SMI hat noch Raum nach oben

Der Schweizer Leitindex steuert auf die Marke von 9000 Punkten zu, sagt die technische Analystin Sophia Wurm von der Commerzbank im cash-Video-Interview. Sie sagt, bei welchen Börsen Anleger die Finger lassen sollten.
05.11.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Sophia Wurm in Interview mit cash.
Bild: cash

Genauso rasch wie die Korrektur in den ersten beiden Oktoberwochen vonstatten ging, erholte sich der Schweizer Aktienmarkt (SMI) wieder. In den letzten drei Wochen ist er um 9 Prozent auf knapp 8800 Zähler geklettert. Und dies dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

"Der SMI wird in den kommenden Monaten gegen 9000 Punkte laufen", sagt Sophia Wurm, technische Analystin bei der Commerzbank, im cash-Video-Interview. Diese Marke erreichte das Schweizer Börsenbarometer ziemlich genau vor sieben Jahren. Das Allzeithoch steht bei 9531 Punkten und wurde im Juni 2007 erklommen.

SMI-Kursentwicklung der letzten 10 Jahre

Das Kurzfristige vom Mittelfristigen trennen

Ohnehin zeige der Schweizer Aktienmarkt eine relative Stärke zu europäischen Pendants, so Wurm. Allerdings müsse man das Kurzfristige vom Mittelfristigen trennen. "Mittelfristig hat sich die Lage im Vergleich zu den letzten zwei Jahren verschlechtert. Kurzfristig sehen wir aber eine sehr ausgeprägte Erholungsbewegung, die noch etwas anhalten wird", sagt Wurm.

Auffallend ist die unterschiedliche Entwicklung von Aktienindizes in den letzten Wochen. Die USA stehen weiterhin gut da. So bewegen sich einige Börsen in den USA auf Allzeithochniveaus, derweil sich zum Beispiel der deutsche Aktienindex von den Höchstständen entfernt hatte. Wurm ist auch zuversichtlich, dass sich vor allem die amerikanischen Börsen weiterhin gut halten werden.

Die USA wachsen derzeit so kräftig, wie kaum ein anderes Industrieland. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von 2,2 Prozent, 2015 sogar mit 3,1 Prozent.

Gut sind die Aussichten laut der Commerzbank-Analystin auch für den Hongkonger und den japanischen Aktienmarkt. Letzterer wird von der expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank nach oben gedrückt. Und als zweiter Kurstreiber kommt der japanische Pensionsfonds ins Spiel, der aufgrund einer Strategieänderung Aktien im Gesamtwert von umgerechnet rund 180 Milliarden Franken aufzustocken plant (cash berichtete).

Hände weg von Russland und Brasilien

Fragil bleibt die Lage am russischen Aktienmarkt. "Politische Schwierigkeiten und eine schwache Währung belasten den Aktienmarkt", sagt Wurm. Die Moskauer Börse hat seit Jahresbeginn gut 22 Prozent an Wert eingebüsst. Auf Talfahrt befindet sich auch der Rubel mit einer Minusperformance zum Franken von 23 Prozent seit Anfang Jahr.

Nicht anfassen würde Wurm auch brasilianische Werte. Sie empfiehlt, hier vorerst an der Seitenlinie zu verharren.

Im cash-Video-Interview äussert sich Wurm zur Kritik an der technischen Analyse als Kaffeesatzleserei. Und Sie sagt, inwiefern Privatanleger die Charttechnik nutzen können.

Das Interview wurde am Rande einer Veranstaltung in Zürich von der Commerzbank zum Thema «Technische Analyse» geführt.