Die Aktionäre von UniCredit haben den Weg für das Übernahmeangebot für die Commerzbank freigemacht. Auf einer ausserordentlichen virtuellen Hauptversammlung stimmten am Montag 99,55 Prozent des vertretenen Kapitals der italienischen Grossbank für die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien, wie UniCredit in Mailand mitteilte. Die Titel will UniCredit den Commerzbank-Aktionären im Tausch für ihre Aktien anbieten. Verwaltungsratschef Pier Carlo Padoan stellte sich hinter das Vorgehen von Vorstandschef Andrea Orcel. Das Gremium unterstütze den vom Management-Team eingeschlagenen Weg «weiterhin voll und ganz», sagte der ehemalige italienische Finanzminister laut Redetext.
Vorbild für den Umbau der Commerzbank sei die Münchner HypoVereinsbank (HVB), die unter der Ägide von UniCredit «zu einem führenden Institut in Deutschland bei Profitabilität und Effizienz entwickelt» worden sei, «ohne dabei ihre Wurzeln in München oder ihre Verpflichtung gegenüber deutschen Kunden, insbesondere dem Mittelstand, zu verlieren», sagte Padoan. Die Strategie von UniCredit ermögliche es allen Banken in ihren 13 europäischen Märkten, ihre Identität zu bewahren und zugleich von der Grösse einer europäoschen Plattform zu profitieren. Die Commerzbank und die HVB seien «in vielerlei Hinsicht Spiegelbilder», sagte Padoan. Die Strategie von UniCredit ging bei der HVB allerdings auf Kosten der Arbeitsplätze und führte zu einem massiven Schrumpfkurs.
Der stellvertretende Commerzbank-Chef Michael Kotzbauer warnte in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe), Commerzbank und UniCredit verfolgten im internationalen Firmenkundengeschäft ganz unterschiedliche Strategien: «Was die Unicredit nach 18 Monaten und zahlreichen Treffen nun auf den Tisch gelegt hat, ist ein Plan, der die Bank, wie sie heute für ihre Kunden funktioniert, zerlegt und unseren Aktionären dafür keine Prämie zahlt.» Die Argumente vonm Orcel seien nicht im Interesse der Commerzbank-Kunden.
UniCredit will die offizielle Offerte an die Commerzbank-Aktionäre am Dienstag unterbreiten. Dann haben sie vier Wochen Zeit, ihre Aktien UniCredit anzudienen. Allerdings lohnt sich der Tausch für sie derzeit nicht. Die 0,485 UniCredit-Aktien, die die Italiener anbieten, entsprechen nur einem Wert von 31,60 Euro. Das Frankfurter Geldhaus wird damit mit 35,6 Milliarden Euro bewertet. Die Commerzbank-Aktie wird an der Börse aber mit 34,56 Euro gehandelt, das sind neun Prozent mehr. Kotzbauer kritisierte erneut, dass UniCredit den Commerzbank-Aktionären keinen angemessenen Aufschlag auf den Börsenkurs zahle, sondern stattdessen die Bewertung der Bank herunterrede. «Dies ist aus Governance-, Regulierungs- und Aktionärsperspektive höchst bedenklich.»
Doch UniCredit-Chef Orcel kommt es ohnehin nicht darauf an, mit dem Angebot möglichst viele Commerzbank-Aktien einzusammeln. Sobald er damit nur die Schwelle von 30 Prozent überschreitet, hat UniCredit nach einem halben Jahr die Möglichkeit, am Markt beliebig weitere Papiere des Frankfurter Bankhauses aufzukaufen, ohne zu einem Pflichtangebot gezwungen zu sein.
(Reuters)

