Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte ihren Leitzins bis Ende 2027 bei null belassen und ihn anschliessend wahrscheinlich anheben. Diese Einschätzung stütze sich vor allem auf die aktuellen Inflationsprognosen und setze voraus, dass grössere neue Schocks ausblieben, sagten mit den internen Überlegungen der Notenbank vertraute Personen. Sie wollten wegen der Vertraulichkeit der internen SNB-Beratungen nicht namentlich genannt werden. Eine Rolle spielten zudem die jüngste Abschwächung des Franken gegenüber dem Euro und der Zinsabstand zwischen der Schweiz und dem Euroraum.
Negativzinsen blieben eine Option, sollte ein neuer Schock die Konjunkturaussichten signifikant verändern. Dies sei jedoch nicht das Basisszenario. Der Leitzins von null führe zudem nicht zu erheblichen Belastungen für die Gewinne der Schweizer Banken. Die SNB lehnte eine Stellungnahme ab.
Das dreiköpfige SNB-Direktorium entscheidet vierteljährlich auf Grundlage der neuesten Konjunkturdaten über die Geldpolitik. Die Währungshüter haben wiederholt betont, dass sie sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad festlegen.
Die Notenbank hatte den Leitzins bei ihrer jüngsten Sitzung im Juni unverändert gelassen. Das Szenario, wonach sie bis Ende kommenden Jahres stillhält, entspricht weitgehend dem Konsens unter Analysten. Die meisten der von Bloomberg Befragten erwarten eine erste Zinserhöhung erst im März 2028. Fast ein Drittel rechnet jedoch mit einem früheren Schritt.
Devisenhändler erwarten eine straffere Geldpolitik. Sie setzen auf eine Zinserhöhung bis spätestens März kommenden Jahres. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts bereits bei der Sitzung im Dezember liegt demnach bei rund 50 Prozent. Das gilt trotz einer Abschwächung der Schweizer Inflation auf 0,5 Prozent im vergangenen Monat.
Zuvor hatte sie infolge des Iran-Kriegs leicht angezogen. Nach der zuletzt veröffentlichten Prognose der SNB dürfte die Inflation bis auf einen Höchststand von 0,8 Prozent steigen. Damit läge sie unterhalb der Mitte des von der Notenbank angestrebten Bereichs von 0 Prozent bis 2 Prozent. Die Daten für Juli werden kommende Woche veröffentlicht.
Die SNB sei bereit, an den Devisenmärkten zu intervenieren, um durch externe Schocks ausgelöste Wechselkursschwankungen zu glätten, sagten die Personen. Sie werde jedoch nicht eingreifen, um den Franken auf einem vorab festgelegten Niveau zu halten. Dies entspricht früheren Berichten von Bloomberg. Die jüngsten Interventionen der Währungshüter erfolgten nach der Ankündigung der globalen US-Zolloffensive und später zu Beginn des Iran-Kriegs.
(Bloomberg/cash)
