Mit Spannung haben Anleger an den europäischen Aktienmärkten das von US-Präsident Donald Trump gestellte Ultimatum an den Iran zur Öffnung der Strasse von Hormus im Blick.
Der Dax zeigte sich am Dienstag schwankend und legte nach einem vorsichtigen Start um bis zu ein Prozent auf 23'397 Punkte zu. Der EuroStoxx50 zog gleich stark auf 5750 Zähler an. «Trotz zunehmender geopolitischer Spannungen setzen einige Anleger offenbar auf einen Last-Minute-Deal und halten damit an ihrer optimistischen Grundhaltung fest», sagte Timo Emden von Emden Research. «Die Märkte klammern sich an das Szenario einer diplomatischen Lösung und blenden dabei viele Risiken aus.»
Trump hat dem Iran eine Frist bis Dienstagabend (Ortszeit US-Ostküste; Nacht auf Mittwoch MESZ) gesetzt, um die für den weltweiten Energiehandel wichtige Strasse von Hormus wieder zu öffnen. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, werde das US-Militär sämtliche Kraftwerke und Brücken des Landes zerstören. Der Iran hatte einen über Pakistan vermittelten US-Vorschlag für eine Feuerpause zuletzt zurückgewiesen und stattdessen ein dauerhaftes Ende des Krieges gefordert.
«Je näher die Frist rückt, desto grösser dürfte die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern werden», sagte Emden. «Wir befinden uns wieder in einem von Trump auferlegten Countdown und es gibt keine Möglichkeit, mit Sicherheit vorherzusagen, was passieren wird», sagte Kyle Rodda, Analyst bei Capital.com.
Ölpreise grenzen Gewinne ein
Die Ölpreise zogen zunächst weiter an. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um bis zu 1,8 Prozent auf 111,80 Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg in der Spitze um 3,7 Prozent auf 116,56 Dollar. Im Handelsverlauf bröckelten die Gewinne aber wieder ab. Der Iran erklärte, er wolle ein dauerhaftes Ende des Krieges anstelle eines vorübergehenden Waffenstillstands und wehrte sich gegen den Druck, die Wasserstrasse wieder zu öffnen, durch die etwa ein Fünftel der weltweiten Erdöl- und Erdgasversorgung fliesst.
Der anhaltende Ölpreishöhenflug heizte unterdessen die Furcht vor einer heraufziehenden Rezession im Euro-Raum an. Das Stimmungsbarometer für die Euro-Zone sackte im April um 16,1 auf minus 19,2 Zähler ab, wie die Beratungsfirma Sentix mitteilte. Dies ist das tiefste Niveau seit April 2025. Vor vier Wochen sei man noch von einem kurzen Krieg mit begrenzten Auswirkungen ausgegangen, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.
UMG im Aufwind - ASML unter Druck
Bei den Einzelwerten trieb unterdessen ein milliardenschweres Übernahmegebot die Aktien der Universal Music Group in der Spitze um mehr als 24 Prozent auf 21,25 Euro und befeuerte den Mediensektor. Der US-Investor Bill Ackman will den weltgrössten Musikkonzern für rund 55,75 Milliarden Euro übernehmen. Seine Investmentfirma Pershing Square habe ein entsprechendes unverbindliches Angebot unterbreitet. Die Offerte aus Barmitteln und Aktien bewerte Universal Music mit 30,40 Euro je Aktie. Dies entspricht einem Aufschlag von 78 Prozent auf den letzten Schlusskurs. UMG hat Künstler wie Taylor Swift oder Billie Eilish unter Vertrag.
Dagegen hinkten Tech-Aktien hinterher. Die Furcht vor weiteren US-Ausfuhrbeschränkungen für China zog die Titel von Chipindustrie-Zulieferer ASML um bis zu 4,7 Prozent nach unten. Eine parteiübergreifende Gruppe von US-Politikern hatte vergangene Woche einen Gesetzesvorschlag für weitere Restriktionen bei der Ausfuhr von Anlagen zur Chipherstellung nach China eingebracht. Das geplante Gesetz würde sich direkt auf die Lieferungen von DUV-Immersionsanlagen durch ASML nach China sowie auf die damit verbundenen Service-Einnahmen auswirken, teilten die Analysten von JP Morgan mit. Bestehende, mit den USA abgestimmte und von der niederländischen Regierung durchgesetzte Vorschriften hindern ASML bereits daran, seine modernsten Werkzeuge nach China zu liefern. ASML verkauft jedoch weiterhin ältere DUV-Anlagen an chinesische Chiphersteller. Das neue Gesetz würde dies verbieten.
(Reuters)

