Bis Ende Dezember sind es zwar noch ein paar wenige Wochen. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass einige börsenkotierte Unternehmen aus der Schweiz ihre diesjährigen Finanzziele nicht erreichen werden.

Eines dieser Unternehmen ist die auf Kommunikationslösungen in Spitälern spezialisierte Ascom. Neuerdings gehen die Verantwortlichen fürs laufende Jahr noch von einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Noch im August war von einem Umsatzplus von rund 10 Prozent die Rede. Auch die Aussagen zur operativen Marge (EBITDA) fallen etwas vorsichtiger als erwartet aus.

Erste kurszielreduktion für die Ascom-Aktie

Auch dass sich der Finanzchef Dominik Maurer dazu entschieden hat, das Unternehmen auf Ende April nächsten Jahres hin zu verlassen, kommt an der Börse nicht gut an. Nach einem Rücksetzer auf 8 Franken verliert die Ascom-Aktie zur Stunde noch 22 Prozent auf 8,30 Franken. Der Spitalkommunikationsspezialist verfehlt die eigenen Ziele nicht zum ersten Mal.

Die Bank Vontobel reduziert das Kursziel auf 9 (zuvor 10) Franken. Das Anlageurteil für die Aktie lautet wie bis anhin "Hold". Die Zürcher Kantonalbank hält die Investment-These ihrerseits nicht für gefährdet und bleibt für "Übergewichten". Der rechnerische faire Wert von 14 Franken dürfte auch sie nach unten anpassen.

Besser hält sich die Aktie von Clariant. Sie macht kontinuierlich Boden gut und büsst nur noch 1,3 prozent auf 12,66 Franken ein. Der Spezialitätenchemiehersteller aus Muttenz kürzt sein diesjähriges Gewinnziel. Neuerdings gehen die Baselbieter noch von einem operativen Jahresgewinn (EBITDA) zwischen 570 und 600 Millionen Franken (zuvor 650 bis 700 Millionen Franken). Das Unternehmen beendet sein verlustreiches Sunliquid-Abenteuer in Rumänien, was mit Rückstellungen und Wertberichtigungen zwischen 60 bis 90 Millionen Franken einhergeht.

Ganz aus dem Nichts kommt der Rückzug aus der Sunliquid-Produktion in Rumänien nicht, hatte Jefferies doch schon Anfang September vor den möglichen finanziellen Konsequenzen eines solchen gewarnt. Die US-Investmentbank hatte die Clariant-Aktie damals von "Buy" auf "Hold" heruntergestuft und das Kursziel auf 15 (zuvor 17) Franken gesenkt. Die Zürcher Kantonalbank begrüsst den Entscheid, einen Schlussstrich unter das "finanzielle Fiasko" in Rumänien zu ziehen. Sie bleibt für "Übergewichten". Deshalb wohl auch die eher milde Reaktion der Börse.

Für Beobachter überraschend trifft auch seitens von Pierer Mobility eine Warnung ein. Bisher machte der an der Schweizer Börse kotierte Motorradhersteller aus Österreich nämlich vor allem durch Zielerhöhungen von sich Reden. Für das laufende Jahr geht das Unternehmen nun aber von einem Umsatzwachstum zwischen 7 und 9 Prozent bei einer operativen Marge (EBIT) von 5 bis 7 Prozent aus. Bislang strebte es eine operative Marge zwischen 8 und 10 Prozent bei einem Umsatzwachstum von 6 bis 10 Prozent an.

Mit einer Reduktion der Belegschaft um bis zu 300 Mitarbeiter und einem Verkauf des Velo-Geschäfts wollen die Österreicher bei Kosten und Strategie Gegensteuer geben. Wie aus hiesigen Börsenkreisen verlautet, werden Banken wie Vontobel oder Jefferies bei ihren Schätzungen den Korrekturstift ansetzen müssen. Beide preisen die Pierer-Aktie zum Kauf an, Vontobel mit einem Kursziel von 91 Franken. Wie der US-Broker Stifel vorrechnet, müssen die Markterwartungen an den operativen Gewinn um bis zu 40 Prozent zusammengestrichen werden. Stifel stuft die Aktie vorerst mit "Buy" und einem Kursziel von 87 Franken ein.

Arbonia krebst bei den Mittelfristzielen zurück

Beim Bauzulieferer Arbonia fallen die Vorabinformationen zum Investorentag gar vorsichtig aus. Die Aussagen zum Tagesgeschäft lassen erahnen, dass die Analysten ihre diesjährigen Gewinnschätzungen etwas zurücknehmen müssen. Unterschiedlich werden in Analystenkreisen die Mittelfristziele beurteilt. Während die Bank Vontobel von einer Reduktion der Ziele spricht, ist bei anderen Banken von einer Zielbestätigung die Rede. Arbonia strebt auf organischer Basis bis 2026 ein jährliches Umsatzwachstum von mindestens 3,5 Prozent an. Für 2026 wird ein operativer Jahresgewinn (EBITDA) in Höhe von mindestens 170 Millionen Franken erwartet.

Wie die Bank Vontobel schreibt, hat der Bauzulieferer mit verhaltenen Absatzvolumen, hohen Einmalkosten sowie mit einer anhaltend hohen Belastung bei den Energiekosten zu kämpfen. Die Zürcher Bank zeigt sich sichtlich enttäuscht, stuft die Aktie vorerst aber weiterhin mit Hold und einem Kursziel von 9 Franken ein. Der Zürcher Bank zufolge war Arbonia bisher von einem Umsatzwachstum von jährlich 5 Prozent und einem operativen Jahresgewinn für 2026 von 200 Millionen Franken ausgegangen. Der Grund für die Diskrepanz liegt wohl bei den vorsichtigeren Währungsannahmen Arbonias.

Während die Aktie von Pierer Mobility zur Stunde um mehr als 14 Prozent auf 49,85 Franken einknickt, kommt jene von Arbonia mit einem Minus von 2,6 Prozent auf 8,31 Franken noch mit einem blauen Auge davon.

Lorenz Burkhalter Redakor Ringier
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