Schweizer Börse gibt nach - Actelion gefragt

Die Schweizer Börse hat am Montag nachgegeben. Vor allem die schwachen Bankaktien belasteten die Indizes. Weiterhin stark gefragt waren die Anteile von Actelion.
28.11.2016 17:45
Seine Firma steht in den letzten Tagen im Fokus der Schweizer Börse: Jean Paul Clozel, Konzernchef und Mitgründer von Actelion.
Seine Firma steht in den letzten Tagen im Fokus der Schweizer Börse: Jean Paul Clozel, Konzernchef und Mitgründer von Actelion.
Bild: ZVG

Insgesamt waren Impulse dünn gesät. Vor dem Verfassungsreferendum in Italien am Wochenende hielten sich die Anleger zurück. Bei einer Ablehnung befürchten Marktteilnehmer Turbulenzen an den Märkten. Am Freitag steht zudem der an den Finanzmärkten stark beachtete US-Arbeitsmarktbericht auf dem Programm. Der SMI sinkt bis Börsenschluss um 0,7 Prozent auf 7823 Punkte. Am Freitag war der Leitindex um 1,1 Prozent gestiegen.

Die Actelion-Aktien setzen ihren Höhenflug fort und steigen um 3 Prozent. Zwischenzeitlich hatten sie bei 195 Franken ein neues Rekordhoch erreicht. Bereits am Freitag waren die Titel der Biotech-Firma dank Übernahmespekulationen um ein Sechstel hochgeschnellt. Das Unternehmen aus Allschwil nahe Basel und der US-Konzern Johnson & Johnson bestätigten nach Börsenschluss Gespräche über ein mögliche Transaktion. J&J muss sich bei einem Kauf der Schweizer wohl auf einen deutlichen Preisaufschlag auf den Börsenkurs gefasst machen. Ausserdem müssen die Amerikaner Actelion-Chef Jean-Paul Clozel auf ihre Seite ziehen. Analysten gehen davon aus, dass J&J für Europas grösste Biotech-Firma bis zu rund 26 Milliarden Dollar auf den Tisch legen muss. "Es ist letztlich eine Frage des Preises, ob ein Deal zustande kommt oder nicht", sagt ein Händler.

Die Spekulationen um Actelion sorgten für eine bessere Stimmung im Pharmasektor, sagen Händler. "Das Angebot für Actelion zeigt, dass die Grosskonzerne die Bewertung als attraktiv beurteilen", sagt ein Händler. Nur schwach profitieren allerdings die zuletzt verschmähten Anteile von Roche und Novartis, die sich mit rund einem halben Prozent Abschlag nur wenig besser als der Markt halten.

Grossbankentitel im Verkauf

Deutlich schwächer sind die Aktien der Banken: UBS büssen 1,5 Prozent ein und Credit Suisse wurden um 2,2 Prozent tiefer gehandelt. Europaweit litten die Banken unter Kursverlusten, der Branchenindex fällt um 1,7 Prozent. Vor allem von italienischen und spanischen Geldhäusern trennten sich die Marktteilnehmer. "Möglicherweise sichern sich die Anleger vor den Folgen einer Ablehnung des Verfassungsreferendums in Italien vom kommenden Wochenende ab", sagt ein Händler. Die italienischen Banken sitzen auf rund 300 Milliarden Euro faulen Krediten und einige brauchen eine Kapitalerhöhung, um sich für mögliche Krisen zu wappnen.

Die Versicherungswerte sinken ebenfalls, wobei die Einbussen bis zu 1 Prozent reichten. Zurich Insurance sinken um 1,7 Prozent.

Anteile zyklischer Firmen tendieren mehrheitlich schwächer. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB ermässigen sich um 1,0 Prozent. Der Zementkonzern Lafarge-Holcim verliert 1,9 Prozent und die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch sinken um 0,4 und 0,9 Prozent.

Kursrakete von Meyer Burger steigt weiter

Am breiten Markt schiessen die Titel von Meyer Burger 31 Prozent hoch. Nach der Zustimmung der Obligationäre zu den Rekapitalisierungsplänen des Solarindustriezulieferers seien die Chancen für eine Sanierung gut, sagen Händler. In einer Telefonkonferenz äusserte sich zudem die neue Firmenleitung des Solarausrüsters positiv zu den weiteren Aussichten.

Die Aktien von Aryzta steigen um 1,4 Prozent. Der Umsatz sei im ersten Quartal zwar zurückgegangen, aber der Backwarenhersteller habe seine Prognosen bestätigt, erklären Händler.

Nach der Ablehnung der Atomausstiegsinitiative legen die Anteile der Stromkonzerne Alpiq und BKW 3,0 und 0,7 Prozent zu. Bei einer Annahme hätten den beiden Firmen umfangreiche Abschreibungen und Rückstellungen gedroht.

Die Aktien von Sulzer büssen 2,4 Prozent ein. Der Anlagenbauer will den Pumpenhersteller Ensival Moret mit Werken in Frankreich und Belgien und einem Firmenwert von 80 Millionen Euro übernehmen.

(Reuters/cash)