Mitte Woche konnte die Versandapotheke DocMorris aus Frauenfeld eine über den Erwartungen liegende Beschleunigung beim Umsatzwachstum für das zweite Quartal kommunizieren. Vor allem das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten legte erneut kräftig zu. In Lokalwährungen lag das Plus bei gut 15 Prozent, nachdem dieses im ersten Quartal knapp 11 Prozent betragen hatte.
Mit den operativen Verbesserungen im ersten und zweiten Quartal 2026 ist DocMorris dem Ziel, ohne weitere Kapitalerhöhung den Turnaround zu schaffen, einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Das lässt sich auch an der Preisentwicklung der im Jahr 2028 fälligen Wandelanleihe ablesen. Nach dem Tiefststand von 60 Prozent Ende 2024 notiert das Papier wieder bei 92,50 Prozent - siehe Chart hier.
Jan Koch, Analyst der Deutschen Bank (DB), attestiert DocMorris ein starkes Update zu den Handelsergebnissen des zweiten Quartals. Das Wachstum beschleunigte sich im Vergleich zum Vorquartal in allen Geschäftsbereichen. Ebenso habe sich der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) weiter verbessert. Das Unternehmen sei auf einem guten Weg, seine Prognose für 2026 anzuheben und im Laufe des Jahres 2026 die Gewinnschwelle beim bereinigten Ebitda zu erreichen.
Der DB-Experte empfiehlt die Valoren von DocMorris zum Kauf und sieht das Kursziel bei 11,50 Franken. Auch den Konkurrenten Redcare versieht er mit einer Kaufempfehlung, wobei das Kursziel bei 102 Euro liegt. Das Aufwärtspotenzial beträgt bei DocMorris knapp 10 Prozent, bei Redcare sind es 54 Prozent.
Zahlen von Redcare im Fokus
Wieviel die Wachstumszahlen von DocMorris wert sind, wird sich am 29. Juli zeigen, wenn der Konkurrent Redcare Pharmacy die Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt. Im ersten Quartal ist der Umsatz bei Redcare mit einem Plus von 18 Prozent deutlich stärker als bei DocMorris gewachsen.
Während DocMorris seinen Fokus strategisch stark auf den deutschen Markt für elektronische Rezepte konzentriert, ist Redcare in sieben europäischen Ländern - Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, Niederlande und Schweiz - wesentlich breiter aufgestellt.
Redcare übertrifft DocMorris zudem sowohl beim Marktanteil als auch bei der Profitabilität. Redcare verfügt über eine solidere finanzielle Basis, kann auf eine grössere aktive Nutzerbasis zurückgreifen und hat in der Vergangenheit höhere Margen erzielt. Dadurch kann das niederländische Unternehmen das Wachstum aufrechterhalten, ohne so stark durch hohe Marketing- und Betriebskosten belastet zu werden wie DocMorris.
Interessant ist ferner der Aspekt, dass DocMorris und Redcare vom Markteintritt der Drogerieketten dm und Rossmann wenig betroffen sein dürften. Denn als der DB-Experte vor zwei Wochen DocMorris auf «Buy» von «Hold» hochstufte, verwies er explizit auf den Einstieg der zwei deutschen Giganten in den Markt.
Der Markteintritt von DocMorris im deutschen Online-Handel mit rezeptfreien Medikamenten habe gezeigt, wie schwierig es sei, eine Online-Apotheke aufzubauen und zu skalieren, so der DB-Analyst. Nicht nur der Start verzögerte sich, sondern das Geschäft hat bisher auch nur begrenzt Fuss gefasst.
Das Vorhaben von Rossmann, in den Markt für verschreibungspflichtige Medikamente einzusteigen, bringe zusätzliche operative und regulatorische Komplexität mit sich, da die Logistik von Online-Apotheken deutlich anspruchsvoller sei als die von traditionellen Apotheken. Der Verkauf von Shampoo unterscheide sich grundlegend von der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente, so Koch von der Deutschen Bank abschliessend.

