Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran schüttelt die internationalen Aktienmärkte durch. Eine Schlagzeile reicht, um den Kursen Flügel zu verleihen oder die Indizes im Minutentakt tauchen zu lassen. Erste Banken reduzieren die Aktienquote und werden vorsichtiger, wie der cash-insider am Dienstag hier berichtete. 

Eine Grossbank bleibt bei Aktien weiter konstruktiv, nimmt aber Anpassungen bei den Präferenzen vor. Je länger der Konflikt im Nahen Osten andauere, desto stärker belaste dieser die wirtschaftlichen und finanziellen Aussichten, so Stefan Meyer, Aktienstratege der UBS im Chief Investment Office (CIO). «In diesem Umfeld erweisen sich die qualitativ hochwertigen Unternehmen des Schweizer Aktienmarktes, die defensive Branchenausrichtung und die historische Widerstandsfähigkeit als günstige Faktoren, um die Unsicherheit und die Wachstumsrisiken zu bewältigen.»

Die Bewertungen am Schweizer Aktienmarkt erscheinen nach der jüngsten Korrektur wieder eine Überlegung wert. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des SMI liegt gemäss UBS mit rund 16 nur geringfügig über seinem langfristigen Durchschnitt von 15,8. «Angesichts der Rekordprofitabilität der SMI-Unternehmen halten wir dies für attraktiv», konstatiert Meyer von der UBS.

Im vergangenen Jahr stagnierte das Gewinnwachstum der SMI-Unternehmen insgesamt, da operative Fortschritte durch Währungsverluste kompensiert wurden. Für dieses Jahr erwartet der UBS-Experte, dass sich die negativen Währungseffekte ab dem zweiten Quartal deutlich abschwächen werden. Zudem dürfte sich der globale Wirtschaftsausblick im Laufe des Jahres schrittweise verbessern, unterstützt durch niedrigere Zinsen und fiskalpolitische Massnahmen an verschiedenen Märkten. In einem positiven Szenario sieht die Grossbank den SMI bis Ende Juni auf 13'800 Punkte ansteigen. Das Kursziel per Ende Jahr beträgt 14'000 Punkte, was einem Aufwärtspotenzial von rund 12 Prozent entspricht.  

Etwas weniger optimistisch sind die zwei UBS-Strategen Matthew Gilman und Rolf Ganter für den europäischen Aktienmarkt. Die zwei Experten haben die Aktien der Eurozone auf «Neutral» herabgestuft, um den zunehmenden Risiken für das Wirtschaftswachstum bei anhaltenden Energieengpässen Rechnung zu tragen. Diese sehen mehr Sicherheit in widerstandsfähigeren Märkten mit langfristigem Wachstum und geringer Anfälligkeit für Energieengpässe.

Die Gewinnwachstumsprognose für 2026 auf 5 von 7 Prozent gesenkt, obwohl die Strategen der UBS nach drei Jahren stagnierender Gewinne weiterhin ein starkes Aufwärtspotenzial für die Gewinne sehen. Dies geschieht allerdings nur unter der Bedingung, dass die Produktionsaktivität im weiteren Jahresverlauf in der Eurozone anzieht. Entsprechend werden Investitionen in den europäischen Gesundheitssektor - der Sektor wird auf «attraktiv» hochgestuft - IT, Industrie, Immobilien, Deutschland sowie in das Themenportfolio «Europäische Marktführer» getätigt. 

Das relative Upside-Potenzial beträgt beim Euro Stoxx 50 Index wie beim SMI rund 12 Prozent. Wieso die Schweiz als «attraktiv» und die Eurozone mit «Neutral» eingeschätzt wird, dürfte dem Risikoprofil geschuldet sein. Insofern deutet dies auch bei der Grossbank auf eine konservativere Positionierung hin, die über die nächsten Monate aufrechterhalten werden dürfte.

Gerade in unsicheren Zeiten investiert zu bleiben, ist für viele Investorinnen und Investoren eine psychologische Herausforderung, nicht zuletzt wegen der Risikoaversion. Verkaufen ist aber meistens die schlechtere Alternative. Dies, weil gemäss Studien die zehn besten Börsentage in einem Jahr für mehr als zwei Drittel der Performance verantwortlich sind. Gerade nach Kursrückgängen wie seit Anfang März ist das Risiko besonders gross, die besten Börsentage zu verpassen. 

Ein zentrales Argument für Schweizer Aktien ist die nachhaltige Dividendenrendite von über 3 Prozent, erklärt Meyer von der UBS. Die Aktienauswahl und Diversifizierung bleiben indes entscheidend. Der UBS-Experte bevorzugt qualitativ hochwertige Unternehmen und führende, profitable Unternehmen sowie ausgewählte Mid-Caps und zyklische Aktien.

Thomas Daniel Marti
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