Mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz entstehen an der Börse neue Überflieger. Die Gewinner ziehen sich durch die gesamte KI-Wertschöpfungskette: Cloud-Anbieter, Pharmaforscher, Anbieter von seltenen Erden und Finanzdienstleister profitieren von der Rally.

Jörg Held, Head of Portfolio Management beim Fondsanbieter Ethenea, zeigt fünf Aktien für die nächste Phase des KI‑Booms. Die Papiere bieten Anlegern laut dem Portfoliomanager Zugang zu den wichtigsten strukturellen KI-Trends.

Alibaba

Alibaba steht im Zentrum von Chinas KI-Aufholjagd und signalisierte mit Kapitalerhöhungen die Entschlossenheit, enorme Summen zu investieren, um die globale KI-Führungsposition einzunehmen. Die Aktie befindet sich seit einem Jahr in einem Abwärtstrend nach der Kapitalerhöhung. Der Portfoliomanager ist dennoch zuversichtlich: «Der Konzern betreibt die grösste Cloud-Plattform des Landes und investiert massiv in KI-Infrastruktur.» Erst kürzlich gab Alibaba bekannt, seine Rechenzentren in Europa und Nahost auszubauen.

Wachstumshebel sieht der Experte in der Kombination aus Cloud-Geschäft und Cashflows aus dem E-Commerce-Geschäft sowie in der Unterstützung der chinesischen Regierung. Im Vergleich zu US-Wettbewerbern fällt die Bewertung der Aktie nach wie vor moderat aus. «Alibaba zählt damit zu den direktesten und liquidesten Möglichkeiten, an Chinas KI-Ambitionen zu partizipieren», meint der Portfoliomanager von Ethenea. 

Merck & Co.

Pharmakonzerne nutzen zunehmend Künstliche Intelligenz, um Wirkstoffe zu untersuchen oder klinische Studien durchzuführen. Merck spiele hier ganz vorne mit, um die Forschung zu beschleunigen oder die Fertigung effizienter zu gestalten. 2028 läuft das Patent für das umsatzstarke Krebsmedikament Keytruda von Merck aus. Dann komme es laut dem Experten Held auf die Pipeline an: «Die KI-gestützten Effizienzsteigerungen können hier einen echten Hebel für die Rendite der Forschungsausgaben darstellen.» Die Aktie sei wie diejenige von Alibaba moderat bewertet und biete eine solide Dividendenrendite. Seit 12 Monaten legten die Wertpapiere eine Steigerung von 60 Prozent hin.

Merck bereitet sich bereits auf den Patentverlust von Keytruda vor. Zusammen mit Moderna entwickelt Merck derzeit einen personalisierten Krebsimpfstoff. In einer Studie kombinierten sie das Vakzin mit Keytruda und bestätigten erstmals in einer späten Studienphase das Potenzial der mRNA-Technologie für die Krebstherapie. 

MP Materials

Seltene Erden sind essenziell für die Herstellung von KI-Chips, den Betrieb von Rechenzentren oder Elektromotoren. Nach einer neuen G7-Vereinbarung soll bis 2030 kein einzelner Lieferant mehr als 60 Prozent der Importe an seltenen Erden und Magneten stellen. Derzeit kommt China auf rund 90 Prozent der weltweiten Kapazitäten. «MP Materials, das die einzige integrierte Mine und Raffinerie für Seltene Erden in den USA betreibt, ist der Hauptprofiteur dieser Entwicklung», folgert der Portfoliomanager Held.

Unterstützung erhält MP Materials unter anderem von Techkonzernen wie Apple. Weitere Abnahmeverträge sowie die Unterstützung der US-Regierung sorgen für Planungssicherheit. Zudem sei auch Europa von MP Materials abhängig, um den Bezug von seltenen Erden nicht auf China zu beschränken. Für Held sind die Papiere deshalb «ein strategischer Vermögenswert mit Rückenwind auf beiden Seiten des Atlantiks». Aktuell steht die Aktie fast 9 Prozent tiefer als Anfang Jahr.

Deutsche Bank

Ebenfalls zu den Profiteuren der Phase nach dem KI-Boom gehört laut Ethenea die Deutsche Bank. «Deutschlands fiskalische Offensive in Infrastruktur und Verteidigung dürfte die Kreditnachfrage beleben», so der Experte. 

Seit Januar verlor die Aktie über sechs Prozent. Anleger würden von der kontinuierlich steigenden Profitabilität profitieren sowie von wachsenden Ausschüttungen durch Dividenden und Aktienrückkäufe. Die Aktie notiere zudem weiterhin unter Buchwert. Dies lässt laut Held «Spielraum für ein Re-Rating, sobald die Renditen nachhaltig über den Kapitalkosten liegen».

Nebius

Neocloud-Anbieter wie Nebius aus den Niederlanden bieten – im Gegensatz zu traditionellen Cloud-Services – Hochleistungsserver mit Grafikprozessoren (GPUs). Neoclouds oder KI-Clouds erfüllen damit die extremen Anforderungen von KI‑Workloads. «Europa braucht eine eigene KI-Infrastruktur und Nebius ist eine der wenigen börsennotierten Möglichkeiten, daran zu partizipieren», meint der Experte.

Das an der Nasdaq kotierte Unternehmen sicherte sich bereits Meta als Grosskunden. Die Facebook-Mutter bekommt ab 2027 Zugriff auf KI-Rechenkapazitäten im Wert von 12 Milliarden Dollar. Langfristige Verträge mit Grosskunden würden für Umsatzsicherheit sorgen. «Sollte es Nebius gelingen, seine Kapazitäten bei hoher Auslastung zu skalieren, könnte der operative Hebel erhebliches Aufwärtspotenzial freisetzen.» Auch an der Börse geht es für Nebius nach oben: Seit Anfang des Jahres hat die Aktie des Neocloud-Anbieters 170 Prozent dazugewonnen.

Portrait von cash-Redaktor Loris Gregorio
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