Die Commerzbank sei nicht ausreichend auf die kommenden ‌Herausforderungen der ⁠Branche vorbereitet und konzentriere sich zu sehr auf kurzfristige Ziele, erklärte UniCredit am Montag. Mit einer Strategie namens «Commerzbank Unlocked» kann nach Auffassung der Italiener der Nettogewinn des deutschen Rivalen bis 2028 ⁠auf rund 5,1 Milliarden Euro gesteigert werden. Dies seien 600 Millionen Euro mehr als die bisherige Konsensschätzung von 4,5 Milliarden Euro am Markt.

«Die Commerzbank läuft Gefahr, für ein sich rasch wandelndes Bankenumfeld zunehmend schlechter gerüstet zu ‌sein», sagte UniCredit-Chef Andrea Orcel. Wenn es so weitergehe wie bisher, seien weitere Umstrukturierungen auf längere Sicht ohnehin unvermeidlich. Der Manager kritisierte ‌eine «ausufernde» Bürokratie und unverhältnismässig hohe Kosten ausserhalb des Personalbereichs. Hier gebe es Spielraum für Einsparungen, die sich ​am vollzogenen Umbau der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) orientieren sollten. «Unsere Einschätzungen basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen und sind das Ergebnis der Anwendung der bewährten Erfolgsbilanz von 'UniCredit Unlocked'», erklärten die Italiener. Orcel zufolge würden sich die Einschnitte mehrheitlich auf das internationale Netzwerk der Commerzbank und nicht auf das Geschäft in Deutschland konzentrieren.

UniCredit ist bereits der grösste Aktionär der Commerzbank und bereitet ein Übernahmeangebot vor - gegen Widerstand der Commerzbank und der deutschen Politik. Mit der Offerte wollen die Italiener ihren Anteil von knapp unter 30 Prozent wenigstens etwas darüber heben. Damit würde UniCredit diese Hürde überwinden, ohne ‌ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, und hätte freie Hand, am Markt weitere Commerzbank-Aktien zu kaufen. «Ein Szenario ist, dass wir eine geringe Annahmequote erwarten, und damit sind wir zufrieden», sagte Orcel. Finanziell sei dies ein Gewinn. Man könne sich dann zurücklehnen. In zwei Jahren könne dann eine bessere Transaktion möglich sein.

Sollte UniCredit durch die Offerte die Kontrolle erlangen, werde die Commerzbank zunächst für ​18 Monate als eigenständiges Unternehmen weitergeführt, sagte Orcel. Die behördlichen Genehmigungen würden ohnehin erst Ende 2027 vorliegen. Sollte das Angebot nicht zur Kontrolle ​führen, werde UniCredit zwölf bis 18 Monate lang keine weiteren Schritte zur Kontrollübernahme unternehmen.

«Irreführende Darstellungen»

Die Commerzbank erklärte, sie weise ​die «anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellungen» von UniCredit zurück. Erneut habe UniCredit keine angemessene Prämie für die Aktionäre der Commerzbank vorgeschlagen. Am 8. Mai wolle die Frankfurter Bank zusammen mit ihren Quartalszahlen aktualisierte Finanzziele und ihre Strategie bis 2030 ‌vorstellen.

Die Commerzbank pocht ebenso wie die Bundesregierung auf ihre Eigenständigkeit. Das SPD-geführte Bundesfinanzministerium sprach sich weiterhin klar gegen eine Übernahme aus. «Der Bund unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank», sagte ein Sprecher des Ministeriums. «Eine feindliche Übernahme wäre - insbesondere mit Blick auf eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank - nicht akzeptabel.» Die Position der Regierung habe sich nicht geändert.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte seine Ablehnung. Nicht jede ​Form und ​jede Art der Übernahme sei in Deutschland willkommen, sagte er auf dem Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher ⁠Banken (BdB) in Berlin. «Feindliches, aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab.»

Sollte es zu der Übernahme kommen, müsse der Hauptsitz ​des neuen Instituts in Deutschland sein, forderte ⁠Armand Zorn, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Der Abgeordnete, zu dessen Frankfurter Wahlkreis das Bankenviertel gehört, sagte Reuters, die Übernahme sei «der falsche Weg für die Commerzbank und für den Bankenstandort Deutschland».

Unruhe in Italien

Auch ‌in Italien sorgt das Vorhaben für Unruhe. Die Regierung in Rom befürchte, dass UniCredit eine Verlegung des Hauptsitzes nach Deutschland anbieten könnte, um den Widerstand aus Berlin auszuräumen, hatten drei Insider am Freitag gesagt. Die Regierung in Rom sei dagegen, dass die Bank stärker deutsch geprägt werde. Der italienische Staat verfüge über ‌weitreichende Eingriffsrechte, um nationale Interessen zu schützen. UniCredit selbst teilte Reuters jedoch mit, der Hauptsitz werde in Italien bleiben.

Nach Ansicht des deutschen Branchenverbands ​BdB ist der Übernahmekampf nur von UniCredit und Commerzbank zu lösen. Der deutsche und auch der europäische Bankenmarkt seien umkämpft, sagte BdB-Präsident Christian Sewing, der auch Chef der Deutschen Bank ist. Insgesamt hätten sich die deutschen Banken in den vergangenen Jahren gut entwickelt. «Es ist schön zu sehen, wie wir an der Profitabilität gearbeitet haben.» Dadurch seien die Banken widerstandsfähiger geworden. 

(Reuters)