Schaeffler will bis 2030 einen jährlichen Umsatz von rund 250 Millionen Euro mit dem Raumfahrtgeschäft erzielen, wie Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Mittwoch sagte. Die Kooperation sieht vor, dass Schaeffler Satellitenkomponenten für Spire fertigt. Sie ist Teil einer breiteren Expansion in Bereiche wie Verteidigung und humanoide Robotik. Der Autozulieferer aus Herzogenaurach versucht damit, seine Abhängigkeit vom schwächelnden Automobilsektor zu verringern.
Autozulieferer suchen zunehmend nach Wachstumsmöglichkeiten ausserhalb der klassischen Fahrzeugproduktion, da die Branche mit verhaltener Nachfrage und Kostendruck kämpft. Schaeffler erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23,5 Milliarden Euro, davon entfielen rund 38% auf die Sparte Antriebsstrang und Fahrwerk.
«Wir mögen unser Autogeschäft, das ist unser grösster Umsatzbringer, aber wir müssen und wollen uns auch in den neuen Wachstumsfeldern positionieren», sagte Rosenfeld im Bloomberg-Interview. Raumfahrtprodukte ersetzten das Automobilzuliefergeschäft des Unternehmens indessen nicht.
Spire verfügt über Kapazitäten zum Bau von bis zu 400 Satelliten pro Jahr an Standorten in den USA und Europa. Darunter ist auch ein Werk in München, das das Unternehmen im vergangenen Jahr eröffnet hat.
Schaeffler plant unter anderem die Herstellung von Reaktionsrädern, die Satelliten bei der Orientierung im Orbit unterstützen. Ein Satellit benötigt typischerweise drei Reaktionsräder sowie ein viertes als Reserveeinheit, um sich im All zu drehen und stabil zu bleiben.
Die Komponenten müssten zwar höhere Anforderungen erfüllen, um extremen Temperaturen standzuhalten, technologisch ähnelten sie jedoch Systemen, die Schaeffler bereits für die Automobilindustrie produziere, sagte der Vorstandschef. «Wir müssen hier nichts Neues erfinden, sondern wir können die Technologie, die wir seit Jahren haben, hier nutzen», sagte Rosenfeld.
Komponenten von Schaeffler wurden bereits im Weltraum eingesetzt, unter anderem bei der jüngsten Artemis-2-Mondmission der Nasa, bei der hochpräzise Lager des deutschen Unternehmens verwendet wurden. Die gemeinsam mit Spire entwickelten Satellitenbauteile sollen sowohl für kommerzielle als auch für militärische Anwendungen genutzt werden, sagte Rosenfeld.
(Bloomberg/cash)

