Eine Verschlankung der Zentrale, eine Modernisierung der IT, ein besseres Rating und ein geringerer Finanzierungsbedarf durch einen Abbau risikogewichteter Aktiva (RWA) brächten im Falle eines Zusammenschlusses der beiden Banken vor Steuern bis 2030 einen jährlichen Mehrwert von 1,1 Milliarden Euro, heisst es in der am Dienstag veröffentlichten Unterlage für das Übernahmeangebot an die Commerzbank-Aktionäre. Es werde aber zwei bis drei Jahre dauern, bis das Potenzial voll ausgeschöpft sei. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit Grossaktionär UniCredit - ohne eine Fusion - könne bis zum Jahr 2028 schon 800 Millionen Euro Mehrwert bringen.
Denn auch ohne eine Komplettübernahme kann die Commerzbank nach den Vorstellungen von UniCredit ertragreicher werden: Die Bank solle sich auf Deutschland - vor allem den Mittelstand - und auf Polen konzentrieren und ihr internationales Netz ausdünnen, schlagen die Italiener in der Unterlage vor. Wenn die Commerzbank ihre Aufwands-Ertrags-Quote (Cost-Income-Ratio) auf das Niveau der Münchner UniCredit-Tochter HypoVereinsbank senke, könne das allein 1,3 Milliarden Euro Einsparungen bringen. Für die Massnahmen seien allerdings vorher Kosten und Investitionen von 1,7 Milliarden Euro erforderlich, unter anderem für Vorruhestandsregelungen und umfangreiche Umschulungen. Rund 1,6 Milliarden Euro Zusatzkosten würden bei einer Komplettübernahme fällig.
Am Angebot für die Commerzbank selbst hat sich gegenüber der Ankündigung von Mitte März nichts geändert. UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Das ist weniger als die Commerzbank-Papiere derzeit an der Börse wert sind. Die Commerzbank-Aktionäre haben zunächst sechs Wochen bis zum 16. Juni Zeit, die Offerte anzunehmen, darauf folgt eine zweiwöchige Nachfrist.
UniCredit-Vorstandschef Andrea Orcel geht es mit dem Angebot vor allem darum, die Beteiligung an der Commerzbank auf mehr als 30 Prozent zu steigern, um danach freie Hand für weitere Aktienkäufe zu haben. Bisher hält UniCredit 26,77 Prozent an der Commerzbank und hat Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Zudem will Orcel den Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch bringen. «Die Bieterin ist für einen Dialog mit der Commerzbank weiterhin offen, auch wenn sie dies nicht für ein wahrscheinliches Szenario hält, da die Commerzbank mitgeteilt hat, dass sie keine Grundlage für einen Dialog sieht», heisst es dazu im Prospekt.
(Reuters)

