Der Kursverlust am Dienstag mit 1,6 Prozent kann nicht über die Erfolge der UBS-Aktie in den letzten Wochen hinwegtäuschen. Am Montag erreichten die Valoren der noch einzigen weltweit aktiven Schweizer Grossbank ein Niveau von über 38 Franken. 2025 waren sie nach den Aktien von Holcim die zweitstärksten des Swiss Market Index (SMI) - mit einem Zuwachs von 33 Prozent. Nun stehen sie auf einem 18-Jahre-Hoch - einem Stand also, den sie zuletzt im Februar 2008 hatten. Damals befanden sie allerdings nicht im Aufwind, sondern im Abwärtsstrudel der Finanzkrise. Zum Vergleich:  Auf dem Tief im Jahr 2020 wurde sie zu weniger als 10 Franken gehandelt. Allerdings gilt auch anzufügen, dass sie kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 fast 80 Franken erreicht hatten.

Dass es von den momentanen Notierungen aus weiter nach oben gehen kann, sagt Marc Strub, Leiter Portfolio Management der Privatbank Reichmuth & Co, auf Anfrage von cash.ch. Er glaubt, «dass die Phase der maximalen Unsicherheit durch ist, das sollte der weiteren Kursentwicklung helfen. Für einen langfristig orientierten Investor sehe ich die UBS-Aktie weiterhin als attraktiv.» 

Der Spezialist wägt die noch bestehenden regulatorischen Risiken - Stichwort: Kapitalvorschriften - und Chancen gegeneinander ab und führt aus, fundamental betrachtet bleibe die UBS «eine der qualitativ stärksten europäischen Banken mit solider Kapitalbasis, attraktiven Dividenden und laufenden Aktienrückkäufen.»

Ins gleiche Horn bläst der zuständige Analyst der Landesbank Baden-Württemberg. Am Dienstag hat er seine Kaufempfehlung bestätigt und das Preisziel auf 43,50 von 35,50 Franken angehoben und signalisiert damit ein 14-prozentiges Kursgewinnpotenzial gegenüber dem Schlusskurs vom Montag. Ausschlaggebend für die aktualisierte Einschätzung seien die gestiegene Zuversicht auf eine erfolgreiche Integration der Credit Suisse (CS) bis Ende 2026 sowie der zunehmende Fokus der Investoren auf das operative Ergebnispotenzial 2027 der dannzumal «neuen UBS».

Kurzfristig könne zusätzlicher Rückenwind entstehen, falls die finalen regulatorischen Vorgaben weniger restriktiv ausfallen als teilweise befürchtet, sagt Aktienexperte Stephan Sola. «Mittel- bis langfristig bleibt UBS jedoch ein komplexer Investment Case, stark geprägt von regulatorischen Entscheidungen, Kapitalanforderungen sowie der erfolgreichen weiteren Integration und Optimierung der übernommenen Strukturen.» Das begrenze die Visibilität und mache die Aktie aus seiner Sicht eher zu einem taktischen als zu einem strukturellen Langfristinvestment.

Auffallend ist aber, dass die UBS-Aktie von vielen Banken und Vermögensverwaltern eher gemieden wird. Unter den Top-Picks 2026 der Zürcher Kantonalbank, der Bank Vontobel, der Helvetischen Bank oder von Oddo BHF erscheinen die Titel der UBS nicht. Alle vier Institute setzen bei den Finanzwerten um Beispiel auf Partners Group

Am Freitag: Weitere Anhaltspunkte zu den Kapitalvorschriften

Operativ läuft es der UBS wie anderen Grossbanken derzeit sehr gut. Im dritten Quartal konnte sie den höchsten Quartalsgewinn seit zwei Jahren einfahren. Über das Schlussquartal 2025 wird das Management Anfang Februar informieren.

