha Ocean lehnte einen Kommentar ab.
Burkhard, der im März zu weiteren Gesprächen nach Kanada reisen will, erwartet eine Entscheidung der kanadischen Regierung im Laufe des Jahres. TKMS bietet im Rahmen der Ausschreibung sein U-Boot der Klasse 212CD an, das im Rahmen einer gemeinsamen Modernisierungsinitiative auch an die norwegische Marine geliefert wird.
Vergabe der Aufträge aus Kanada und Indien 2026 erwartet
Bis Ende März erwartet der Manager eine Entscheidung der indischen Regierung zu einem weiteren U-Boot-Auftrag. Neben den kaufmännischen Verhandlungen liefen parallel politische Gespräche, berichtete Burkhard. Die Inder strebten eine Vereinbarung zwischen den Regierungen an, so dass bestimmte Exportrisiken für die Dauer des Projekts geklärt seien. Insidern zufolge könnte auf TKMS rund die Hälfte des Auftragsvolumens von rund acht Milliarden Dollar (rund 6,8 Milliarden Euro) entfallen.
Thyssenkrupp hatte den U-Bootbauer TKMS vor drei Monaten an die Börse gebracht, hält aber weiter die Mehrheit. Das Unternehmen mit rund 9100 Beschäftigten und Hauptsitz in Kiel hat dank der grossen Nachfrage nach Rüstungsgütern in aller Welt einen Auftragsbestand von mehr als 18 Milliarden Euro in den Büchern. Erst kürzlich war TKMS in den MDax aufgestiegen. Die Führung des Unternehmens hat durchblicken lassen, sich auch eine Notierung im Dax zuzutrauen.
(Reuters)

