Die zehnjährigen US-Staatsanleihen rentierten am Mittwoch mit 4,234 Prozent, im Vergleich zu 4,343 Prozent am Dienstag. Der Dollar-Index fiel daraufhin um rund ein Prozent auf 98,830 Punkte, während Silber und Gold um 5,5 und zwei Prozent zulegten. Wenn US-Bondrenditen fallen, sinkt die Attraktivität für Investoren, ihr Kapital in Dollar anzulegen, was die Nachfrage nach der Währung belastet. Zugleich verlieren Edelmetalle, die selbst keine Zinsen abwerfen, ihren Nachteil gegenüber verzinsten Anlagen.
«Die Marktteilnehmer gingen am Anfang dieser Handelssitzung fest von einer Eskalation aus», sagte Nicholas Frappell von ABC Refinery. Die jüngsten Nachrichten hätten diese Erwartung jedoch «auf den Kopf gestellt - und das war positiv für Gold». Die USA verständigten sich in der Nacht mit dem Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause und wendeten damit eine weitere Eskalation des Krieges vorerst ab. Die daraufhin einbrechenden Ölpreise liessen unter Händlern die Hoffnung auf einen Rückgang der Inflation und eine Zinssenkung der US-Notenbank noch im laufenden Jahr aufkeimen. Die Erwartung einer lockereren Geldpolitik macht bestehende Anleihen mit höheren Kupons im Vergleich zu künftig niedrig verzinsten Papieren attraktiver.
Chefstrategin Charu Chanana von der Saxo Bank verwies jedoch darauf, dass der Preis für Rohöl der Nordsee-Sorte Brent weiterhin deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn im Februar liegt. Auch andere Experten gehen davon aus, dass es länger dauern könnte, bis sich die Produktionsausfälle und Verzögerungen im Schiffsverkehr normalisieren. «Ich würde nicht davon ausgehen, dass die Märkte einfach wieder genauso viele Zinssenkungen einpreisen wie vor dem Krieg», sagte Chanana. «Die grössere Sorge ist, dass ein Teil der Schäden selbst bei einer Deeskalation nachwirkt.»

