Keine andere Aktie des Swiss Performance Index (SPI) hat in der abgelaufenen Börsenwoche so stark abgeschnitten wie der Titel von Gurit. Dieser stieg um mehr als 45 Prozent auf 42,00 Franken, während der SPI auf Wochensicht praktisch auf der Stelle trat.
Der Kurssprung bei Gurit geht auf den Halbjahresbericht vom vergangenen Mittwoch zurück. Die Zahlen lagen über den Erwartungen. Herausstach der bereinigte operative Gewinn (Ebit), der die Konsensprognose um fast 41 Prozent übertraf. Zudem erhöhte das Management den Ausblick für das Umsatzwachstum sowie für die Ebit‑Marge und die Firma gab Viktor Bernhardt als neuen CEO bekannt. Er hatte die Geschäfte nach dem Abgang von Tobias Lührig interimistisch geführt.
«Wir sehen Gurit nach der erfolgreichen Restrukturierung gut positioniert, um von der starken Nachfrage der Wind-OEMs zu profitieren», resümierte der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Tobias Klöpper. Seine Einstufung für Gurit lautet «Übergewichten». Der Begriff «Wind-OEM» bezeichnet Windkraftanlagenhersteller; sie sind Kunden von Gurit.
Auch anderen Analysten sagte das Semesterergebnis des Zürcher Industriekonzerns zu. Der zuständige Experte der UBS bestätigte das «Buy»-Rating sowie das Kursziel von 43,00 Franken. Dies, nachdem er im Juni von «Neutral» auf «Buy» beziehungsweise von 38,40 auf 43,00 Franken gegangen war.
Die Avancen der zurückliegenden Handelstage und der Halbjahresbericht spiegeln die Festigung des Unternehmens, das in den vergangenen Jahren massiv unter Druck stand. Mitunter setzte die Billigkonkurrenz aus China dem Verbundwerkstoffhersteller zu, der seinerseits über verschiedene Restrukturierungsmassnahmen nach Halt im Markt und nach Vertrauen bei Anlegern suchte.
Ablesbar ist die schwierige Phase am Aktienkurs. Er sank vom Allzeithoch bei 280 Franken im Januar 2021 auf 10 Franken im Herbst 2025. Gemessen daran kommt der Stand von 42,00 Franken am heutigen Freitag einer deutlichen Verbesserung, aber noch keiner nachhaltigen Erholung gleich. Bei einem RSI-Wert von momentan 77 gilt die Aktie als überkauft - RSI steht für «Relative Strength Index». Gewinnmitnahmen in den nächsten Tagen sind daher nicht unwahrscheinlich. Langfristig orientierte Investoren werden sich an den aktuellen Analystenberichten, etwa jenen der ZKB und der UBS, orientieren.
Neben den Valoren von Gurit haben auch die Aktien von Stadler Rail markant zugelegt, mit plus 26 Prozent. Sie profitierten ebenfalls von Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr. Im Swiss Market Index waren Partners Group (plus 4 Prozent) gefragt, wogegen die Partizipationsscheine von Roche um mehr als 3 Prozent gesunken sind.

