Der Touristikkonzern TUI geht trotz etwas geringerer Buchungen von einer «robusten» Nachfrage nach Urlaubsreisen im Sommer aus. Der gebuchte Umsatz des ‌Reiseveranstalters bewege ‌sich mit einem Minus von einem Prozent im Winter und zwei Prozent weniger im Sommer im erwarteten Rahmen. Es gebe derzeit eine Tendenz zu kurzfristigerem Buchen, erklärte TUI-Chef Sebastian Ebel am Dienstag. Während des guten Winterwetters in den vergangenen Wochen wurden die Reisebüros weniger frequentiert, um den Sommerurlaub ​zu buchen. Doch das habe sich zuletzt wieder normalisiert. «Die Nachfrage bleibt robust», erklärte der Konzern, ‌der zugleich in Hannover seine erste Hauptversammlung in Präsenz seit ‌2020 abhält. Dort soll die erste Dividende seit der Corona-Krise in Höhe von zehn Cent je Anteilsschein abgesegnet werden.

«TUI bleibt auf Wachstumskurs», betonte Ebel. Für den angepeilten Anstieg des operativen Gewinns im Gesamtjahr um sieben bis zehn Prozent komme es darauf an, Synergien in allen Geschäftsfeldern zu heben. Das Marktumfeld in Europa sei weiterhin wettbewerbsintensiv und konjunkturell anspruchsvoll. Die verbindlich verplanten Kapazitäten seien etwas ⁠reduziert worden. «Uns ist wichtig, Risikokapazität zu einem vernünftigen Preis zu füllen.» Die Preise für Hotels und Resorts sollen um drei Prozent steigen.

Mit den etwas schwächeren Buchungen sei es unwahrscheinlich, dass die Jahresprognose wie im vergangenen Jahr übertroffen werde, erklärten die Analysten von Bernstein Research. Die Markterwartungen ​für das Gesamtjahr gingen jetzt vermutlich um ein bis zwei Prozent zurück. Die im Nebenwertindex MDax ‌notierten TUI-Aktien gaben zu Handelsbeginn an der Börse mehr als zwei Prozent ‍nach.

Weniger USA-Reisen - Asien gefragt

Im ersten Quartal des im Oktober begonnenen Geschäftsjahres 2025/26 erzielte TUI einen Umsatz auf Vorjahresniveau von 4,9 Milliarden Euro und verdiente operativ 77,1 ​Millionen Euro. Das waren 26,3 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum und das beste erste Quartal der Firmengeschichte - normalerweise fällt in der Wintersaison operativ ein Verlust an. Das saisonale Minus bei Pauschalreisen und Flügen konnte TUI durch Gewinn bei Kreuzfahrten und Hotels mehr als ‌ausgleichen. Dabei hatte der Wirbelsturm Melissa auf Jamaika Ende Oktober eine Belastung ⁠von 16 Millionen Euro verursacht, weil Reisen abgebrochen und storniert wurden. Im zweiten Quartal ‌könne es einen weiteren negativen finanziellen Effekt von fünf bis zehn Millionen Euro geben. Dennoch erklärte TUI, mit dem ersten Quartal zufrieden zu sein und ein gutes ‍zweites Quartal zu erwarten.

Bei Fernreisen orientierten sich die Kunden stärker in Richtung Asien. Die Nachfrage nach USA-Reisen sei deutlich gesunken, erklärte Ebel. Trotz der Naturkatastrophe in der Region im vergangenen Herbst will TUI jetzt stärker ​mit Karibik-Zielen wachsen. Anders als in Deutschland, wo der Konzern an Wachstumsgrenzen stösst, kann Europas Marktführer ‍in Osteuropa, zuletzt etwa in Rumänien, sein Geschäft ausbauen - in diesem Jahr eröffnen in der Region 50 neue Reisebüros. An den beiden grössten Märkten Deutschland und Grossbritannien will TUI künftig das Segment der Billigreisen stärker bedienen mit einer neuen Marke. Durch niedrige Kosten solle aber eine auskömmliche Marge erzielt werden, erklärte der TUI-Chef.

(Reuters)