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Sandro Merino - Warum Schweizer Aktienanleger über den Tellerrand schauen sollten

Wer bei Aktien ängstlich geworden ist, könnte von Sandro Merino umgestimmt werden. Der Anlagechef der Basler Kantonalbank sagt, wieso der SMI 2018 10'000 Punkte erreichen kann. Und er hat einen Ratschlag für Anleger.
16.03.2018 07:50
Von Marc Forster
Sandro Merino, Chief Investment Officer der Basler Kantonalbank (BKB).
Bild: cash

Die Leserinnen und Leser von cash.ch sind bezüglich der Börsenaussichten eher skeptisch: In einer Umfrage mit rund 5000 Teilnehmern waren kürzlich 51 Prozent der Meinung, dass sie fallende Kurse am Schweizer Aktienmarkt erwarten. Dies ist insofern bemerkenswert, weil sich die cash-Leserschaft in einer ähnlichen Umfagen gleich nach dem Börsensturz Anfang Februar optimistischer zeigte.

Nach einem Rekordhoch im Januar bei 9616 Punkten tauchte der Schweizer Leitindex vergangenen Monat um fast tausend Punkte, aktuell beträgt der Stand nach einer unsteten, leichten Erholung 8862 Punkte.

Ein Experte aber beruhigt alle erschockenen Aktienanleger: "Trotz des holprigen Jahresstarts ist das Potenzial für Aktienrenditen intakt", sagt Sandro Merino, Anlagechef der Basler Kantonalbank (BKB), im cash-Börsen-Talk. Er setzt bei seiner Analyse auf Fundamentaldaten. Die Wirtschaft laufe gut, und die Unternehmen zeigten eine gute Gewinnsituation.

Die Verwerfungen, die der Markt in den vergangenen Wochen gezeigt hat, schreibt Merino wie die meisten anderen Anlagespezialisten der Unsicherheit über die amerikanische Zinspolitik zu. Die Notenbank Federal Reserve könnte dieses Jahr bis zu vier Mal die Zinsen anheben, was die Aktienmärkte verunsichert. Auch Merino plädiert dafür, diese Gefahren nicht ausser Acht zu lassen, sieht die Lage aber positiv: "Im Bewusstsein aller Risiken muss man sehen, dass seit 2009 vernünftige Aktienrenditen von 7 oder 8 Prozent durchschnittlich im Jahr erwirtschaftet wurden."

Robustes Gewinnwachstum der Unternehmen

Die positive Grundhaltung des Konzerns - Merino fungiert sowohl als Chief Investment Officer der Basler Kantonalbank als auch der Bank Cler (ehemalige Bank Coop) - spiegelt sich in einer sehr optimistischen Prognose: "Trotz allem haben wir eine Marke von 10'000 Punkten gesetzt, die der SMI im Jahresverlauf noch erreichen kann." Eine so genannte Bottom-up-Analyse erlaube diese Prognose: Die Gewinnsituation und die Kursziele der Unternehmen machen es laut Merino grundsätzlich möglich, die 10'000er-Grenze beim SMI zu erreichen.

Auch die bisher am Markt beliebten Small und Mid Caps dürften laut Merino weiter zulegen: "Dieses Segment bleibt attraktiv."  Klein und mittelgross kapitalisierte Schweizer Firmen haben in den vergangenen Jahren an der Börse gepunktet. Seit Anfang 2017 hat der SPI Extra, der die Blue Chips ausklammert, 15,5 Prozent zugelegt. Auf Anfang 2015 zurückblickend beträgt der Anstieg 44 Prozent - der SMI hingegen ist heute etwa gleich hoch wie vor drei Jahren.

Gegen zu starken «Home Bias»

Allerdings steht Merino zu einer zu starken Konzentrierung auf den Schweizer Markt kritisch: "Zunehmend wird es wichtig, global in Aktien investiert zu sein." Die sich erholende Konjunktur in der Eurozone mache europäische Aktien attraktiv, während wegen der hohen Konzentration von Technologieunternehmen der US-Markt ebenfalls wichtig sei.

Auch Aktien aus Schwellenländern ist Merino nicht abgeneigt. "Schwellenländer wie China, Indien, Mexiko oder Brasilien haben unserer Meinung nach noch einen langen, erfolgreichen Weg vor sich." Generell biete vor allem auch die Angleichung der Lebensverhältnisse Asiens an die westliche Welt noch viele Gelegenheiten für Investoren.

Einen zu starken "Home Bias" sollten Schweizer Anlegerinnen und Anleger auch nicht an den Tag legen, wenn sie ihre Portfeuilles mit Obligationen von Staaten und Unternehmen diversifizieren wollen. Bei Schweizer Bundesobligationen schaut bei einer Rendite von aktuell 0,13 Prozent wenig heraus. "Die Schweizer Zinssitation ist ja ohne nicht nicht attraktiv, wenn wir noch mindestens zwei Jahre lang Negativzinsen haben", sagt Merino. Wenn Investoren aber in andern Ländern in Anleihen investieren, sollten sie sich laut dem BKB-Anlageschef gegen Währungsschankungen absichern.

Der BKB-Konzern widmet sich in speziellen Anlagethemen, die in Richtung der Megatrends gehen. Sandro Merino erklärt im cash-Börsen-Talk, weswegen die Bank die Bereiche Digitalisierung, Klima und Umwelt sowie den demographischen Wandel als drei herausragende Trends definiert hat und weswegen Investoren mit diesen Themen schon jetzt und auch in Zukunft gut fahren würden.