Das Pfund fiel um bis zu 0,5 Prozent auf ‌1,3332 Dollar, ⁠den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Seit Montag ist die Währung - zusätzlich belastet ⁠durch die jüngste Dollar-Rally - um zwei Prozent eingebrochen. An den Anleihemärkten stiegen die Renditen britischer Staatsbonds ‌sprunghaft an. «Der Premierminister Keir Starmer scheint schwer angeschlagen und ‌es ist fraglich, ob er sich noch ​lange im Amt halten kann», schreibt Commerzbank-Analyst Michael Pfister in einem Kommentar.

Starmer kämpft nach dem Wahldebakel seiner Labour-Partei bei den jüngsten Kommunalwahlen um den Machterhalt. Am Donnerstag trat der britische Gesundheitsminister Wes Streeting zurück und erhöhte damit den Druck auf ‌den Premierminister. Viele in der Partei machen Starmer für das schlechte Abschneiden bei den Wahlen verantwortlich, womöglich droht eine parteiinterne Revolte auszubrechen. Die Zeitung «The Times» hatte am ​Mittwoch berichtet, dass Streeting vor dem Rücktritt stehe, um Starmer als ​Chef der Labour-Partei herauszufordern.

Als mögliche Kandidaten für ​das Amt des Premiers gelten zudem der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, sowie die ehemalige stellvertretende ‌Premierministerin Angela Rayner. Streeting wird dem rechten Flügel der Labour-Partei zugerechnet, während Burnham und Rayner eher dem gemässigten linken Flügel angehören. Unter Investoren gibt es Bedenken, dass ​ein traditionellerer, ​linker Labour-Premier die Staatsausgaben und Steuern deutlich ⁠erhöhen könnte. Daher sind die Kreditkosten der britischen ​Regierung zuletzt stark gestiegen.

Am ⁠Freitag lag die Verzinsung der zehnjährigen Anleihen bei rund 5,129 Prozent und damit ‌nur knapp unter den jüngsten Höchstständen. Mit 5,130 Prozent war die Rendite am Dienstag auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008 geschossen. ‌Am Aktienmarkt gerieten vor allem Bankenwerte unter die Räder. Die ​Titel von Barclays und Lloyds gaben jeweils rund drei Prozent nach. Der Londoner Leitindex verlor 1,3 Prozent.

(Reuters)