Die Aktien von DocMorris notieren am Mittwochnachmittag bei 6,43 Franken und somit 2,3 Prozent tiefer. Am Morgen hatte der Konkurrent Redcare Pharmacy mit den publizierten Quartalszahlen enttäuscht und die Titel verlieren 6 Prozent auf 67,15 Euro. Sowohl DocMorris als auch Redcare Pharmacy kommen an den Börsen seit geraumer Zeit nicht in die Gänge. DocMorris geben über die letzten zwölf Monate 29 Prozent nach und Redcare Pharmacy 42 Prozent. 

Der Analyst Gian Marco Werro von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) stuft die Titel von DocMorris weiter mit «Market Perform» ein. Richtig warm für den Titel wird der ZKB-Analyst nicht, weil das Wachstum beim elektronischen Rezept Rx in Deutschland weit unter den ursprünglichen Markterwartungen liege. Bisher würden erst 1,5 Prozent des deutschen Rx-Marktes online abgewickelt, schrieb er am Dienstag in einem Kommentar.

DocMorris strebe an, im Laufe des Jahres 2026 beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und im Laufe des Geschäftsjahres 2027 auf Basis des zukünftigen freien Cashflows (FCF) die Gewinnschwelle zu erreichen. Das Rx-Marketing werde aber nur dann finanziert, wenn es mit einer soliden Profitabilität einhergehe. 

Um die Gewinnschwelle für den Konzern zu erreichen, müsste DocMorris voraussichtlich einen Umsatz von 120 Millionen Franken pro Quartal gegenüber 61 Millionen Franken im dritten Quartal 2025 mit dem Rx-Bereich erzielen, so die Einschätzung des ZKB-Experten. «Die Neukundengewinnung dürfte 2026 jedoch nicht einfacher sein als 2025», so Werro von der ZKB. 

Das Management konzentriere sich zunehmend auf das Dienstleistungsgeschäft wie TeleClinic, Marktplatz und Retail Media. Die Deckungsbeiträge aus diesem Bereich sollen steigen. Der ZKB-Experte erwartet für das Dienstleistungsgeschäft einen bereinigten Ebitda von rund 25 Millionen Franken im Jahr 2026, was einem Anstieg von rund 10 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr entspräche. Das OTC-Geschäft bleibe die wichtigste Einnahmequelle, wachse aber kaum und könnte durch neue Online-Konkurrenten wie die deutsche Drogeriekette dm unter Druck geraten.

Risiken beschränken Aufwärtspotenzial

Sollten die Umsätze im Bereich verschreibungspflichtiger und rezeptfreier Medikamente im Zeitraum 2026 und 2027 nicht signifikant steigen, geht der ZKB-Analyst weiterhin davon aus, dass die Liquidität von DocMorris Ende 2027 angespannt sein wird. Dies unter anderem, weil im Jahr 2026 lediglich 22 Millionen Franken an Verbindlichkeiten zurückzuzahlen sind. Die neu emittierte Wandelanleihe von 50 Millionen Franken, einer Fälligkeit 2028 und einem Wandlungspreis von 6,54 Franken pro Aktie, könnte zusätzliches Kapital bereitstellen.

Dies setze jedoch voraus, dass der Aktienkurs wieder auf dieses Niveau steigt. Der Wert von TeleClinic von rund 200 Millionen Franken könne gemäss ZKB-Einschätzung nur durch einen Teil- oder vollständigen Verkauf realisiert werden. Solange DocMorris als Ganzes im Rx-Geschäft einen negativen Ebitda und einen negativen Free Cashflow erziele, bleibe das Risiko des Gesamtunternehmens hoch und wirke sich erheblich negativ auf den Wert aus, so die Konklusion des ZKB-Experten Werro. «Wir sehen weiterhin ein übermässiges Verhältnis von Risiken zu Chancen.»

Obwohl sich die Valoren von DocMorris von den Tiefstkursen unter 5 Franken deutlich erholt haben, bleiben die mittelfristigen Zukunftsaussichten wegen des verhaltenen Marktwachstums mit E-Rezepten und der mittelfristigen Liquiditätsbedenken weiterhin verhalten. Entsprechend volatil dürften sich die Titel der Onlineapotheke aus Frauenfeld entwickeln. 

Es gibt indes auch Optimisten wie das Analysehaus Jefferies, welches sowohl DocMorris als auch Redcare Pharmacy mit «Buy» einstuft. Das Kursziel liegt für DocMorris bei 12 Franken, für Redcare Pharmacy bei 150 Euro. Beide Titel haben damit praktisch das Potenzial zur Kursverdopplung.

Für vorsichtige Anleger, welche bereits stark in DocMorris engagiert sind, scheint eine Diversifikation in beide Titel angebracht. Denn DocMorris muss zuerst beweisen, dass die Schritte Richtung Profitabilität tatsächlich erfolgreich sind. Sich in einer derartigen Ausgangslage am direkten Konkurrenten zu beteiligen, reduziert das Gesamtrisiko für eine Anlegerin oder Anleger. 

In diese Richtung geht die Einschätzung der UBS-Experten, welche bei DocMorris schon länger Bedenken haben. Die Schweizer Grossbank stuft DocMorris weiter mit «Sell» und einem Kursziel von 5,50 Franken ein, während sie bei Redcare Pharmacy ein Rating «Halten» und ein Kursziel von 74 Euro aufruft. 

Thomas Daniel Marti
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