Die Anleger haben in der zurückliegenden Börsenwoche bei den Aktien von Polypeptide kräftig zugegriffen: Die Titel sind um 15,4 Prozent auf 45,50 Franken und damit deutlich stärker gestiegen als der Gesamtmarkt (Stand: Freitagmittag). Dieser verbesserte sich gemessen am Swiss Performance Index (SPI) um 2,2 Prozent.
Gut gelaufen sind auch die Aktien von Kühne & Nagel (plus 9 Prozent) sowie von Lonza (plus 7 Prozent). Ins Hintertreffen gerieten dagegen unter anderem Comet (minus 9,1 Prozent), Dottikon (minus 9,4 Prozent) und Komax (minus 18,2 Prozent).
Polypeptide haben eine durchwachsene Börsengeschichte. Nach dem Gang an die Schweizer Börse im April 2021 stiegen die Titel auf etwas über 147 Franken. Die Ernüchterung und mit ihr der Kursverfall auf unter 15 Franken folgten. In der jüngeren Vergangenheit zogen die Aktien des Biotechnologieunternehmens wieder an, und nach den Avancen der vergangenen Tage stehen sie auf dem höchsten Stand seit August 2022 - also praktisch auf einem Vier-Jahres-Hoch.
Das Unternehmen aus Baar beliefert Pharmaunternehmen, wobei Stoffwechselerkrankungen beziehungsweise GLP-1-Mittel ein wichtiges Feld sind. Entsprechend hat Polypeptide in den vergangenen Jahren Kapazitäten ausgebaut. Das Werk in Braine-l’Alleud (Belgien, «Braine») beispielsweise nahm die Produktion im Dezember 2024 auf. Der seither erfolgte Hochlauf sowie die Investitionen scheinen sich auszuzahlen: Die seit Jahresbeginn 2026 erhöhte Auslastung von «Braine» veranlasste die zuständigen Analysten der UBS zu einer Schätzungsrevision nach oben. Die Prognosen zum Gewinn je Aktie in den Geschäftsjahren 2026, 2027 und 2028 wurden um 21, 3 beziehungsweise 6 Prozent angehoben, wie die UBS-Spezialisten in einer Notiz vom vergangenen Freitag schrieben.
Positiv äusserte sich vor einigen Tagen auch die Privatbank Berenberg. Der Umsatzbeitrag des Werks in Belgien bietet nach Ansicht der zuständigen Analystin ausreichend Support, damit Polypeptide das obere Ende der unternehmenseigenen Umsatzprognose für 2026 erreichen. Das Management um CEO Juan Jose Gonzalez hatte ein Wachstum von 20 bis 25 Prozent in Aussicht gestellt. Berenberg traut dem Peptid-Hersteller ein 24,5-prozentiges Wachstum im Geschäftsjahr 2026 zu.
Nächster Orientierungspunkt sind die Halbjahreszahlen, die am 13. August vorgestellt werden. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass der Pharmazulieferer positiv überrascht. Denn nach Angaben der Nachrichtenagentur AWP erwarten einige Experten, darunter jene von Barclays und Octavian, dann auch eine Erhöhung der Guidance. Von einer solchen dürften die Aktien weitere Impulse erhalten.
Vorerst aber scheinen die Titel das Potenzial, das Analysten ihnen zutrauen, ausgeschöpft zu haben. Das Expertenteam der UBS stuft Polypeptide mit «Buy» ein und sieht das Zwölf-Monate-Kursziel bei 45 Franken, also dort, wo die Aktie soeben schon angelangt ist. Zurückhaltender ist die Analystin von Berenberg. Sie sagt zwar auch «Buy», setzt das Preisziel aber bei 38 Franken und damit unter der momentanen Notierung an. Ihre Prognose ähnelt dem Marktkonsens, der die Aktie bei 40,20 Franken einwertet. Fünf von acht bei Bloomberg erfassten Experten stufen Polypeptide mit «Buy» ein; ein Analyst sagt «Hold», zwei weitere sind für «Sell».

