«Wir können Komplexität», sagte Stefan Paul, CEO von Kühne+Nagel vor fast einem Jahr. Wenn alles normal laufen würde, dann brauche es den Logistikspezialisten aus Schindellegi nicht. «Dann könnten Sie den Transport allein organisieren», so Paul damals.

Die Aussage stammt zwar aus der Phase, als der internationale Zollkonflikt hochgekocht war. Sie passt aber auch in die momentane Lage hinein, in welcher der Krieg im Iran den Welthandel hemmt und der Transport von Gütern komplexer wird.

In dieser Lage sehen die Investoren offenbar Chancen für Kühne+Nagel. Zumindest tun sie das gemessen am Börsengeschehen dieser Woche. Denn die Kühne+Nagel-Aktien zogen in der feiertagsbedingt schon am heutigen Donnerstag endenden Börsenwoche um 7,4 Prozent an (Stand: Donnerstagvormittag). Kein anderer Titel des Swiss Market Index (SMI) ist derart gefragt gewesen wie die Valoren des Logistikunternehmens. Zugelegt haben indes auch der Gesamtmarkt (plus 2,8 Prozent), UBS (plus 6,3 Prozent), Partners Group (plus 4,1 Prozent) und ABB (plus 2,6 Prozent). Einen leichten Verlust auf Wochensicht verzeichnet hingegen Swisscom (minus 0,2 Prozent).

Symptome eines komplexer gewordenen Gütertransport waren etwa die Containerschiffe, denen laut Agenturberichten die Durchfahrt durch die für die Weltwirtschaft wichtige Strasse von Hormus verwehrt wurde. Aufgrund solcher Störungen an der Meerenge im persischen Golf seien höhere Frachtraten in der Luftlogistik Treiber für die Geschäfte von Kühne+Nagel, notierte die zuständige Analystin von JPMorgan. Sie geht davon aus, dass dem Logistikkonzern der Start ins Geschäftsjahr 2026 geglückt ist. Konkreteres wird man spätestens Ende April erfahren. Dann berichtet das Management über die ersten drei Monate des Jahres 2026.

Die Expertin von JPMorgan zeigt nun nicht durchschlagend, aber immerhin leicht zuversichtlicher als auch schon für das von Stefan Paul geleitete Unternehmen. Sie hat das Kursziel für Kühne+Nagel um fünf Franken auf 160 Franken erhöht und ist bei der Einstufung «Underweight» geblieben. Gemessen an diesem Rating und dem neu gesetzten Kursziel ist die Aktie von Kühne+Nagel für Anleger mittelfristig weiterhin ein Verlustgeschäft.

Schon deutlich zuversichtlicher ist der Analyst von Goldman Sachs, der vergangene Woche das Kursziel bei 215 (zuvor 210) Franken angesetzt und das «Buy»-Rating bestätigt hat. Kurzfristig profitiere das Unternehmen von steigenden Luftfrachtraten zwischen Asien und Europa. Mittelfristig sieht der Experte Kühne+Nagel als Profiteur von Produktivitätsgewinnen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie von einer erwarteten Margenerholung.

Reto Zanettin
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