US-Präsident Donald Trump ist am Mittwoch überraschend von seiner Drohung abgerückt, im Streit um Grönland Strafzölle gegen acht europäische Staaten zu verhängen.
Nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Davos stellte er eine Einigung in Aussicht, die den tiefsten Riss in den transatlantischen Beziehungen seit Jahrzehnten abwenden könnte. Es sei ein Rahmenabkommen zu einer zukünftigen Vereinbarung über die Insel erzielt worden, schrieb Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. Die Einigung solle neben dem geplanten Raketenabwehrsystem «Golden Dome» auch den US-Zugang zu kritischen Mineralien sichern und die Ambitionen Russlands und Chinas in der Arktis blockieren. «Es ist ein Deal, mit dem alle sehr zufrieden sind», sagte Trump. «Es ist ein Deal für die Ewigkeit.» Die weiteren Verhandlungen sollen Vizepräsident JD Vance, Aussenminister Marco Rubio und der Gesandte Steve Witkoff führen.
Der dänische Aussenminister Lars Lokke Rasmussen reagierte zurückhaltend. Entscheidend sei, dass die Integrität und Souveränität des Königreichs Dänemark sowie das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes respektiert würden, sagte er dem Sender DR. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich unbeeindruckt. «Was in Grönland geschieht, ist für uns absolut ohne Belang», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Interfax. Vizekanzler Lars Klingbeil warnte jedoch vor zu grossem Optimismus. Nach dem «Hin und Her» der vergangenen Tage müsse man abwarten, was substanziell vereinbart worden sei, sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend im ZDF. Klingbeil führte die neuen Töne Trumps auf die geschlossene Haltung der Europäer sowie auf wirtschaftlichen Druck in den USA zurück.
Trump hatte bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zwar eine gewaltsame Übernahme der zu Dänemark gehörenden Insel ausgeschlossen. Gleichzeitig bekräftigte er jedoch seine Forderung nach einer Kontrolle über das rohstoffreiche Territorium. Er bezeichnete Dänemark als undankbar und den Streit als kleine Bitte bezüglich eines Stücks Eis. Während seiner Rede verwechselte er Grönland viermal mit Island. Der Streit hatte sich zugespitzt, nachdem der US-Präsident europäischen Nato-Partnern mit Strafzöllen gedroht hatte, um sie zur Abtretung der Insel zu bewegen.
An den Finanzmärkten sorgten die Aussagen für Erleichterung. Der US-Standardwerteindex S&P 500 .SPX baute seine Gewinne aus und verzeichnete mit einem Plus von 1,16 Prozent seinen grössten Tagesgewinn seit zwei Monaten. Der Dollar-Index =USD legte zu, der Goldpreis XAU= gab einen Teil seiner Aufschläge wieder ab. Ein EU-Sprecher sagte, der geplante Sondergipfel der 27 Staats- und Regierungschefs am Donnerstag werde trotzdem wie geplant stattfinden.
(Reuters)
