Die Aktien des Elektrokomponentenherstellers LEM schiessen am Dienstag im Vormittagshandel um 20 Prozent auf 394,50 Franken und führen damit den SPI an, der gleichzeitig um 0,75 Prozent zulegt. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von 11 Prozent zu Buche. Über zwölf Monate gesehen liegt die Aktie allerdings weiterhin rund 57 Prozent im Minus.

Für den Kurssprung verantwortlich sind einerseits besser als erwartete Jahresergebnisse, andererseits Aussagen des Unternehmens zu möglichen strategischen Optionen. LEM teilte am Dienstagmorgen mit, angesichts gestiegenen Investoreninteresses mögliche Massnahmen zur langfristigen Steigerung des Unternehmenswerts zu prüfen.

Marktteilnehmer werten dies als mögliches Signal für strategische Transaktionen oder eine Übernahme. Der Prozess befinde sich allerdings noch in einem frühen Stadium, eine Entscheidung sei bisher nicht gefallen. Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Betriebsgewinn um 29,2 Prozent, während sich die EBIT-Marge auf 8,5 Prozent verbesserte. LEM führt die Gewinnverbesserung auf Preiserhöhungen und ein Sparprogramm zurück und setzt künftig verstärkt auf Nachfrage aus dem Rechenzentrumssegment. Mittelfristig strebt der Konzern ein organisches Umsatzwachstum von 4 bis 7 Prozent sowie eine EBIT-Marge von 10 bis 15 Prozent an.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bewertet insbesondere die anziehenden Aufträge sowie ein Book-to-Bill-Verhältnis von über 1 positiv und sieht LEM nun als möglichen Übernahmekandidaten. Das abgeschlossene Kosteneinsparprogramm sei ein wichtiger Fortschritt gewesen, künftige Margengewinne dürften allerdings wieder stärker vom Umsatzwachstum abhängen. Trotz der verbesserten Dynamik mahnt die Bank zur Vorsicht: Die Formulierung des Ausblicks deute auf ein etwas schwächeres kommendes Geschäftsjahr hin, als es die Mittelfristziele vermuten liessen.

Während die ZKB vor allem auf die operative Stabilisierung verweist, sieht Vontobel zusätzlich strukturelle Wachstumstreiber und Potenzial für eine Neubewertung der Aktie. Die Analysten erkennen erste Anzeichen einer Nachfrageerholung, wobei sich Rechenzentren zunehmend als neuer Wachstumstreiber etablieren. Die operative Entwicklung zeige nach den Restrukturierungsmassnahmen klare Verbesserungen und eine starke Cashflow-Generierung. Die Aktie habe bislang eine zu pessimistische Sicht auf die Unternehmensaussichten widergespiegelt - eine Einschätzung, die nun auch durch das konkrete Interesse externer Parteien gestützt werde.

Vontobel ist gemäss Bloomberg derzeit der einzige Analyst mit einer Kaufempfehlung für die Aktie. Dem stehen vier Halte- und eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 373,50 Franken.

(cash/AWP)