Der Industriekonzern Thyssenkrupp will nach hohen Verlusten im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 den Umbau und den möglichen Verkauf der Stahlsparte weiter vorantreiben. Die Verhandlungen mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel über eine Übernahme von Thyssenkrupp Steel Europe seien intensiv, sagte Konzernchef Miguel Lopez am Donnerstag auf einer Telefonkonferenz mit Analysten. Thyssenkrupp strebe einen Verkauf der Mehrheit an dem grössten deutschen Stahlkocher an. Die Inder hatten im September vergangenen Jahres ein nicht bindendes Angebot für die Stahltochter vorgelegt. Derzeit laufe noch eine intensive Firmen-Prüfung (Due Diligence), sagte Lopez.
Nach den Worten von Finanzchef Axel Hamann stellt sich Thyssenkrupp auf noch weiter andauernde Verhandlungen ein. «Da gibt es noch eine Menge zu besprechen und zu verhandeln», sagte der Manager. Auch im Markt gebe es noch viel Bewegung, erklärte Hamann mit Verweis auf die von der EU angekündigten Hilfsmassnahmen für die europäische Stahlbranche. «Wir verhandeln konstruktiv.» Wie lange, könne er nicht sagen.
In der Stahlsparte sollen in den kommenden Jahren bis zu 11'000 der rund 26'000 Arbeitsplätze gestrichen oder ausgelagert werden. «Der Plan ist in jedem Fall, die Restrukturierungen entsprechend fortzusetzen», sagte Finanzchef Hamann. «Das ist die Basis für Wettbewerbsfähigkeit.» Auf die Frage, was der Plan B sei, falls die Verhandlungen mit Jindal scheitern, entgegnete er: «In beiden Szenarien - mit Jindal, ohne Jindal - werden wir das weiter fortführen.» Frühere Versuche, das Stahlgeschäft zu verkaufen, an die Börse zu bringen oder in ein Joint Venture zu führen, waren fehlgeschlagen.
Die hohen Kosten für den Umbau der Stahlsparte machen Thyssenkrupp immer mehr zu schaffen. Im ersten Quartal habe der Konzern insgesamt nach Anteilen Dritter einen Nettoverlust von 353 Millionen Euro eingefahren nach minus 51 Millionen vor Jahresfrist, teilte das Unternehmen mit. Hauptgrund seien Restrukturierungskosten im Stahlgeschäft in Höhe von 401 Millionen Euro gewesen. Analysten hatten nach LSEG-Daten im Schnitt mit einem Gewinn von 32 Millionen Euro gerechnet.
Austieg wird teuer
Thyssenkrupp bestätigte die Prognose, wonach im Gesamtjahr 2025/26 ein Verlust von 800 bis 400 Millionen Euro in den Büchern stehen werde. Hierin enthalten sei insbesondere die Bildung von Rückstellungen etwa für Abfindungen bei Steel Europe. Der Ausstieg beim benachbarten Stahlkonzern HKM führe zu einem Verlust in Höhe eines niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrags.
Im operativen Geschäft konnte Steel Europe zum Jahresauftakt zulegen. Das bereinigte Ebit kletterte auf 216 Millionen Euro nach 168 Millionen Euro im Vorjahr. Die Sparte habe von sinkenden Rohstoffkosten und den eingeleiteten Effizienzmassnahmen profitiert. Auch im Gesamtkonzern verbesserte sich der Wert um 20 Millionen auf 211 Millionen Euro.
An der Börse konnte Thyssenkrupp die Anleger mit seiner Geschäftsentwicklung nicht überzeugen. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Aktien gaben bis zum Mittag vier Prozent nach.
(Reuters)

