Die ⁠Telekommunikationsbehörde FCC erarbeite ein Importverbot für sogenannte optische Transceiver, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag. Diese dienen ⁠dazu, Daten innerhalb eines Rechenzentrums über Glasfaserkabel mit Lichtgeschwindigkeit zu übertragen. Das Embargo könnte noch in diesem Jahr in Kraft treten. Damit solle verhindert ‌werden, dass die Volksrepublik Daten ausspioniere, Schadsoftware installiere oder den Betrieb von KI-Rechenzentren störe. ‌Eine endgültige Entscheidung über ein Importverbot sei aber noch nicht ​gefallen.

«Transceiver bergen definitiv ein Risiko», betonte KI-Experte Divyansh Kaushik von der Beratungsfirma Beacon Global. «Angesichts des zunehmenden Ausbaus von Rechenzentren muss man sicherstellen, dass die Lieferkette von A bis Z sicher ist.» Mit dem geplanten Importstopp wollen die China-Kritiker in der US-Regierung eine ähnliche Situation wie im Telekom-Sektor verhindern. Dort hat der chinesische Anbieter Huawei mit seinen Netzwerk-Komponenten einen so ‌grossen Marktanteil, dass sich der Umstieg auf Konkurrenzprodukte schwierig gestaltet, kostspielig ist und vorerst unvollendet bleibt. In Deutschland sollen chinesische Bauteile ebenfalls aus den Mobilfunknetzen verschwinden. Die damalige Bundesregierung hatte sich 2024 mit den Betreibern auf eine fünfjährige Übergangsfrist geeinigt.

China droht mit Gegenmassnahmen

Die US-Regierung und die FCC reagierten nicht auf eine Bitte um Stellungnahme zu ​einem möglichen Importverbot für Transceiver. Die chinesische Botschaft in Washington nannte einen solchen ​Schritt Verleumdung chinesischer Unternehmen. «China wird alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um auf jede Handlung zu reagieren, die seinen Interessen erheblichen Schaden zufügt», teilte sie ‌mit. Die Beziehungen der beiden weltgrössten Volkswirtschaften sind seit Längerem angespannt. Die USA versuchen mit Exportverboten für hochmoderne Computerchips und Maschinen, den militärischen und technologischen Aufstieg der Volksrepublik zu bremsen. Gleichzeitig beschränken sie die Einfuhr von Produkten, die aus ihrer Sicht ​die nationale Sicherheit ​gefährden. Auf der Verbotsliste der FCC stehen unter anderem chinesische ⁠Drohnen, Internetrouter und Roboter.

Die Volksrepublik hatte ihrerseits im vergangenen Jahr ​unter anderem die Exportkontrollen für sogenannte ⁠Seltene Erden verschärft. Diese Elemente werden unter anderem für die Produktion technologischer Komponenten benötigt.

Rückschlag für Innolight - Chance für Coherent und Lumentum

Ein geplanter Transceiver-Bann würde vor allem das chinesische Unternehmen Innolight treffen. Der Konzern beherrscht dem Research-Haus Counterpoint zufolge 27 Prozent des Weltmarktes. Innolight steht bereits auf einer US-Liste von Unternehmen mit mutmasslichen Verbindungen ‌zum chinesischen Militär. Dies ist oft der erste Schritt für die Verhängung von Sanktionen.

Cloudanbieter wie ​Amazon Web Services (AWS), Google oder Microsoft würden bei einem Embargo voraussichtlich verstärkt auf Produkte von US-Herstellern wie Coherent oder Lumentum zurückgreifen. Deren Aktien stiegen am Dienstag im vorbörslichen Handel an der Wall Street um bis zu 4,6 Prozent.

(Reuters)