Die Valoren der UBS heben sich am Donnerstag deutlich vom schwächeren Finanzsektor ab. Während Swiss Re, Swiss Life, Zurich und Partners Group im Minus notieren, gewinnt die Grossbank am Vormittag 0,6 Prozent auf 35,46 Franken. Damit erreicht die Aktie den höchsten Stand seit Anfang Februar. Der SMI steigt zeitgleich um 0,35 Prozent auf 13'328 Punkte.
Dies aus verschiedenen Gründen: Einerseits hinkte die UBS-Aktie dem Gesamtmarkt seit Jahresanfang hinterher, weil keine Klarheit über die neue Eigenkapitalregulierung herrschte. Der Vorschlag des Bundesrates liegt seit dem 22. April mit der Maximalforderung auf dem Tisch, dürfte aber durch das Parlament noch angepasst - sprich abgeschwächt - werden. Andererseits wusste die UBS - im Gegensatz zum Beispiel zur Deutschen Bank - bei den am 29. April vorgestellten Quartalszahlen operativ zu überzeugen. Die Analystenerwartungen wurden durch das Band übertroffen.
Positiv wirkt sich auch die im März erhaltene Genehmigung für eine vollständige US-Banklizenz aus. Damit kann die Bank künftig auch Zahlungsdienste sowie Giro- und Sparkonten anbieten. Parallel dazu hat die UBS ihr Vergütungsmodell für US-Finanzberater angepasst, um Mitarbeitende zu halten und neue Kundenberater anzuziehen.
Wie Bloomberg von einer Finanzkonferenz in St. Gallen berichtete, schloss UBS-Chef Sergio Ermotti bei der Expansion in Nord- und Südamerika eine Übernahme nicht aus. Eine Akquisition sei zwar nicht zwingend notwendig, könnte den Ausbau des Geschäfts aber beschleunigen. Im Fokus steht insbesondere das Wealth-Management in den USA, einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der UBS.
Nach drei schwachen Quartalen verzeichnete die UBS im ersten Quartal 2026 wieder Nettoneugelder von 5,3 Milliarden Dollar im US-Wealth-Management. Anleger dürften diese Faktoren kombiniert als Signal werten, die UBS werde das Amerika-Geschäft in der Vermögensverwaltung noch offensiver und rascher ausbauen.
Analysten erhöhen die Kursziele
Positiv aufgenommen wurden zudem neue Analystenkommentare. Die Experten von Kepler Cheuvreux erhöhten ihr Kursziel für die UBS-Aktie leicht auf 39,50 Franken von zuvor 39 Franken und hoben ihre Gewinnschätzungen um bis zu 4,5 Prozent an. Die Einstufung lautet weiterhin «Buy». Das neue Kursziel liegt damit rund 11 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs.
Auch Vontobel-Analyst Andreas Venditti zeigte sich nach dem starken Jahresstart optimistischer und erhöhte sein Kursziel auf 36 Franken nach zuvor 35 Franken. Gleichzeitig verweist er jedoch auf einen wichtigen Unsicherheitsfaktor: die künftigen Kapitalvorschriften für die UBS. Der politische Prozess in Bern verläuft langsamer als erwartet, wodurch konkrete Entscheidungen voraussichtlich erst 2027 fallen dürften.
Der Bloomberg-Analystenkonsens bleibt insgesamt ebenfalls positiv: Zwölf Analysten empfehlen die UBS-Aktie zum Kauf, neun zum Halten und drei zum Verkauf. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 38,17 Franken und signalisiert damit ein Aufwärtspotenzial von rund 7 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.
Trotz des heutigen Kursanstiegs liegt die UBS-Aktie seit Jahresbeginn weiterhin rund 4,6 Prozent im Minus. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich dagegen ein Plus von mehr als 38 Prozent.
Insgesamt überwiegt derzeit die Zuversicht, dass die UBS ihr US-Geschäft weiter ausbauen kann und von der Integration der Credit Suisse profitiert. Belastend bleiben jedoch die Diskussionen um strengere Kapitalvorgaben sowie die Frage, wie stark die Politik die Grossbank künftig regulieren wird.
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