UniCredit hat mit dem Übernahmeangebot für den deutschen Rivalen schon ⁠zwei Wochen vor Ablauf der Annahmefrist 7,58 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Damit hat UniCredit-Chef Andrea Orcel trotz des Widerstands ‌des Commerzbank-Vorstands 34,35 Prozent der Anteile sicher und freie Bahn für weitere Aktienkäufe, ohne ein ‌höheres Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Zuletzt hatte UniCredit einen Anteil ​von 26,77 Prozent gemeldet. Gleichzeitig arbeitet Orcel daran, die Commerzbank-Beteiligung weiter auszubauen - möglicherweise könnte er sich schon jetzt mehr als 50 Prozent sichern.

Weitere 3,22 Prozent kann UniCredit in jedem Fall erwerben, indem die Bank Kaufoptionen zieht, die sie von mehreren Investmentbanken erworben hat. Insgesamt könnte sich Orcel unter Umständen sogar Zugriff auf bis zu 50,8 Prozent der Commerzbank-Anteile verschaffen. UniCredit hat den ‌Bestand an Derivaten, für die ein Barausgleich vorgesehen ist (Total Return Swaps), noch einmal auf 13,19 Prozent erhöht. Diese Vereinbarung kann in der Regel leicht geändert werden, sodass UniCredit auch auf diese Weise Commerzbank-Aktien erwerben könnte.

«Die Instrumente mit Barausgleich erweitern die Möglichkeiten von UniCredit und ​unterstützen damit das Angebot», erläuterten die Italiener in einer gesonderten Stellungnahme. Sie ermöglichten es UniCredit, ​die letztliche Eigentümerstruktur in Einklang mit den Interessen der eigenen Aktionäre zu ​bringen. Eine Beteiligung zwischen etwa 40 und knapp 50 Prozent wäre für UniCredit nach Einschätzung von Experten ungünstig. Denn die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) könnten dann feststellen, ‌dass die Italiener die Commerzbank faktisch kontrollierten, was hohe Kapitalaufschläge zur Folge haben dürfte, ohne dass Orcel in Frankfurt durchregieren könnte.

Die Commerzbank warnte in einer Präsentation, die veröffentlichten Zahlen zu potenziellen Anteilen könnten trügerisch sein. Die Options-Partner von UniCredit müssten sich die Aktien ​möglicherweise erst ​besorgen, um sie an die Italiener verkaufen zu können. Commerzbank-Chefin ⁠Bettina Orlopp und ihr Vorstandstemmen sich gegen eine Übernahme. Sie warnen in ​diesem Fall vor einem Kahlschlag in ⁠der Belegschaft. Die Commerzbank könne aus eigener Kraft mehr Wert schaffen.

Dass UniCredit so früh schon so viele Aktien einsammelt, überrascht, ‌weil die Tauschofferte weiterhin rechnerisch unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie liegt - und die Kursziele von Analysten noch höher sind. Zudem dienen institutionelle Investoren ihre Papiere in aller Regel erst in den letzten Tagen einer Übernahmefrist an. ‌UniCredit erklärte am Dienstag, die starke frühe Resonanz auf das Angebot spiegele «den inneren Wert wider, ​den Anleger in der UniCredit-Offerte sehen». Nachdem UniCredit wie erwartet und gewünscht die 30-Prozent-Hürde genommen hat, bekommen die Commerzbank-Aktionäre nach Ablauf der Umtauschfrist am 16. Juni auf jeden Fall noch einmal zwei Wochen Zeit, ihre Aktien anzudienen.

(Reuters)