Dass die Aktie bis zum Dezember nicht zulegte, liegt an den Plänen des Bundesrates zur Bankenregulierung und speziell zu schärferen Kapitalvorschriften. Das Finanzdepartement unter der Leitung von Bundesrätin Karin Keller-Sutter hatte diese im Juni vorgestellt und dabei ein Dispositiv präsentiert, das unter anderem ein Verantwortlichkeitsregime und höhere Anforderungen an Stabilisierungs- und Abwicklungspläne vorsieht. Zudem soll die Eigenmittelunterlegung ausländischer Tochtergesellschaft erhöht werden. Das betrifft grundsätzlich zwar alle systemrelevanten Banken, de facto aber nur die UBS, da nur sie über entsprechende ausländische Tochtergesellschaften verfügt. Das alles drückte den Kurs der Aktie massiv, sehr zum Missfallen etwa von UBS-Chef Sergio Ermotti.

Das Management der Bank hat die geplanten höheren Anforderungen denn auch als «extrem» taxiert und entschieden zurückgewiesen. Ermotti hat wiederholt klargestellt, dass strengere Kapitalvorschriften einen Wettbewerbsnachteil bedeuten. Die angedachte Regelung zu den Eigenmitteln «schiesst weit über das Ziel hinaus», befand die Schweizerische Bankiervereinigung. «Regulatorische Sonderwege sollten vermieden werden, da sie unnötige Kosten verursachen, die Realwirtschaft belasten und die internationale Anschlussfähigkeit der Schweizer Institute gefährden», so der Verband. Man schätzt, dass die UBS rund rund 24 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem hartem Kernkapital aufbauen müsste, sollte die im Juni vorgestellten Pläne eins zu eins umgesetzt werden.

Inwiefern eine solche nahtlose Umsetzung stattfinden wird, darüber entscheidet nicht der Bundesrat, sondern das Parlament und möglicherweise das Volk in einer Referendumsabstimmung. Weitere Anhaltspunkte, in welche Richtung die politischen Kräfte ziehen, folgen am Freitag. Dann endet die Vernehmlassung zu den Kapitalvorschriften. Zu einer Stellungnahme eingeladen waren die Parteien wie SP, Grüne, Mitte, FDP und SVP sowie Verbände wie der Gewerkschaftsbund SGB und Economiesuisse.

Dass die politische Linke die erhöhten Anforderungen will, ist absehbar. So schrieb die SP im Juni, sie begrüsse die 100-prozentige Kapitalunterlegung von Tochterfirmen systemrelevanter Banken. Wirtschaftsvertreter sehen das freilich anders: Mit der Revision der Regeln für Banken wie der UBS setze die Landesregierung «auf nochmals strengere Kapitalvorschriften», schrieb Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, vor kurzem in der «Neuen Zürcher Zeitung». Das bislang aufgegleiste Vorhaben laufe dem internationalen Trend zur Lockerung beziehungsweise Vereinfachung von Regulierungen entgegen.

Einen wichtigen Vorstoss machte eine Gruppe von bürgerlichen Parlamentariern, die im Dezember einen Kompromissvorschlag vorlegte. Die Gruppe schlägt vor allem vor, dass die UBS bei der vollständigen Unterlegung der ausländischen Töchter bis zu einem Anteil von 50 Prozent auf sogenannte AT1-Anleihen statt auf hartes Eigenkapital zurückgreifen kann. Das würde bei der UBS wahrscheinlich zu einem klar tieferen zusätzlichen Kapitalbedarf führen.

Es war vor allem dieser Vorschlag, der die Aktie in den letzten Wochen steil ansteigen liess. In anderen Worten: Der Markt rechnet also durchaus damit, dass die UBS mit ihrem Widerstand gegen neue Vorschriften Erfolg hat und dass es zu einer Verwässerung der Eigenmittelvorgaben kommen könnte.

Möglicherweise kommt die Vorlage zur Änderung des Bankengesetzes bereits in der Herbstsession 2026 vor das Parlament. Möglich ist eine Beratung aber auch erst nächstes Jahr oder 2028.

 

 

 

Reto Zanettin
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