Die italienische Grossbank UniCredit rechnet fest mit einer Übernahme der Commerzbank. «Die Commerzbank entwickelt sich von einer attraktiven Finanzbeteiligung zu einer strategischen Transaktion mit substanziellem industriellen Wert durch die Umsetzung unserer bewährten ‌Blaupause», heisst ⁠es in einer am Donnerstag veröffentlichten Präsentation von UniCredit-Chef Andrea Orcel zu den Quartalszahlen. Mit den Genehmigungen ⁠der Aufseher sei vielleicht noch in diesem Jahr zu rechnen. Kurz danach werde man die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen und ‌die Strategie implementieren. Wenn nötig, werde UniCredit eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen, heisst es ‌in der Präsentation.

Orcel hatte seine strategischen Pläne im ​April vorgestellt. Er will der Commerzbank das eigene Geschäftsmodell überstülpen. Das war sowohl beim Vorstand als auch beim Betriebsrat des Frankfurter Geldhauses, auf erbitterten Widerstand gestossen und zog auch Kritik der Bundesregierung auf sich. Trotzdem sicherten sich die Italiener mit einem Tauschangebot fast die Hälfte der Commerzbank-Anteile. UniCredit erklärte, man wolle sich konstruktiv mit ‌der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und der Führung der polnischen Commerzbank-Tochter mBank ins Benehmen setzen. Ein Pflichtangebot für die mBank sei aber nicht nötig und derzeit auch nicht geplant, betonte UniCredit. Dieses wäre nach bisherigen Aussagen erst mit ​einer Beteiligung von 50 Prozent an der Commerzbank fällig.

Auswirkungen auf Kernkapitalquote wohl geringer

Die ​Auswirkungen einer Commerzbank-Übernahme auf die Bilanz von UniCredit würden offenbar ​geringer ausfallen als gedacht. Die Mailänder Grossbank rechne für diesen Fall mit einer harten Kernkapitalquote von rund 13 Prozent, zwei Prozentpunkte ‌weniger als ohne die Commerzbank. Bisher hatte Orcel von einem Negativ-Effekt von rund 2,8 Prozentpunkten gesprochen, wenn UniCredit auch für die Risiken der Commerzbank vorsorgen müsse. Nun hat die Bank aber einen 4,75 Milliarden Euro schweren Aktienrückkauf gekippt. ​Die ​Übernahme werde schon in diesem und den beiden folgenden ⁠Jahren zu einem zweistelligen Gewinnwachstum führen.

Aber auch ohne die Commerzbank ​rechnet UniCredit mit mehr Gewinn. Für ⁠das laufende Jahr schraubte Orcel die Prognose von «mindestens elf Milliarden Euro» Nettogewinn auf «deutlich über elf Milliarden ‌oder 11,5 Milliarden» nach oben. Im zweiten Quartal sank der Nettogewinn um 13 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Dabei habe man sich die Absicherungsgeschäfte (Hedging) im Zuge der Commerzbank-Übernahme 245 Millionen ‌Euro kosten lassen. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit einem Nettogewinn von 2,84 ​Milliarden Euro gerechnet. Für 2028 sagt UniCredit - die Commerzbank-Zahlen noch nicht eingerechnet - nun einen Gewinn von mehr als 13 Milliarden, für 2030 von mehr als 15 Milliarden Euro voraus.

(AWP)