UniCredit-Chef Andrea Orcel ‌sagte ⁠am Dienstag, es sei wahrscheinlicher geworden, dass die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) feststellten, dass ⁠UniCredit bereits die Kontrolle über die Commerzbank ausübe, auch wenn sie nicht die Mehrheit der Anteile halte. ‌Das würde bedeuten, dass die Italiener mehr hartes Kernkapital ‌vorhalten müssen, um auch die Risiken der ​Commerzbank abzupuffern. Orcel hatte lange Zeit betont, es werde ihm gelingen, diese Situation zu vermeiden.

Nach der ersten Annahmefrist hat sich UniCredit mehr als 30 Prozent an der Commerzbank gesichert und kann über den Tausch von Derivaten in Aktien bis auf ‌42,5 Prozent aufstocken. Das würde aller Voraussicht nach für eine Mehrheit auf der Hauptversammlung reichen. Orcel sagte, damit könne UniCredit das Management der Commerzbank dazu bringen, seine Strategie für ​das Frankfurter Geldhaus umzusetzen.

Der Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp hält nichts ​von den im April vorgestellten Plänen für die ​Bank, die einen grösseren Stellenabbau und Einschnitte ins Auslandsgeschäft vorsehen. Der UniCredit-Chef sagte, er habe sich 18 ‌Monate lang zurückgehalten, die Pläne zu präsentieren, weil er gewusst habe, dass sie «eine emotionale Reaktion» hervorrufen würde. Schon in der vergangenen Woche hatte UniCredit darauf verwiesen, dass man damit alle ​Mandate ​im Aufsichtsrat besetzen und so den ⁠Vorstand bestimmen könne. Die zweite Annahmefrist für die Commerzbank-Aktionäre ​läuft noch bis 3. ⁠Juli.

Orcel sagte, der einzige Grund, warum sich die Commerzbank-Aktie so positiv entwickelt habe, ‌sei das Interesse von UniCredit. Bis auf fünf hätten alle aktiven institutionellen Commerzbank-Investoren ihre Aktien entweder verkauft oder angedient. Die Commerzbank hatte dagegen darauf ‌verwiesen, dass ihre Grossaktionäre nur ein Prozent der Aktien angedient ​hätten und nach ihren Erkenntnissen der Grossteil der Annahmequote auf Derivategeschäfte von UniCredit mit einigen Banken zurückzuführen sei.

(Reuters)