Angesichts der steigenden Inflation und der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten allgemeinen wirtschaftlichen Unruhe, greifen Anleger derzeit auf der Suche nach einem sicheren Hafen vermehrt zu Gold. "Die Nachfrage nach Gold war noch nie so hoch wie in diesem Jahr", sagte Gerhard Starsich, Chef der Münze Österreich, zur Nachrichtenagentur Reuters in seinem prunkvollen Büro im Zentrum der Wiener Innenstadt.
Derzeit sei jede Goldmünze, die aus der Prägepresse kommt, bereits verkauft. "Im Moment könnten wir dreimal so viele Münzen verkaufen, wie wir produzieren können."
Prägung der österreichischen Euro-Münzen
Die Prägestätte für Münzen wurde 1194 gegründet, um Silbermünzen aus dem Lösegeld zu prägen, das für die Freilassung von König Richard Löwenherz aus der Gefangenschaft in der Nähe von Wien gezahlt wurde. Das Unternehmen Münze Österreich entstand 1989 durch die Umwandlung des Wiener Hauptmünzamtes in eine Aktiengesellschaft und den anschliessenden Verkauf an die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Sie ist für die Prägung der österreichischen Euro-Münzen verantwortlich und stellt zudem Gedenk-, Geschenk- und Sammlermünzen aus Gold, Silber und Niob, ein selten vorkommendes Schwermetall von grauer Farbe, her.
Das berühmteste Stück der Münze Österreich ist ihre Ein-Unzen-Münze "Philharmoniker", deren Namensgeber das berühmte Wiener Staatsopernorchester ist und erstmals 1989 hergestellt wurde. Nach Angaben der Prägestätte ist dies die meistverkaufte Gold-Bullionmünze in Europa und Japan. Sie ist in Österreich ein offizielles Zahlungsmittel, wobei sich ihr Verkaufspreis am tagesaktuellen Goldpreis orientiert. Seit 2008 gibt es den Wiener Philharmoniker auch als Silbermünze.
Weltweites Phänomen
Der Ansturm auf Gold ist dem Münze-Österreich-Chef zufolge derzeit ein weltweites Phänomen - auch wenn der Goldpreis zurzeit bei etwa 1800 Dollar pro Unze liege und damit weit entfernt von den Höchstständen von über 2000 Dollar im März dieses Jahres und im August 2020. Österreich gilt zudem als finanziell konservativ, wo die Bevölkerung in Krisenzeiten Bargeld und Gold hortet. Schon der Beginn der Corona-Krise hatte die Nachfrage angekurbelt, so die Münze Österreich. Der Krieg in der Ukraine habe ihr einen weiteren Schub verliehen. Die Österreichische Nationalbank erklärte im Oktober in einer Präsentation über die Finanzen der heimischen Haushalte, dass in den zweieinhalb Jahren seit Beginn der Pandemie mehr Gold verkauft wurde als in den fünf Jahren davor.
"Es begann mit der Corona-Pandemie, als die Menschen verunsichert waren. Dann marschierte Russland im Februar in die Ukraine ein, das hat den Absatz wieder angekurbelt. Und dann die steigende Inflation, die im Sommer und Herbst den Umsatz weiter leicht erhöht hat", sagte Starsich.
Alle Altersschichten
Bis Ende November hat die Münzstätte eigenen Angaben zufolge mehr als 1,8 Millionen Unzen Gold verkauf. Damit nähere man sich dem bisherigen Rekord von mehr als zwei Millionen Unzen, der im Zuge der globalen Finanzkrise 2009 erreicht wurde. Im Dezember seien die Verkaufszahlen in der Regel stark, da Gold als traditionelles Weihnachtsgeschenk gilt. Vor dem Verkaufsgeschäft in Wien bilden sich seit Monaten lange Schlangen.
Die Kunden, die Gold kaufen, kommen laut Starsich aus allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. "Ich gehöre zu einer älteren Generation. Immer, wenn wir unsicher sind, greifen wir zu Goldmünzen und sagen uns, dass wir sie immer wieder verkaufen können", sagte eine Rentnerin vor dem Geschäft. "Gold hat diesen Sicherheitsfaktor."
(Reuters)
1 Kommentar
"Ich bin sehr optimistisch für Gold. Das Problem für Gold
im letzten Jahr war, dass die Zinsen gestiegen sind, weil die
Leute immer noch glauben, es gebe einen Zusammenhang
zwischen Inflation und Zinsen. Wenn die Leute glauben,
dass es eine Inflation von 4% geben wird, werden sie
erwarten, dass die Zinsen auf 5 oder 6% klettern werden.
Diese Erwartung ist Gift für den Goldpreis. Erst wenn sie
erkennen, dass der Zusammenhang zwischen Inflation und
Zinsen nicht mehr besteht, wird der Goldpreis abheben."
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