«Wir freuen uns, Präsident Trump wieder in Davos begrüssen zu dürfen, und er bringt die grösste US-Delegation mit», kündigte ‌WEF-Präsident und ‌CEO Borge Brende an. Neben zahlreichen US-Ministern werden auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner erwartet.

Mit der starken Präsenz der US-Delegation und ihrer auf die USA fokussierten «America First»-Politik wird allerdings auch die in Davos immer wieder beschworene Vision einer regelbasierten globalen Wirtschaftsordnung auf eine ​harte Probe gestellt. Das Weltwirtschaftsforum bringt vom 19. bis 23. Januar fast 3000 Führungspersönlichkeiten aus über ‌130 Ländern zusammen. Mit einer Rekordbeteiligung von Regierungen werden 400 Politiker ‌erwartet – darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs.

Der für Mittwoch erwartete Auftritt von US-Präsident Trump in dem Schweizer Bergort verdeutlicht die Kluft zwischen seiner Agenda und dem konsensorientierten Ansatz des WEF. Trumps «America First»-Politik hat beispielsweise bewirkt, dass Handelszölle als Strafmassnahme eingesetzt wurden und die USA in dem an Erdöl reichen südamerikanischen Land Venezuela militärisch interveniert haben.

Zahlreiche Manager aus der Ölindustrie sind dieses Jahr in Davos präsent: Sie ⁠warten gespannt darauf, Trumps Agenda der Energiedominanz zu hören. Diese ermutigt sie, mehr Öl und Gas zu fördern und gleichzeitig Alternativen wie Wind- und Solarenergie zu vernachlässigen. Die CEOs von Exxon Mobil, Shell, Total Energies, Equinor und ENI werden erwartet.

Im Geiste des Dialogs

Unter dem ​Motto «Im Geiste des Dialogs» betonen die WEF-Verantwortlichen angesichts der aktuellen geopolitischen Unsicherheit, wie wichtig es sei, gemeinsam ‌einen Weg für Wirtschaft und Politik zu finden. Dialog sei kein Luxus, ‍sondern eine Notwendigkeit, sagte WEF-Präsident Brende.

Da auch ranghohe Vertreter aus Europa erwartet werden, darunter aus Deutschland Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil, richtet sich das Augenmerk darauf, ​wie sie auf die Herausforderungen der USA reagieren - darunter Trumps Anspruch auf Grönland und die Angriffe auf europäische Bemühungen zur Regulierung von US-Technologieunternehmen. «Die Politiker müssen standhaft bleiben», sagte Christy Hoffman, Generalsekretärin der UNI Global Union, die weltweit 20 Millionen Beschäftigte im Dienstleistungssektor vertritt. Sie forderte die ‌politischen Entscheidungsträger überdies auf, sich mit den Auswirkungen von KI und neuen Technologien auf ⁠den Arbeitsmarkt auseinanderzusetzen.

Heisses Thema: Unabhängigkeit der Notenbanken

Aufgeschreckt hat viele Vertreter der Finanzelite ‌auch, dass die US-Justiz den international renommierten US-Notenbankchef Jerome Powell ins Visier genommen hat. In einer gemeinsamen Erklärung stellten sich Zentralbanken aus aller Welt jüngst hinter den in Bedrängnis ‍geratenen Fed-Chef, der sich in einer Videobotschaft zur Wehr setzte. Dieses Thema dürfte in Davos in den Konferenzräumen und auf den Fluren grossen Raum einnehmen, geht es doch letztlich um die Unabhängigkeit der einflussreichsten Notenbank der Welt ​und damit ihre Glaubwürdigkeit.

Zentralbanken stehen derzeit zunehmend unter Druck durch digitale Währungen, den Zielkonflikt zwischen Wachstum ‍und Inflation sowie mancherorts durch die Politisierung ihrer Rolle. Bundesbankchef Joachim Nagel und sein Schweizer Kollege Martin Schlegel gehen am Dienstag auf einer Podiumsdiskussion der Frage nach, wie Zentralbanken die geldpolitischen Instrumente überdenken, die angesichts dieser Herausforderungen notwendig sind, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.

(Reuters)