Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte den Leitzins einer Umfrage zufolge bei ihrer anstehenden Entscheidung nicht antasten. Alle 35 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen gehen ‌davon aus, dass ⁠die Notenbank den Leitzins am 18. Juni auf dem weltweit niedrigsten Niveau von null ⁠Prozent belassen wird. Auch bis Ende 2026 erwarten alle 28 Volkswirte, die eine entsprechende Prognose abgaben, keine Änderung. Lediglich ‌vier Experten rechnen für 2027 mit ein oder zwei Zinsschritten ‌um jeweils einen Viertelprozentpunkt.

Im Gegensatz zu den USA ​oder der Euro-Zone konnte die Schweiz die inflationären Auswirkungen des US-Krieges gegen den Iran auf die Energiepreise grösstenteils abfedern. Die Inflationsrate lag im Mai bei 0,6 Prozent und damit klar innerhalb des Zielbandes der SNB von null bis zwei Prozent. SNB-Präsident Martin Schlegel erklärte kürzlich, der mittelfristige ‌Inflationsdruck habe sich «kaum verändert». Dies deutet darauf hin, dass die SNB der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Zinsen in der vergangenen Woche angehoben hatte, nicht folgen dürfte. Die befragten Ökonomen erwarten, ​dass die Teuerungsrate in der Schweiz in diesem Jahr durchschnittlich 0,6 Prozent ​und im kommenden Jahr 0,7 Prozent betragen wird.

Ein ​starker Franken hilft der Schweiz bei der Eindämmung der Teuerung. Energiekomponenten hätten die Gesamtinflation zwar angeschoben, auch wenn die ‌Teuerung auf der Ebene der Verbraucher verhalten ausgefallen sei, erklärte Europa-Ökonomin Chiara Angeloni von der Bank of America. «Auf der anderen Seite stellt der Schweizer Franken nach wie vor eine disinflationäre Kraft dar.»

Viele ​Experten gehen ​davon aus, dass die Priorität der Währungshüter ⁠auf dem Franken liegen wird, der in diesem Jahr gegenüber ​dem Euro um fast ⁠1,2 Prozent aufgewertet hat. Indem die SNB angesichts der Turbulenzen im Nahen Osten eine ‌erhöhte Bereitschaft zu Interventionen an den Devisenmärkten signalisiert habe, scheine sie sich mehr Sorgen um die Entwicklung des Frankens zu machen als um den Energieschock selbst, sagte ‌Zinsstratege Alessandro Di Spirito von Barclays.

Die befragten Ökonomen erwarten für das ​laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 1,0 Prozent. Für 2027 wird ein Plus von 1,4 Prozent vorhergesagt. 

(Reuters)