Retail- und Einzelhandelstitel sind Investments mit einer langweiligen Performance, so die gängige Meinung. Der amerikanische Konzern Walmart beweist das Gegenteil. Im Rückblick über zehn Jahre hat das Unternehmen mit einem Gesamtertrag von 483 Prozent selbst Technologie-ETFs wie den «iShares Expanded Technology ETF» hinter sich gelassen, der nur um 363 Prozent zulegte.
Das Unternehmen stellt für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg des bereinigten Gewinns auf 2,75 bis 2,85 Dollar je Aktie in den Raum. Analysten hatten im Durchschnitt mit 2,97 Dollar je Aktie gerechnet. Nachdem der Valor in einer ersten Reaktion vorbörslich um bis zu 3,5 Prozent sank, hat sich der Titel wieder erholt und startet um 15.30 Uhr mit einem Plus von 2,1 Prozent bei 129,05 Dollar in den New Yorker Handel.
Seit dem Erreichen des Allzeithochs vor sechs Tagen hat die Aktie nach Gewinnmitnahmen 2,4 Prozent an Wert verloren. Damit gehört Walmart weiterhin zu den wenigen Nicht-Technologieunternehmen wie Berkshire oder Saudi Aramco, welches eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar aufweist.
KI-Investitionen zahlen sich aus
Auslöser für die überdurchschnittlichen Kursgewinne von 54 Prozent über die letzten zwölf Monate sind die jüngsten Investitionen in künstliche Intelligenz (KI). Walmart treibt die Integration von KI in seine Geschäftsprozesse konsequent voran und nutzt die Technologie, um Aufgaben von der Terminplanung bis zum Lieferkettenmanagement zu beschleunigen.
Zudem wird der KI-gestützte Verkaufsprozess auf Googles Gemini-Plattform seit Anfang dieses Jahres forciert und eine Kooperation mit OpenAI soll Kunden das direkte Stöbern und Kaufen von Produkten über ChatGPT ermöglichen.
«Walmart hat in den vergangenen Jahren einen massiven digitalen Wandel durchlaufen», erklärte jüngst Eric Clark, CIO bei Accuvest Global Advisors gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Unternehmen habe sich von einem traditionellen stationären Einzelhändler zu einem Unternehmen gewandelt, das durch die Nutzung von Technologie mehr Kundenbindung schaffe. Der von Schnäppchenjägern favorisierte Detailhändler nutzte zudem seine enorme Grösse und sein Lieferantennetzwerk, um Preise trotz hoher US-Inflation niedrig zu halten und weitere Marktanteile in allen Segmenten zu gewinnen.
Angemessene Bewertung auf leicht erhöhtem Niveau
Während der Konzern seine Attraktivität für preisbewusste Käufer beibehalten hatte, ziehen die Online-Angebote neue, vermögendere Käufer an. Die Investmentbank Mizuho ist denn auch voll des Lobes, und sieht weiteren Rückenwind für die Aktie ob der erfolgreichen Strategieumsetzung. Nach Ansicht von deren Experten sollten der Ausbau KI-gestützter Einkaufsfunktionen und die Vorbereitung des automatisierten Handels das Umsatz- und Gewinnwachstum erheblich fördern. Mizuho hat für den Titel ein Kursziel von 137 Dollar mit einem Rating «Overweight» auf dem Zettel.
Die Walmart-Aktie weist mit 42x ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis aus als die Technologiefirmen Alphabet (25x), Microsoft (25x) oder Nvidia (24x). Das heisst allerdings nicht, dass die Aktie überbewertet ist, auch wenn das KGV 10 Punkte über dem fünfjährigen Durchschnitt von 32x liegt. Das ebenfalls relevante Verhältnis des Unternehmenswertes zum Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EV/Ebitda) liegt bei verhältnismässig vernünftigen 21x. Das jährliche erwartete Gewinnwachstum liegt bei 21 Prozent, während der Branchendurchschnitt bei 14 Prozent steht.
Von 51 Analysten stufen 47 das Unternehmen mit «Buy» ein, drei mit «Hold» und einer mit «Sell». Das durchschnittliche Kursziel liegt gemäss Daten von Bloomberg bei 130 Dollar. Das höchste Kursziel liegt bei 150 Dollar, das tiefste bei 80 Dollar.

