Die Drittquartalszahlen vor einer Woche sind der bisher letzte einer ganzen Reihe von Dämpfern gewesen: Die Zahlen des Softwareunternehmens lagen unter den Erwartungen.
Vor einem Jahr schon, im Oktober 2019, hatten schlechte Quartalszahlen den Kurs nach unten fallen lassen. Und dies bei einem Unternehmen, das an der Börse lange vom Erfolg verwöhnt gewesen war.
Der Ausbruch der Coronakrise verschärfte die Unsicherheit um Temenos. Der Kurschart verdeutlicht es: Die Tech-Erholung der vergangenen Monate hat die Aktie nicht wirklich mitgemacht. Bei 106 Franken liegt der Kurs im Moment um 30 Prozent unter dem Wert vom Jahresanfang.

Der Kursverlauf der Temenos-Aktie in den vergangenen fünf Jahren; Der Höchst-Schlusskurs von 184,55 Franken war im Mai 2019 (Grafik: cash.ch).
Die Enttäuschung über die Drittquartalszahlen zeigten auch, dass der Markt Temenos im Moment zu positiv sieht. Zudem zeigen die Ratings der Analysten noch immer keine klare Richtung: Nach den Zahlen schrieb Barclays, die derzeit ein "Underweight"-Rating und ein Kursziel von 108 Franken setzen: "Temenos ist eine Frage der Perspektive." So sieht es auch bei den Analysteneinschätzungen aus.
Je sieben von Bloomberg befragte Analysten empfehlen "Buy" oder "Hold", sechs raten zu "Sell". Die Kursziele sind in den vergangenen Wochen deutlich zusammengestrichen und durch tiefere ersetzt worden. Mit 125,40 Franken liegt das durchschnittliche Kursziel aber immer noch etwa 18 Prozent über dem Tageskurs von 106 Franken.
Lizenz-Umsatz ist eingebrochen
Temenos mit Sitz in Genf gehört zu den weltweit bekanntesten Entwicklern von Bankensoftware. Die Produkte sind flexibel einsetzbar und unterstützen fast jede Art von Bank oder Vermögensverwalter bei der Digitalisierung und der Kostenersparnis. Banken allerdings entwickeln Software oftmals noch selbst, was für Temenos Konkurrenz bedeutet. Richtig durchgesetzt hat sich Temenos diesbezüglich noch nicht.
Der Umsatz hat mehrere Quellen. Gut 40 Prozent kommt aus Wartungsdienstleistungen, 32 Prozent machen Lizenzen aus. Knapp ein Fünftel der Einnahmen steuert die Einheit Services bei. 9 Prozent des Umsatzes sind Cloud- und Suscription-Einnahmen.
Ein grosses Thema der Drittquartalszahlen war: Der Wechsel vom klassischen Lizenzmodell zum Cloud-Angebot – Software-as-a-Service (SaaS) – führt zu Einnahmenausfällen. Während bei Lizenzen die Gebühren vorab bezahlt werden, verteilen sie sich beim SaaS-Modell auf vier bis fünf Jahre.
Lizenz-Umsatz muss sich verbessern
Die Entwicklung bei SaaS ist grundsätzlich positiv für Temenos. "Bereinigt um die Wechsel von Lizenzen zu SaaS im dritten Quartal hätten die Ergebnisse die Erwartungen übertroffen", schreibt die Bank Vontobel. Die Wertschöpfung durch SaaS-Verträge sei besser, daher werde der Ablösungsprozess positiv eingeschätzt. Was den Analysten beim Drittquartals-Resultat allerdings mehr Sorgen bereitete, war der unerwartet tiefe Umsatz mit Lizenzen.
"Entscheidend ist, dass Temenos bei den Lizenzen eine Rückkehr zum Wachstum verzeichnen kann", sagt Manuel Peter, Analyst bei der Helvetischen Bank. Wegen der Corona-bedingten Reiseeinschränkungen könnten die Deals nicht vor Ort abgeschlossen werden. Die Banken zögerten wohl angesichts der Unsicherheit, ihre Budgets für die Informatik voll auszuschöpfen, weshalb sich einige Deals in das Q4 oder auch ins 2021 verschoben haben.
Wichtig für Temenos ist also, ob die IT-Budgets 2021 gekürzt werden. Wahrscheinlich ist, dass dies insgesamt wenig der Fall sein wird, denn die Banken müssen weiter in die Digitalisierung investieren.
Hohe Bewertung
Ein weiteres Thema sind die Kosten. Grundsätzlich positiv aufgenommen wurde im Drittquartalsresultat auch, dass die Q3-Zahlen beim Betriebsergebnis gewisse Resultate der Einsparungen zeigten. Allerdings gehen diese zum Teil darauf zurück, dass wegen der Corona-Flaute weniger aufgewendet werden muss, etwa bei den Reisen.
Um wieder attrativer zu werden, muss sich bei der Aktie die Bewertung verändern. Selbst nach der Kurskorrektur ist Temenos mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 nach wie vor kein Schnäppchen. Jedoch handelte die Aktie letztmals 2016 auf solch "tiefen" Niveaus. Zudem handeln andere Titel, die aber eher ein geringeres Wachstum versprechen, inzwischen auf höheren Niveaus als Temenos, was früher nicht der Fall war. "Generell wird die hohe Bewertung durch das Wachstum gerechtfertigt", sagt Analyst Peter. Die Rückkehr zum Wachstum müsse in den nächsten Quartalen aber bestätigt werden.
Auf dem Schirm behalten sollten Anlegerinnen und Anleger einen der wenigen Schweizer Tech-Titel auf jeden Fall. Bevor aber gross eingestiegen oder zugekauft wird, sollte erst ein positiver Trend erkennbar werden: Besserer Lizenzumsatz und Kostenkontrolle gehören dazu. Attraktive Deals mit Banken und eine Bewertung, die mindestens auf besseren Gewinnaussichten basiert, wären weitere "Triggerpunkte" für einen neuen Kursanstieg.
