Die tiefe Verunsicherung über die zukünftige Politik Italiens liess in den letzten Tagen auch am Schweizer Aktienmarkt die Kurse purzeln. Dabei fiel der Swiss Market Index (SMI) bis auf 8457 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2017.
Michael Riesner von der UBS Investmentbank findet denn auch keine guten Worte für das Börsenbarometer. Nachdem der SMI vor zwei Wochen knapp am Zwischenhoch von Ende Februar bei 9057 Punkten vorbeischrammte, hält der bekannte Markttechnikexperte den Leitindex für angeschlagen. Die Momentum-Indikatoren hätten jüngst sogar ein neues Verkaufssignal gegeben, so schreibt er in der wöchentlich erscheinenden "Technical Analysis".
Der Boden ist noch nicht erreicht
Rückblickend traf seine Prognose, wonach das bisherige Jahrestiefst von Ende März bei 8501 Punkten nach unten durchbrochen werde, schneller als erwartet ein.
Nun erwartet Riesner bis Juli einen weiteren Rücksetzer in Richtung von 8279 Punkten. Dort sieht er den SMI dann den Sommer über einen Boden bilden.

Experten zeigen sich beim SMI besorgt, was die Markttechnik anbetrifft (Quelle: www.cash.ch)
Eine gewisse Stütze erhofft sich der Markttechnikexperte von Umschichtungen aus konjunkturabhängigen Aktien in konjunkturunabhängige wie Nahrungsmittel- oder Pharmawerte. Dieses Titelsegment ist beim SMI dank den drei Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis für rund die Hälfte der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.
Zurückhaltend gibt sich auch Mensur Pocinci von Julius Bär. Der Co-Autor der "Technical Investment Strategy" stuft den SMI nach dem misslungenen Versuch über die Widerstandsmarke bei 9000 Punkten nach oben auszubrechen auf "Neutral" herunter. Wie sein Berufskollege von der UBS Investmentbank verweist auch Pocinci auf die Trendverschlechterung bei den Momentum-Indikatoren.
Aktien mittelgrosser Firmen halten sich erstaunlich gut
Für die Aktien der mittelgrossen Unternehmen aus dem SMI Midcap Index (SMIM) bleibt der Markttechnikexperte hingegen zuversichtlich. Er geht von einer anhaltend überdurchschnittlichen Kursentwicklung aus und erwartet vom Index sogar schon bald neue Rekorde.
Während der SMI seit Jahresbeginn rund 10 Prozent verloren hat, notiert der SMIM nur unwesentlich unter dem Stand von anfangs Januar. Diese Differenz lässt sich mit der unterdurchschnittlichen Kursentwicklung bei den Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis sowie den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse erklären.
Pocinci sah schon im Februar schwere Zeiten auf die SMI-Schwergewichte zukommen (cash berichtete).

